Die Verantwortlichen aus Politik und Gesellschaft in unserem Land dürfen den Frieden nicht niederreden, sondern müssen das ehrlich bearbeiten, da helfen keine Demonstrationen, vielmehr seien der Dialog und die Gespräche gefragt, betonte Dekan Holger Fiedler, der als Festprediger der 73. Neuengrüner Friedenswallfahrt an die lange Zeit des Friedens in Deutschland erinnerte.

In einer Welt voller Kriegsherde könne man sich nicht zurücklehnen und zufrieden sein. Die jüngsten Vorgänge in Chemnitz offenbarten den tiefen Riss, der durch unser Land geht, sagte Fiedler. "Für den Frieden einzutreten, macht Mühe und ist unbequem." Es gelte alle gegenteiligen Totschlagargumente und Parolen zu entkräften und sachlich und aufrecht miteinander im Gespräch zu bleiben. Fiedler: "Populismus ist Faulheit im Kopf, dieser gefährdet den Frieden." Die Friedenswallfahrt sei nicht nur Nostalgie, sondern nötiger denn je, betonte

der Festprediger.

Wie der Prediger am Friedenskreuz sagte, schenken Gewohnheiten Sicherheit, Ruhe, Ordnung und regeln den Alltag. Bei faulen Gewohnheiten hingegen fehle das Lebendige und Reflektierende und es kommt zur Erstarrung. "Faule Gewohnheiten lässt die menschenverachtende Vergangenheit vergessen, es lässt die Mitgestaltung der Gesellschaft schwinden und man sucht nicht mehr nach sachlichen Argumenten."

Ein naiver Glaube

Bei großen Veränderungsprozessen müsse man immer hinterfragen: Ist unser Glaube noch lebendig oder vielleicht schon in Gewohnheit erstarrt und zur faulen Gewohnheit geworden? Dies gelte insbesondere auch für den Frieden. "Wer aus Gewohnheit glaubt, der Krieg ist vorbei, er kommt nicht mehr, ist naiv", so Fiedler. Bereits nach dem Zerfall des Kommunismus habe Papst Johannes Paul II gewarnt, achtsam zu bleiben. Wo eine Diktatur geht, steht die nächste schon an der Schwelle, sagte er damals.

Achtsamkeit sei darüber hinaus aber bei allen Veränderungen gefragt. Faulheit, Gleichgültigkeit, sich in Sicherheit wiegen, gehe lange gut, aber das Evangelium verpflichte uns zu einer geistlichen Dynamik. Es gelte, immer wieder umkehrbereit zu sein, persönlich und in der Gemeinschaft, es gelte, immer wieder die Welt und was in ihr vorgeht im Lichte des Evangeliums zu betrachten, sagte der Prediger.

"Die Taten eines Menschen sind die Konsequenzen seiner Grundsätze. Sind die Grundsätze falsch, werden die Taten nicht richtig sein", meinte Fiedler nach den Worten des selig gesprochenen Bernhard Lichtenberg.

Zur 73. Friedenswallfahrt konnte der Ortspfarrer Pater Jan Poja nach der Abholung der Teilnehmer am Ortsrand eine stattliche Anzahl von Besuchern im Gotteshaus begrüßen. Die Friedensstandarte wurde vom Pfarreienverbund Rennsteig an die Pfarreiengemeinschaft Kronach übergeben. Die neue Dekanatsratsvorsitzende Gertrud Richter sagte, dass es wichtig sei in dieser unruhigen Zeit für den Frieden zu beten. Den drei Betstunden schloss sich die Prozession zum Friedenskreuz, an dem mehrere Geistliche teilnahmen, an. Die diesjährige Friedenswallfahrt wurde von den St. Georgen Bläsern aus Friesen musikalisch mitgestaltet.