Seit über 700 Jahren thront Kronachs Festung über der Stadt auf dem Rosenberg - und ihre Mauern werden noch stehen, wenn wir schon lange nicht mehr sind. Aufständische Bauern konnten ihr nichts anhaben, Feinde in mehreren Kriegen konnten sie nicht einnehmen und auch keine einstürzenden Mauerteile brachten sie zu Fall. Bastion, Gefängnis, Flüchtlingsunterkunft, Veranstaltungsort und Touristenmagnet - die alte Dame erfindet sich immer wieder neu. Doch die Corona-Pandemie zwang sie in einen kurzzeitigen Dornröschenschlaf.

Aus dem ist sie nun wieder erwacht: Die in den Festungsmauern beheimatete Fränkische Galerie ist seit vergangener Woche wieder geöffnet. Doch natürlich sind die Vorkehrungen gegen das Corona-Virus auch in den Ausstellungsräumen allgegenwärtig. "Wir haben nach den Richtlinien der Landesstelle für nichtstaatliche Museen ein Schutz- und Hygienekonzept erstellt, das wir dem Landratsamt zur Genehmigung vorgelegt haben", erklärt Kerstin Löw von der Kronacher Tourist-Info. Alles wird täglich gereinigt, Türgriffe und Handläufe mehrmals.

Am Eingang erwartet die Besucher ein Desinfektionsspender, von dort an gilt die Maskenpflicht. Und auch wenn die Ausstellungsräume weitläufig sind: Gelbe Aufkleber auf dem Boden weisen an engeren Stellen auf den Mindestabstand hin. Dass es auch im Museum schnell einmal zum Stau kommen kann, haben die Tage vor der Schließung gezeigt: Da wurde dieser sonst so ruhige Ort des Innehaltens zum wahren Touristen-Magnet: "Weil zu diesem Zeitpunkt bereits viel geschlossen war, haben sich Mitte März - mangels Alternativen - die Besucher zu Hunderten hier eingefunden", erinnert sich Löw. Zum Schutze ihrer Mitarbeiter habe sie dann, in Absprache mit dem Bürgermeister, entschieden, die Festung zu schließen.

Vorsicht statt Lockerungswahn

Und auch wenn bei der Tourismus-Chefin die Freude groß ist, dass die Besucher wieder mit den hochkarätigen Exponaten auf "Tuchfühlung" gehen können: "Ich halte nichts von einem Lockerungswahn, der dazu führt, dass wir in ein paar Wochen wieder schließen müssen." Mitarbeiter wie Nadine Bergner zählen an der Pforte die Besucher - maximal 30 dürfen sich zeitgleich im Museum aufhalten.

Gruppenbesuche sind derzeit nicht erlaubt, Führungen finden noch nicht statt. Familienangehörige eines Haushalts dürfen die Galerie jedoch besuchen. "Wir merken, dass derzeit - mangels Alternativen - vermehrt Familien mit Kindern kommen." Vor allem die interaktive Ausstellung "Festungen - Frankens Bollwerke" , die den Besucher mit Kanonendonnern empfängt, ist bei Kindern beliebt. "Irgendwann ist auch das digitale Ablenkungsspektrum ausgeschöpft", glaubt Museologe Alexander Süß. "Dann freuen sich die Kinder, mal wieder etwas anderes zu erleben."

Die Ausstellung bietet einen spielerischen Zugang zu den fränkischen Festungen, erklärt, warum sie überhaupt gebaut wurden und warum sie heute nicht mehr zur Verteidigung genutzt werden. Es gibt allerhand zu bestaunen, unter anderem die letzte noch erhaltene Kronacher Kanone aus dem Jahr 1739 samt Munition, die sogar in die Hand genommen werden darf, sodass laut Süß kleine und große Besucher gleichermaßen auf ihre Kosten kommen: "Ich hoffe, dass die Leute diese Zwangspause nutzen, um Dinge zu machen, die sie sonst nicht machen."

Und vielleicht startet der ein oder andere Kronacher der alten Dame nach langer Zeit mal wieder einen Besuch ab - und verbindet den gleich mit einer Einkehr in der Bastion Marie. Ohne das Mariechen waren Spaziergänge und Fahrrad-Ausflüge nicht dieselben. Da sind sich die Gäste, die seit vergangener Woche wieder auf der Festung Rosenberg einkehren, einig. Auch wenn die Kellnerin am Eingang eine Maske trägt: Ihre Augen strahlen.

"Die Stimmung ist gut. Viele Stammgäste sind schon vorbei gekommen", freut sich Sandra Englich. Das Jubiläumsjahr - 15 Jahre Knut Events - hatte sie sich anders vorgestellt. Darum ist die Erleichterung der Betreiberin des beliebten Ausflugsziels deutlich anzuhören. "Je länger die Zwangsschließung gedauert hat, desto belastender war es. Wir konnten nicht abschätzen, wie lange das alles dauert und ich hatte Angst, dass mir meine Mitarbeiter abhandenkommen." Damit die Einnahmen in dieser Zeit nicht komplett wegbrechen, hat die Bastion Marie einen Abhol- und Bringservice für Speisen angeboten.

Auch den neuen Herausforderungen begegnen Englich und ihre 15 Mitarbeiter nun buchstäblich mit einem Lächeln: "Auch wenn wir Masken tragen, so lächeln wir sie auch dahinter immer freundlich an", heißt es auf den "Verhaltensregeln", die auf den Tischen ausliegen - und so steht es auch auf den Namensschildern. Bevor bestellt wird, verteilt das Personal Kärtchen, auf denen die Gäste ihre Kontaktdaten ausfüllen müssen.

Die kleine "Hausaufgabe" wird gerne in Kauf genommen - genauso wie kurze Wartezeiten, da derzeit im Außenbereich weniger Tische stehen und diese nach jedem Gast desinfiziert werden müssen. "Bisher haben wir nur positives Feedback bekommen. Alle haben dafür Verständnis."

Bei so einer Aussicht fällt das Warten eben nicht schwer - und so verbinden viele Kronacher einen Ausflug in der Fränkischen Galerie mit einem Besuch bei Marie.