Am letzten Wochenende war es nicht wie sonst still und leer in der Maximilian-von-Welsch-Realschule. Und das lag nicht nur am Wahllokal für die Bundestagswahl. Die Kronacher Klassik-Akademie (KKA) probte für ihre Konzerte am kommenden Sonntag. Im Auditorium übten die ersten Geigen, von irgendwo erklangen die tiefen Töne der Bläser, darüber schwebte eine silbrig-leichte Flötenmelodie und in einem abgelegenen Raum sang sich die Sopranistin ein.

Eva Friedrich aus Stockheim wird in drei Arien ihre Stimme auf unterschiedlichste Art präsentieren: als schüchternes Mädchen, ihren Mann bezirzende Ehefrau und sehnsüchtig auf Vereinigung hoffende Liebende. "Den "Morgen!" von Richard Strauß wollte ich immer mal singen", sagt sie, "aber technisch und gestalterisch bin ich jetzt erst bereit dafür".


Schon mit fünf Jahren im Chor


Im Oktober wird Eva ihren Bachelorabschluss in Gesang machen. Nach dem Masterstudium folgt hoffentlich ein Engagement auf einer Opernbühne. Das alte Sprichwort "Früh übt sich, wer ein Meister werden will" scheint sie verinnerlicht zu haben - schon mit fünf Jahren sang sie im Chor, ihren ersten Gesangsunterricht erhielt sie mit 13. Nach der Ausbildung zur Chor- und Ensembleleiterin mit Hauptfach Gesang an der Berufsfachschule für Musik in Oberfranken ergatterte sie einen der begehrten Plätze an der Universität der Künste in Berlin. Und jetzt nimmt sie zum zehnten Mal an der Klassik-Akademie teil.

Ihren Stammplatz bei den Hörnern musste sie dieses Jahr für ihren Soloauftritt aufgeben: "Ein bisschen Wehmut schwingt schon mit", sagt sie, "aber beides gleichzeitig geht nicht." Beim Horn muss sie die Muskeln um den Mund anspannen, beim Singen müssen sie locker bleiben. Der Verzicht fällt ihr leicht, denn zum ersten Mal wird sie von einem großen Orchester begleitet. "Einerseits muss ich auf alles achten, was Orchester und Dirigent machen und mich in den Gesamtklang einfügen und andererseits trotzdem solistisch hervortreten", beschreibt sie die Herausforderung. Vor der Probe ist sie merklich angespannt, danach spürbar erleichtert: "Ich freue mich darauf, zuhause in Kronach zu singen!".


Von der Blockflöte zum Klavier

Auch für den jungen Giovanni Antonio Gromek aus Kirchenlamitz im Landkreis Hof werden die Konzerte der KKA ein Heimspiel: Dem Kronacher Publikum ist er als virtuoser Blockflötist bekannt. Seit 2012 ist er Schüler von Andreas Wolf, dem Leiter der Berufsfachschule für Musik. Jetzt zeigt er sein Können am Klavier mit Mozarts Konzertrondo in D-Dur. Vier bis fünf Monate hat er sich darauf vorbereitet. Dabei zähle nicht, wie lange man am Tag übe, sondern mit welcher Qualität.

"Wenn ich weiß, was ich erreichen will, mich dann vollkommen darauf einlasse und mich nur dieser einen Sache widme, dann eröffnen sich neue Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten", erklärt er seine Arbeitsweise. Und die führt ihn zu großen Erfolgen, wovon der größte der zweite Platz im Bundeswettbewerb von Jugend musiziert 2014 war. Den ersten Klavierunterricht erhielt er mit fünf Jahren, bald wurde er von Professoren unterwiesen. Derzeit absolviert er ein Gaststudium an der Hochschule für Kirchenmusik in Bayreuth bei Prof. Wolfgang Döberlein.

Das Musizieren mit großem Orchester ist für ihn nichts Neues, er spielte sogar schon mit den Hofer Symphonikern. Am Tag nach dem Konzert wird er siebzehn. Bei so viel herausragendem Talent und Erfolgen in jungem Alter liegt eine musikalische Laufbahn nahe. Aber Giovanni hat andere Pläne. Musik werde immer sein Hobby bleiben, aber beruflich möchte er etwas in der Wirtschaft machen oder in die Politik gehen. "Ich versuche mich breit aufzustellen und mich nicht festzulegen", erklärt er. Schließlich könne eine einzige Begegnung alles verändern im Leben und der Weg eine komplett andere Richtung nehmen. Dieser ist jedenfalls bis zu den Konzerten der KKA am kommenden Sonntag vorgezeichnet.

Am Dirigentenpult steht der junge Spanier Néstor Bayona, der als Pianist und Dirigent an der Universität der Künste in Berlin arbeitet. Unter seiner Leitung wird das Sinfonieorchester der KKA auch zwei reine Orchesterwerke spielen: die temperamentvoll folkloristische Ballettsuite "der Dreispitz" von Manuel de Falla sowie Beethovens sechste Sinfonie, die sogenannte Pastorale. "Es handelt sich um ein großes und schwieriges Programm", sagt er, "in keinem Stück können die Musiker entspannen". Aber er sei sich sicher, dass das Publikum zufrieden sein wird.


Die Konzerte der Kronacher Klassik-Akademie

Am kommenden Sonntag, 1. Oktober, findet in Kronach, Maximilian-von-Welsch-Schule, Gabelsbergerstr. 4:
um 11 Uhr ein Sinfonischer Frühschoppen im Rahmen der Kronacher Klassik-Akademie statt. Um 16 Uhr beginnt das Abschlusskonzert mit folgendem Programm:
Manuel de Falla: Der Dreispitz, Suite für Orchester Nr. 1
Wolfgang Amadeus Mozart: Konzertrondo für Klavier und Orchester D-Dur KV 382
Arien und Lieder von Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Strauss und Pietro Mascagni,
Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 "Pastorale".
Ausführende sind Giovanni Antonio Gromek (Klavier), Eva Friedrich (Sopran) und das Sinfonieorchester der Kronacher Klassik-Akademie. Die Leitung und Moderation hat Néstor Bayona.
Der Eintritt ist frei, weitere Informationen:www.klassik-akademie.de