Es ist noch keine 14 Tage her, dass in der Ludwigsstädter Straße in Kronach die offizielle Eröffnung des neuen Autohauses Vetter gefeiert wurde. Das ist ein weiterer Meilenstein in der Firmengeschichte. Wir sprachen hierzu mit Geschäftsführer Otto Büttner-Vetter.

Herr Büttner-Vetter, die offizielle Einweihung des neuen Autohauses liegt hinter Ihnen. Wie fühlen Sie sich?
Otto Büttner-Vetter: Ich bin überglücklich, weil die Eröffnung seitens unserer Kunden und in der Bevölkerung eine große Akzeptanz fand.

Warum haben Sie in den Standort Kronach investiert? Und wie hoch sind die Kosten dieser Investition?
Mit unserem ehemaligen Standort in der Lönsstraße sind wir an die Grenzen unserer Kapazitäten gelangt, vor allem was den Servicebereich betrifft. Wir hatten dort keine Möglichkeit uns zu vergrößern. Ein weiterer Faktor war die innerstädtische Lage des ehemaligen Vetter-Standorts und die damit verbundene nicht optimale Erreichbarkeit unserer Kunden und Lieferanten. Weiterhin war ein großer Investitionsstau vorhanden, was die Modernität des Gebäudes und der Ausstattung betraf. Zu bemerken ist auch, dass sich dieses Areal nicht im Eigentum des Autohauses Vetter befand. Dies waren für uns die Gründe, rund 3,3 Millionen Euro in einen neuen Standort zu investieren.

Sie sind seit 33 Jahren beim Autohaus Vetter. Was hat sich seitdem geändert?
Als ich damals beim Autohaus Vetter anfing, musste ich erst einmal eine Lehre als Bürokaufmann absolvieren. Ursprünglich wollte ich nach meinem Abitur Naturwissenschaften studieren. Ein großer Lehrmeister war für mich der Seniorchef, Hermann Vetter. Er hat mir vieles beigebracht.
Geändert hat sich seitdem eine Menge. Zum einen haben wir mit Skoda und Seat unsere Produktpalette erweitert. In meinen Anfangsjahren hatten wir lediglich die Marken VW, VW Nutzfahrzeuge und Audi im Angebot. Zum anderen hat sich der Druck auf die Autohändler seitens der Hersteller im Lauf der Jahre wesentlich verschärft. Dies spiegelt sich vor allem in den hohen Standards im Handels- und Servicebereich wieder. Beispielsweise fordern die Autohersteller eine bestimmte Anzahl von Ausstellungsfahrzeugen und Vorführwagen.
Im Servicegeschäft werden kostspielige Prüfgeräte und Spezialwerkzeuge für alle Marken separat vorgeschrieben. Vorgaben werden auch bei der Architektur eines Gebäudes gemacht. Größe der Ausstellungshalle, Gestaltung der Glasfront und Fassade, Optik des Eingangselementes und Größe beziehungsweise Platzierung der Außenkennzeichnung sind nur einige Punkte. Auch für die Inneneinrichtung gibt es klare, vorgegebene Möbelkonzepte, die umgesetzt werden müssen.

Sie haben eine Menge Geld investiert. Lohnen sich diese Ausgaben angesichts der demografischen Entwicklung im Landkreis?
Sicherlich. Denn der Bestand der Fahrzeuge hat sich in den letzten Jahren trotz weniger Einwohner kontinuierlich leicht nach oben entwickelt. Das liegt sicherlich in der ländlich geprägten Infrastruktur begründet. Heutzutage ist es fast Norm, dass jede Familie über mehrere Fahrzeuge verfügt. Das war früher so nicht der Fall. In der Stadt ist die Bevölkerung aufgrund der öffentlichen Nahverkehrsstrukturen nicht in der Weise auf das Auto angewiesen wie auf dem Land. Händler in Ballungsgebieten haben allerdings deutlich höhere Einwohnerzahlen in ihren Marktgebieten.

