Mit leicht zusammengekniffenen Augen blinzelt Claus Marx gegen die hochstehende Sonne an und lässt den Blick rasch von rechts nach links schweifen. Von der Terrasse aus hat er eine optimale Übersicht - schließlich bildet sie das Zentrum des Gartens, der einmal rings um sein Haus in Weißenbrunn verläuft. Eine Trennung zwischen Vorgarten und Garten gibt es nicht. "Was hier alles wächst?", wiederholt er die Frage des Reporters. "Puh, das ist schon eine ganze Menge."


"Exotische Pflänzchen"

Zusammen mit seiner Frau Susanne Knauer-Marx versucht er sich dennoch an einer ersten Aufzählung. In der tauchen mit Obstbäumen, verschiedenen Gemüsesorten und Sträuchern wie Rhododendron zwar Gattungen auf, die in vielen oberfränkischen Gärten zu finden sein dürften, die meisten klingen für Garten-Laien dann aber doch eher ungewohnt. "Ich habe lieber ein exotisches Pflänzchen als viele große Blumen", erklärt Knauer-Marx.
Doch es sind nicht nur "Pflänzchen", die exotisch daherkommen. Auch ein Mammutbaum oder ein Ginkgo ragen stolz in den an diesem Tag wolkenfreien Himmel. Gerade der Ginkgo sei in dieser Gegend des Frankenwalds zwar schwierig zu kultivieren, doch die Herausforderung scheint dem Ehepaar zu liegen. "Es wächst nicht immer alles an und oft verlagern wir auch den Standort", sagt Marx. Aber das gehöre nun einmal dazu. Keine großen Probleme gab es bei den Kakteen. Die wachsen sogar gleich an zwei Stellen: am Beet zur Straße und einige Schritte bergauf neben der Terrasse. "Die ist im Sommer Haupteingang ins Haus", sagt die 52-Jährige.

Der Garten wird quasi zum zweiten Wohnzimmer. Kein Wunder, eine solch farbenfrohe Umgebung mit Blick ins Maintal auf die Ausläufer des Frankenwaldes lässt sicherlich so manch intensiven Arbeitstag schnell vergessen. "Man freut sich einfach, wenn irgendwo wieder eine Pflanze aufgehen sieht", sagt Marx. Fünf bis sechs Stunden die Woche verbringt das Ehepaar mit Gartenarbeit. Rasenmähen, Gießen, Unkraut jäten. "Aber nur wenn das Wetter passt", so der 53-Jährige. Es sei auch mehr Entspannung als Arbeit.


Teich per Hand ausgehoben

Der Garten soll ihnen gefallen. Mehr aber auch nicht. "Es muss nicht akkurat sein", betont Knauer-Marx. "Wir haben ja zum Beispiel auch mehr Gänseblümchen als Gras." Auch Schlüsselblumen oder die lilafarbenen Küchenschellen dürfen bleiben, wohin sie der Wind geweht hat. "Das muss nicht alles an einem Standort sein."
Dass sie einmal einen großen Garten haben möchten, stand für Susanne Knauer-Marx und Claus Marx längst fest, als sie 2001 in ihren Neubau zogen. "Die Überlegung war schon, kein 500-Quadratmeter-Grundstück zu nehmen", erklärt die 52-Jährige.

Nun sind es knapp 1100 Quadratmeter, auf denen sich neben einem Treibhaus auch ein zwei mal vier Meter großer Teich mit entsprechenden Wasserpflanzen befindet. "Den haben wir gleich ein Jahr nach dem Umzug per Hand ausgehoben", erinnert sich Knauer-Marx. Doch die Mühe hat sich ausgezahlt. Das beweist an warmen Tagen jeder Blick von der Terrasse über ihren Garten.

Von Amerika nach Weißenbrunn

Kurz Gestrüpp aus dem Beet zu zupfen, würde für Claus Marx schnell zu einer schmerzhaften Angelegenheit werden. "Da helfen dann auch keine Handschuhe, da gehen die Stacheln einfach durch", sagt der 53-Jährige. Für die Pflege seines Kakteenbeets setzt er daher auf eine silberne Greifzange, die andernorts Bratwürste ins aufgeschnittene Brötchen befördert. Sonderlich oft dürften die stacheligen Pflanzen mit den meist faserigen Wurzeln nicht in oberfränkischen Gärten zu finden sein. Doch Marx hat es gereizt, in den heimischen Gefilden auch solche Pflanzen auszutesten. "Wir haben vor vielen, vielen Jahren mal eine Reise durch Patagonien und den Westen der USA gemacht", erklärt er. "Da haben wir die ganzen Kakteen gesehen und gedacht, das könnten wir ja auch mal probieren." Sonderlich schwer sei ein Kakteenbeet auch gar nicht anzulegen - wenn die Grundlagen stimmen. Wichtig ist eine Drainageschicht in ungefähr 40 bis 50 Zentimeter Tiefe, sagt Marx. Darüber komme dann der ursprüngliche Boden, gemischt mit Blähschiefer. Die leichten Gesteinskörnungen seien in der Gegend um Saalfeld besonders gut zu beziehen.

Gut geeignet sind sonnige Lagen, an denen keine Staunässe entstehen kann. "Denn das Problem im Winter ist nicht etwa die Kälte, sondern die Nässe, die dann vorherrscht", weiß der 53-Jährige. Wenn das Wasser nicht abfließen kann, verfaulen selbst winterharte Kakteenarten wie Opuntien.

Wenn der Standort passt

Wer ausschließen kann, dass sein Garten für Kakteen geeignet ist, könnte mit Rhododendren mehr Glück haben. Denn wenig Sonne, dafür aber viel Nässe sind beste Voraussetzungen für die Pflanzen aus der Familie der Heidekrautgewächse. "Der Bodenplatz muss sehr gut gewässert sein", erklärt Susanne Knauer-Marx. "Am besten ist ein schattiges Eck, in das fast keine Sonne hinkommt." Sie hat sich für die Rückseite des Hauses gleich an der Hausmauer entschieden.

"Wenn der Standort passt, muss man fast nichts mehr machen", ergänzt ihr Mann. Der lehm- und sandreiche Boden ihres Gartens sei für den Rhododendron zwar nicht gut geeignet, dennoch dürfen sie sich regelmäßig an den weißen, roten und gelben Blüten erfreuen. "Wenn man sie im nächsten Jahr wieder üppig blühen sehen will, sollte man nach der Blüte die alten Blütenstände abzupfen", rät Knauer-Marx. So können sich keine Samen bilden, die die Pflanze zu viel Kraft kosten.