Was vor rund 30 Jahren als Vision begann, ist heute das längste Naturschutzprojekt, das es in ganz Deutschland gibt, und eines der längsten in der ganzen Welt: Es erstreckt sich über knapp 1400 Kilometer Länge und ist im Schnitt etwa 130 Meter breit. Jetzt feiert das Grüne Band seinen 30. Geburtstag, und eines der schönsten Geschenke lieferte am 9. November vergangenen Jahres der Landtag von Sachsen-Anhalt: Er wies nämlich 343 Kilometer als nationales Naturmonument aus.

Schon ein Jahr zuvor hatte der thüringische Landtag 743 Kilometer zum Naturmonument erklärt, und so sei ein kleiner Nationalpark entstanden, erzählt Kai Frobel, der "Vater" des Grünen Bandes. Und er ist sich sicher: "Jetzt sind rund 1100 Kilometer voll geschützt. Die restlichen Bundesländer werden nachziehen."

"Atempause der Natur"

Selbst in seinen kühnsten Träumen hätte er es sich nicht vorstellen können, dass einst ein Naturdenkmal entsteht, das ungefähr der Entfernung zwischen Berlin und St. Petersburg entspricht. "Was damals als Todesstreifen gefürchtet war, ist heute Zuflucht von rund 1200 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten, die sich allesamt auf der Roten Liste finden, wie zum Beispiel Fischotter oder Schwarzstorch. Das ist eine gigantische Zahl", meint Kai Frobel, der von einer "40-jährigen Atempause der Natur" spricht.

Mitte der 70er Jahre schon habe er nahe Mitwitz den Grenzstreifen auf Vogelarten untersucht: "Auf etwa 100 Meter Entfernung konnte ich die Tiere beobachten. Da saßen Braunkehlchen, Goldammer und Neuntöter wie aufgereiht an einer Perlschnur auf dem Grenzzaun. In der Folge dieser Beobachtungen entstand eine Zusammenarbeit zwischen Bund Naturschutz und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV)." Und die habe eine "Schatzkammer des Artenreichtums" zutage gefördert.

Ehrenamtliche Akteure

"1979 bis 1984 wurde das Projekt erweitert, zog sich um den Landkreis Coburg, von Kronach bis Kulmbach und runter bis Bamberg. Und das alles stemmten Ehrenamtliche", erläutert Frobel. "Seltene Vögel waren aus der ,normalen Landschaft‘ fast völlig verschwunden. Über 90 Prozent der Bestände fanden sich im Grenzstreifen."

Ein ökologisches Denkmal sei es also, das im Steinachtal quasi "geboren" worden war und nun eine Verbindung zwischen Schutzgebieten darstelle. Ein Biotopverbund, in dem Tiere wandern könnten. "Es wird Zeit, dass es mehr grüne Bänder in der Landschaft gibt. Viele Jahrzehnte wurde nur in schwarze oder graue investiert, viele Jahre wurden Flächen versiegelt. Jetzt müssen wir vor allem auch an eine grüne Infrastruktur denken."

Spannende Informationen

Spannende und aktuelle Informationen mit einem Blick in die Zukunft des Grünen Bandes gibt es am Mittwoch, 29. Januar, ab 19.30 Uhr im Gasthof "Wasserschloss" in Mitwitz, Ludwig-Freiherr-von-Würtzburg-Straße 14. Gast bei dieser Veranstaltung ist unter anderem Kai Frobel, der damit einer Einladung des LBV Steinachtal folgt.

"Wir wollten den einladen, der das alles angestoßen hat", meinte Ulrich Münch vom LBV. Er stellt zusammen mit Andreas Ritter und Uwe Pausch "eine Verbindung zwischen Akteuren her, denn es ist ja zum Beispiel auch der Umweltschutz im Boot".