Hat sich das Kundenverhalten in den letzten Jahrzehnten geändert?
Und ob. Die Kunden sind viel aufgeklärter und verfügen über eine Menge Informationen, was Autos betrifft.

Wie wirkt sich das Internet auf Ihr Autohaus aus?
Das Internet ist Fluch und Segen zugleich. Ein Fluch deshalb, weil wir - wie jedes Autohaus - durch das Internet mit einem enormen Preisdruck zu kämpfen haben. Ein Segen ist allerdings, dass überregionale Kunden auch auf uns mittelständische Händler aufmerksam werden.

Wenn Sie sich an die vergangenen Monate erinnern, möchten Sie die elf Monate dauernde Bauphase nochmals durchleben?
Eher nicht. Diese Zeit war sehr nervenaufreibend. Nicht zuletzt, weil man als Bauherr allen Widrigkeiten der Behörden ausgesetzt ist. Aufgrund der Lage, also die Nähe zur Bundesstraße, zur Schiene etc. standen wir mit den verschiedensten Ämtern in Kontakt. Ich würde mir so etwas wie einen "Behördenkümmerer" wünschen, der als Schnittstelle zwischen den einzelnen Behörden fungiert und dafür Sorge trägt, dass es mit Bauvorhaben strukturiert vorwärts geht. Ich habe während der Bauphase öfter die Kommunikation zwischen den Behörden zum Wohle des Bauherrn vermisst. Dadurch ist so manches ins Stocken geraten.

Den Autohäusern werden gewisse Vorgaben gemacht, damit man als Autohändler fungieren kann. Kann ein Autohaus gerade im ländlichen Raum da auf Dauer mithalten?
Man muss da unterscheiden. Bei den Handelsverträgen gibt es seitens der Autohersteller eine quantitative Selektion. Das heißt, die Hersteller können die Anzahl der Händlerniederlassungen in einem Gebiet bestimmen. Beim Service geht es um eine qualitative Selektion. Dies bedeutet, wenn ein Autohändler die Servicestandards der gewünschten Marke zu 100 Prozent erfüllt, dann hat er Anspruch auf einen Servicevertrag. Dies macht natürlich nur dann Sinn, wenn es für den eigenen Betrieb wirtschaftlich erscheint.
Um als Autohändler in einer ländlichen Region existieren zu können, muss man für nahezu jeden Kunden eine Lösung parat haben. Wir versuchen dies durch unsere Mehrmarken-Strategie zu erreichen. Weiterhin brauchen wir zum Erfolg die besten Mitarbeiter als Botschafter für unsere eigene Marke, die Marke "Autohaus Vetter".

Was ist das Schöne in Ihrem Beruf?
Als kommunikativer Mensch bereitet mir der tägliche Kontakt mit Kunden und Mitarbeitern große Freude. Das "Verkaufen" unserer Marke "Autohaus Vetter", von der ich selbst zu 100 Prozent überzeugt bin, macht das Schöne in meinem Beruf aus.

Mit dem neuen Autohaus in Kronach steht einer erfolgreichen Zukunft der Marke "Vetter" offenbar nichts mehr im Wege. Wie ist es denn um die Zukunft der Unternehmensnachfolge bestellt?
Sehr gut. Besonders stolz bin ich, dass meine Tochter Eva Vetter Interesse hat, das Autohaus in vierter Generation weiterzuführen. Bereits im Zuge ihrer Bachelor-Arbeit hat sie sich mit den für uns wichtigen Themen, "Transparenz in all unseren Prozessen" und "Gleichwertigkeit von Service und Vertrieb", beschäftigt. Obwohl sie derzeit noch in den letzten Zügen ihres Master-Studiums für Betriebswirtschaft steckt, hat sie mich bereits während unserer Bauphase und in den Vorbereitungen unserer Eröffnungswoche unterstützt.

Was wünschen Sie sich?
Nun, dass wir alle gesund bleiben und die jüngst getätigte Investition für die nächsten 20 Jahre Bestand hat. Außerdem ist es uns wichtig, die über 110 Arbeitsplätze in der Region zu halten beziehungsweise diese noch auszubauen.