Alles Singen hat nichts geholfen. In einem Video, das auf der Webseite der Betreuungseinrichtungen der Kronacher Lebenshilfe am Kreuzberg zu sehen ist, haben sich einige Mitbewohner versammelt, texten und singen gegen das Virus an: "Corona! Corona! Geh weg von uns, Corona!" Irgendwie hat sich das Virus doch in die Häuser geschlichen. Bewohner und Mitarbeiter sind am Wochenende nach ersten Symptomen positiv getestet worden. Ein Großaufgebot an Helfern steht nun bereit: Bayerisches Rotes Kreuz (BRK), Technisches Hilfswerk (THW), Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Gesundheitsamt. Sie alle versuchen, die Situation in den Griff zu kriegen.

Doch derzeit ist es unübersehbar, wie die Krise in den beiden Wohnheimen für behinderte und pflegebedürftige Menschen Einzug hält. Ein Zelt steht vor der Einrichtung. Menschen in Ganzkörperschutzanzügen blicken von den Balkonen. Insgesamt 45 Bewohner leben derzeit in den zwei Wohnheimen. 18 von ihnen sind positiv auf Sars-Cov-2 getestet worden. Dazu sind sieben Mitarbeiter infiziert und somit nicht im Dienst.

Die Lebenshilfe ist deshalb auf Hilfe von außen angewiesen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. "Parallel wird durch die Führungsgruppe Katastrophenschutz, die örtliche Einsatzleitung sowie die Einrichtungsleitung daran gearbeitet, qualifiziertes Personal aus anderen Einrichtungen zu gewinnen, welches in dieser akuten Notsituation unterstützend helfen kann und somit die Betreuung der Bewohner und Bewohnerinnen weiter zu gewährleisten", berichtet das Landratsamt am Sonntagabend.

Reihentestung am Kreuzberg

Am heutigen Dienstag werden alle Bewohner und Mitarbeiter getestet. Zur PCR-Reihentestung werden somit von allen Beteiligten Abstriche genommen, um den Ernst der Lage zu überblicken. Mit Ergebnissen wird in den folgenden 48 Stunden gerechnet.

Problematisch ist sowohl die Umstellung für Mitarbeiter und Bewohner. Die Gruppen sind ihre vertrauen Tagesabläufe gewohnt und müssen nun mit bislang unbekannten Aushilfskräften in kompletter Schutzkleidung auskommen.

Auch der ASB muss im Marktrodacher Seniorenheim noch mit den Folgen der Infektion kämpfen. Roland Funk weiß, wie schwierig es ist, das Virus wieder aus einer Einrichtung zu verbannen, wenn es dort ausgebrochen ist. Der Geschäftsführer der ASB-Sozialdienst GmbH berichtet, dass sieben Mitarbeiter und 16 Bewohner des Seniorenwohnheims Rodachtal positiv getestet wurden. Insgesamt leben 57 Senioren in der Einrichtung, betreut von 60 Mitarbeitern.

Der ASB hat einen Notplan und auch die Mitarbeiter-Kapazitäten, ihre Einrichtungen am Laufen zu halten. "Unsere zweite Einrichtung in Rothenkirchen und der ambulante Pflegedienst helfen aus", erklärt Geschäftsführer Funk. Dennoch stehen ihm nun zwei Tage des Zitterns bevor. Alle Mitarbeiter wurden am Montag getestet. Das Ergebnis erwartet er am Mittwoch, einen Tag vor Heiligabend. Die Bewohner werden wiederum am 28. Dezember getestet. Das Wohnheim steht seit dem Ausbruch am 8. Dezember unter Vollquarantäne. Mitarbeiter tragen den vollen Körperschutz gegen das Virus und werden deshalb nicht als Kontaktpersonen der Kategorie 1 eingestuft.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: "Alle Bewohner haben zum Glück einen recht milden Verlauf", sagt der Geschäftsführer. Nur eine Bewohnerin sei im Klinikum auf die Isolationsstation eingeliefert worden - nicht auf die Intensivstation. In den vergangenen zwei Wochen ist kein Bewohner an den Folgen der Covid-19-Erkrankung im Marktrodacher Wohnheim gestorben. "Wir müssen darauf achten, dass sich keine weiteren Mitarbeiter anstecken. Das ist das A und O", sagt er. Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt und den anderen Wohlfahrtsverbänden bezeichnet Roland Funk als vorbildlich.