Aufsicht mit Chemielabor

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Bademeister haben einen sehr verantwortungsvollen Beruf. Der Tag mit Stefanie Hofmann zeigt aber, dass sie bei Weitem mehr machen, als nur am Rand stehen und die Becken beaufsichtigen. Fotos: Theresa Schiffl
Bademeister haben einen sehr verantwortungsvollen Beruf. Der Tag mit Stefanie Hofmann zeigt aber, dass sie bei Weitem mehr machen, als nur am Rand stehen und die Becken beaufsichtigen. Fotos: Theresa Schiffl

Bademeister stehen nur am Beckenrand ? Stefanie Hofmann arbeitet im Crana Mare und ist dabei Reinigungskraft, Ersthelferin und sogar Chemikerin in einer Person.

Es ist gerade einmal 7 Uhr und im Freibad ist es noch ruhig und menschenleer. Nur Stefanie Hofmann und ihre Rettungsschwimmerin sind schon seit einer Stunde hier, um die Becken zu reinigen und alles für den Badebetrieb vorzubereiten. Hofmann geht noch ins Hallenbad, um die Dampfgrotte zu putzen, während die Rettungsschwimmerin sich mit einem blauen, geleeartigen Putzmittel die Fußbecken zwischen den einzelnen Becken sauber schrubbt.


Kontrolle der Attraktionen

Der Rundgang im Freibad ist neben der Reinigung eine Weitere wichtige Aufgabe auf der Checkliste, die jeden Tag abzuarbeiten ist. Hofmann steigt die Treppe zur Rutsche hinauf und geht die Bahn wieder hinunter. Sie sagt : "So rutschen die wenigstens Leute, aber wir müssen kontrollieren ob aufgrund von Schäden Verletzungsgefahr besteht." Bei den Sprungbrettern überprüft die 35-Jährige ebenfalls, ob etwas an der Treppe oder den Sportgeräten locker ist. Mit der Zeit entwickle man einen scharfen Blick dafür, wo Gefahrenquellen sind oder öfters etwas kaputtgeht. Jede Treppe, jeder Handlauf und die Erlebnisattraktionen werden täglich nach Mängeln begutachtet.


Prüfung der Chlor- und pH-Werte

Bevor der Badebetrieb im Freibad wirklich beginnen kann, muss auch der Roboterstaubsauger aus dem Schwimmerbecken heraus. "Der ist ein bisschen wie der müllsammelnde Wall-E, mit dem Unterschied, dass er in der Nacht Haare und anderen Schmutz vom Beckenboden aufsaugt", sagt Stefanie Hofmann.

Nach dem Kontrollrundgang werden die Wasserwerte überprüft und die technischen Messwerte im Keller abgelesen. "Das ist unser kleines Chemielabor, damit kontrollieren wir die Wassertemperatur sowie den Chlor- und pH-Wert", sagt sie während sie ihre kleinen Gläschen vorbereitet. Mit einer Spritze entnimmt sie von den verschiedenen Becken Proben und überprüft, ob die Werte in Ordnung sind.

Anschließend geht es in den Keller: Dort befinden sich kilometerlange Kabel und Rohre, die Wasserpumpen und -filter. "Die Messwerte der Gräte werden jeden Tag von uns protokolliert", erklärt sie, während sie in ihre Tabelle schreibt. Die Einspeisung für Chlor- und die regulierenden Mittel für den pH-Wert würden zwar mittlerweile schon automatisch per Computer gesteuert, aber trotzdem müsse man das überprüfen. So bemerke man es auch besser, wenn irgendwo Reparaturen notwendig sind.

Gegen 14 Uhr wird es im Bad voller. "Da kommen die Schüller aus der Schule, und wir sind hauptsächlich mit der Aufsicht der Becken beschäftigt", sagt Hofmann mit wachsamem Blick aufs Wasser. Diese verantwortungsvolle Aufgabe bewältigen immer eine Fachkraft und ein Rettungsschwimmer. Es sei natürlich an heißen Tagen und an Wochenenden schon eine Herausforderung den Überblick zu behalten. "Mit den Jahren lernt man ganz schnell, wo man genauer hinschauen muss", sagt sie lachend mit Blick zum Sprungbrett wo ein größere Gruppe Jugendlicher ins Wasser springen.


Erfahrung hilft bei der Aufsicht

"Wir achten darauf, dass wir immer alles im Blick haben und wechseln immer wieder den Standort", sagt sie während sie zum Erlebnisbecken mit der Rutsche geht. Zu zweit sei das aber meistens kein Problem, da man die Brennpunkte kenne, die man besonders beobachten müsse. Dazu zählen vor allem das Ende der Rutsche und die Sprungbretter. Sie sagt, dass man mit der Zeit und Erfahrung ein Gefühl dafür bekommt. Im Kinderbecken ist trotz der Aufsichtspflicht der Bademeister und Rettungsschwimmer ein Schild, das auch Eltern auf ihre Pflicht hinweist.

