Gestellt ist die Frage noch nicht - die Antwort gibt Matthias Kümmet trotzdem. Irgendwie scheint sie in der Luft gelegen zu haben. Hat ein solch seltener Beruf Zukunft? "Ich kann ihn nur jedem empfehlen. Jedem, der Spaß daran hat, mit verschiedenen Materialien zu arbeiten", sagt der 45-Jährige. Sei es Metall, sei es Holz - oder mittlerweile auch Karbon. Sein Beruf: Büchsenmacher. Es gibt wohl kaum ein Gewerbe, das für Kronach mit seiner Festung typischer ist, als dieses, ist Kümmet überzeugt.

Gefragt sei es nicht nur bei Jägern oder Sportschützen, sondern inzwischen auch wieder in der Waffenindustrie. "Viele Jahre hat man dort eher Industriemechaniker genommen, jetzt greift man aber wieder auf Büchsenmacher zurück", sagt er. Denn für diese stehe zunächst das Handwerk im Vordergrund - was die Firmen aufgrund der breitgefächerten Ausbildung zu schätzen wüssten. "Spezialisieren kann man sich dann in der Firma." Man müsse sich ja nicht gleich selbstständig machen. Also jenen Weg einschlagen, für den er sich entschieden hat - und damit in die Fußstapfen seines Vaters und Großvaters trat.

1971 übernahm Gerhard Kümmet das Ladenlokal in der Schwedenstraße, in dem nicht nur Jagd- und Schießsport-Zubehör verkauft wird, sondern auch Outdoorbekleidung oder Trachten. Konkurrenz gibt es nur außerhalb der Landkreis-Grenzen. Doch Waffen werden in der rund 50 Quadratmeter großen Werkstatt nicht hergestellt. "Heutzutage arbeitet man dank computergesteuerten Maschinen mit Toleranzen im Hundertstel-Millimeter-Bereich, sagt Matthias Kümmet. Mit den Maschinen, die er in seiner Werkstatt stehen habe, sei das gar nicht mehr machbar. "Es ist alles viel genauer geworden. Wo man früher eine Feile genommen hat, nimmt man nun die Fräsmaschine."


Hauptsächlich Reparaturen

Überflüssig ist die Werkstatt freilich nicht. "Hauptsächlich nutzen wir sie für Reparaturen und Instandhaltungen", erklärt der 45-Jährige. Wenn etwa ein Zielrohr auf einem Gewehr angebracht werden muss, komme er ins Spiel. "Ich schlage die Art der Montage vor und installiere die Optik dann."

Verzierungen von Waffen, die ebenfalls lange Jahre ins Aufgabengebiet eines Büchsenmachers fielen, kämen kaum noch vor. Längst gehe es eher darum, die Waffen zu "tunen" und den Bedürfnissen von Schützen oder Jägern anzupassen. "Wir machen aus einem Serienprodukt ein individuelles und erhöhen so die Genauigkeit", sagt Kümmet, der sich auf Kurzwaffen - also Pistolen und Revolver - spezialisiert hat. Doch das "Tunen" sei ein Nischenangebot, Reparaturen überwögen.

Zwar übergab Gerhard Kümmet das Geschäft 2006 an seinen Sohn, ist aber noch immer regelmäßig an einem der zahlreichen Schraubstöcke zu finden, die im Abstand von etwa einem Meter in der Werkstatt befestigt sind. "Wie es im Einzelhandel halt so ist", sagt der 75-Jährige mit einem leichten Schulterzucken dazu. "Es ist ein Familienbetrieb und man wird gebraucht. Das war bei meinem Vater so und das ist jetzt auch bei mir so."

Er teile sich selbst ein, wann er arbeiten möchte, sagt Matthias Kümmet. Das Wissen seines Vaters sei ein Schatz, auf den er solange zurückgreifen will wie es geht. Er kenne auch die älteren Waffen in- und auswendig. Ein 20 Jahre altes Luftgewehr Instand zu halten, sei so kein Problem - und das ist wichtig. Der Service sei es schließlich, der sein Geschäft vom Internet unterscheide, erklärt Matthias Kümmet. Innerhalb weniger Tage könne der Kunde seine Waffe dann wieder abholen.


Direktes Feedback

Zweimal die Woche geht der 45-jährige Büchsenmacher auf den Kronacher Schießstand, um die von ihm veränderten Waffen perfekt einzustellen. "Das darf ja nicht erst auf dem Hochsitz passieren", so Kümmet. Das Feedback gibt es daher umgehend. Das gehöre ebenfalls zu den Aspekten, die ihm an seinem Beruf so gefallen: "Entweder es funktioniert wie es soll oder eben nicht." Etwas dazwischen gebe es nicht.