Der Blick auf die Wetter-App ihres Smartphones dürfte beim Großteil der Kronacher Skater zuletzt mit einer eher missmutigen Miene einhergegangen sein. Denn der Regen der vergangenen Tage lud nicht gerade dazu ein, sich auf das Board zu stellen und zum Skatepark (hinter dem Real-Markt) ins Landesgartenschau (LGS)-Gelände zu rollen. Kein Wunder, dass der Platz mit seinen Geländern und Rampen zuletzt nicht so stark besucht war wie bei einladenderem Wetter. Doch gerade die häufigere Nutzung kann beim Skatepark zum Problem werden: Wird der Belag stark belastet, weicht er auf - ideale Bedingungen sehen anders aus.

Daher sammelte die Kronacher Skater-Community schon vor zwei Jahren Unterschriften und übergab diese ans Rathaus. Das Ziel: eine Sanierung für den Skatepark zu erreichen. Es war der Ausgangspunkt für gleich eine ganze Reihe an Ideen für neue Freizeitaktivitäten auf dem LGS-Gelände - die inzwischen in einem Entwurf für einen Fitness-Parcours mündeten. Der wird am Montag im Kronacher Stadtrat vorgestellt.


"Bedarf besteht"

Die Ratsmitglieder sollen darüber entscheiden, ob der städtische Arbeitskreis "Familienfreundliches Kronach" eine Marketing-Aktion starten darf, um so Geld für das mögliche Projekt zu sammeln. Weshalb plätzlich der Arbeitskreis und nicht die Skater? Ganz einfach. "Die Gruppe hat sich damals langsam erweitert", erklärt Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU). Erst kamen Mitglieder der Turnerschaft Kronach hinzu, später auch das Demographie-Kompetenzzentrum Oberfranken. "Da hat man schnell gemerkt, dass in Kronach Bedarf besteht, unterschiedliche Sportarten an einem Ort konzentriert angeboten zu bekommen."

Daher nahm der Arbeitskreis die Ideen auf, arbeitete diese aus und ließ eine Agentur einen ersten Entwurf anfertigen (siehe Infokasten). "Es soll ein Sportpark werden, der allen Generationen zugänglich ist. Vor allem den Senioren und Facharbeitern nach der Arbeit", sagt Hofmann die auch dem Arbeitskreis angehört.

Angedacht seien dafür Outdoor-Fitnessgeräte in der Nähe des Skaterparks. Der wiederum könnte im Rahmen der Sanierung auch noch eine Tribüne, einen Wasserspender und ein Sonnensegel erhalten. Außerdem ist im Plan ein Soccer-Käfig enthalten, in dem Kinder dem Ball hinterherjagen können.


Die erste Phase

Damit könnte ein Beitrag für eine gute Work-Life-Balance, zum sportlichen Wohlbefinden und schlicht zum erholen geleistet werden, so Hofmann: "Das ist aber nur ein ganz grober Entwurf." Es gehe in dieser ersten Phase vor allem darum, eine Vorstellung davon zu erhalten, was sich auf dem LGS-Gelände alles entwickeln kann.
Die Stadt soll durch die Investitionskosten nicht groß belastet werden. "Wir wollen versuchen, mit öffentlichen und privaten Geldern das ganze zu finanzieren", sagt Hofmann. Auf die Stadt käme daher lediglich der Pflegeaufwand zu. Das Demografie Kompetenzzentrum habe bereits zugesagt, den Arbeitskreis bei der Suche nach Fördergeldern zu unterstützen. "Die sehen es sowohl im Kontext des demografischen Wandels, weil Stadt und Landkreis mit Einwohnerverlusten betroffen sind, als auch im Kontext der vielen Menschen, die hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Denen soll in Sachen Freizeitgestaltung und Wohlfühlfaktor etwas mehr geboten werden."


Eine Frage der Kosten

Sie vermutet, dass alle im Stadtrat vertretenen Parteien Freizeitangeboten aufgeschlossen gegenüberstehen. "Aber es ist immer vorbehaltlich der Investitions- und Betriebskosten. Da werden wir diskutieren müssen, wie man Lösungen findet", vermutet sie.

Neben der CSU, die den Antrag für den Verein formal stellte, werden diesem wohl auch die Sozialdemokraten zustimmen. "Wir haben als Fraktion dafür immer unsere Unterstützung bekundet und wollen von unserer Seite ein Ok geben", sagt der SPD-Fraktionssprecher Ralf Völkl, der dem Arbeitskreis ebenso angehört wie dem LGS-Aufsichtsrat. Auch dort sei man dem Projekt gegenüber sehr aufgeschlossen.

Wichtig ist auch Völkl, die Kostenfrage schon vorab geklärt zu haben. Einer kleineren finanziellen Unterstützung seitens der Stadt könne die SPD zwar vertreten, groß belastet werden dürfe die Stadtkasse aber nicht. "Das Bündnis muss sich um die Gestaltung kümmern." Geklärt werden müsse zudem, wie das Wasserwirtschaftsamt zu dem Projekt steht.


Überlassungsvertrag

Probleme sind in dieser Hinsicht aber wohl keine zu erwarten. Laut Hofmann habe das Amt eine wasserrechtliche Genehmigung bereits in Aussicht in Aussicht gestellt, sofern es die Pläne mitentwickeln kann.

Das Gelände, auf dem der Fitness-Parcour entstehen könnte, gehört derzeit dem Freistaat Bayern. "Da müsste ein Überlassungsvertrag geschlossen werden", so Hofmann. "Aus meiner Sicht idealerweise mit der Stadt Kronach und nicht mit einem Verein oder uns als Arbeitskreis. Das wäre mir zu unsicher." Stimmt der Stadtrat dem Antrag am Montag zu, könnte die Suche nach Geldgebern beginnen.