Von ihrem Bademeisterhäuschen aus, haben die Bademeister und Rettungsschwimmer einen guten Blick über das ganze Areal und können im Notfall schnell eingreifen. Manchmal ist es "nur" Erste Hilfe, die das Crana Mare Team bei kleineren Verletzungen oder Insektenstichen leisten müssen. "Ich hoffe morgens immer, dass der Tag ohne größere Vorfälle vorbei geht und bin abends froh, wenn dann wirklich alles glatt gelaufen ist."



Interview: Bademeisterin Stefanie Hofmann: "Immer etwas Neues und Interessantes."

Ins Schwimmbad gehen die meisten Menschen, um sich zu sonnen oder zu erfrischen. Vielen Bädern droht jedoch die Schließung. Stefanie Hofmann arbeitet im ortsansässigen Crana Mare als Meisterin für Bäderbetriebe. Im Interview erzählt die 35-Jährige von ihrem Berufsalltag und dem Bademeistermangel.

Frau Hofmann, wie kam es dazu, dass Sie Fachangestellte für Bäderbetriebe oder umgangssprachlich Bademeisterin wurden?
Stefanie Hofmann: Zuerst habe ich eine Ausbildung als Zahnarzthelferin gemacht. Da ich schon immer bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) dabei war, habe ich irgendwann den Rettungsschwimmer gemacht.
Mir hat das so gut gefallen, dass ich die verkürzte Ausbildung in zwei Jahren und schließlich noch den Meister gemacht habe.

Wie kann ich Fachangestellter für Bäderbetriebe werden und was lerne ich dabei?
Es handelt sich dabei um einen Ausbildungsberuf. Jedes Bundesland hat eine Schule, an der man diesen Beruf erlernen kann. In Bayern ist der Sitz in Lindau am Bodensee. Neben Erste Hilfe und Gesundheitslehre gibt es noch viele andere Bereiche. Dazu gehört, wie man die Wasseraufsicht gestaltet, aber auch rechtliche Grundlagen. Bei der Bädertechnik geht es dann um die Wasseraufbereitung und Betreuung oder Wartung technischer Anlagen. Schwimmunterricht und Animationsprogramme wie Kindergeburtstag oder Aqua-Fitness sind ebenfalls Teil der Prüfungen.

Gibt es besondere Voraussetzungen, um diesen Beruf zu erlernen?
Die wichtigste Voraussetzung ist eine hohe Affinität zum Wasser und Schwimmsport. Mit dem Qualifizierenden Hauptschulabschluss kann man die Ausbildung beginnen und danach noch den Meister daraufsetzen. Wichtig sind gute Grundkenntnisse in den Fächern Mathematik und Chemie. Ansonsten sind ein hohes Verantwortungsbewusstsein und ein gutes Durchsetzungsvermögen bei unserer Arbeit wichtig.

Bemerken Sie auch den Bademeistermangel, und welche Gründe gibt es ihrer Meinung nach dafür?
Ja, das ist in vielen Regionen ein Problem. Wir in Kronach sind momentan sowohl was Fachkräfte, als auch fest angestellte Rettungsschwimmer und Aushilfen betrifft gut aufgestellt. In anderen Regionen werden Bademeister immer gesucht, weil es einfach zu wenige Auszubildende gibt. Wie bereits erwähnt, viele wissen nicht, dass es sich dabei um einen Ausbildungsberuf handelt. Ein weiteres Problem sind unter anderem die Arbeitszeiten: Wochenend- und Schichtdienst sowie natürlich Feiertagsdienst. Das ist für viele einfach abschreckend, was schade ist, da unser Beruf trotzdem so vielseitig und interessant ist.

Um gleich noch zum Thema Bädersterben zu kommen. Woher kommt das?
Das Hauptproblem dabei sind die Sanierungsmaßnahmen. Viele Bäder sind veraltet und gehören auf den neuesten Stand gebracht. Leider scheitert das oft am Geld, die neue Technik und Ausbesserungsarbeiten kosten nun mal einfach.

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem Beruf?
Ich habe als Fachangestellte für Bäderbetriebe meinen Traumberuf gefunden. Jetzt kann ich trotz bestimmter Aufgabenpläne selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten. Besonders gut gefällt mir der Umgang mit Badebesuchern. Hier wird es trotz mancher festen Arbeitsabläufe nie langweilig. Unser Tätigkeitsfeld ist sehr vielfältig: Von der Wasseraufbereitung und Technik über die Verwaltung bis zur Sicherheit durch die Aufsicht am Beckenrand. Kein Tag ist gleich, es gibt immer irgendetwas Neues und Interessantes in unserem Arbeitsalltag.

Das Gespräch führte
Theresa Schiffl