"Wir als Gewerkschafter finden, dass der Mindestlohn notwendig war, weil sich die Lohnspirale nach unten weggedreht hat", sagt Mathias Eckardt, Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Oberfranken. Betriebsseelsorger Eckhardt Schneider pflichtet ihm bei: "In der Kirche ringen wir um Lohngerechtigkeit. Wenn der Lohn unanständig ist, wird man später auch bei der Rente auf dem Zahnfleisch gehen", warnt er.

Damit allen Arbeitnehmern bewusst wird, wie wichtig die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde war, plant der DGB am kommenden Montag einen Aktionstag. An Bahnhöfen und zentralen Punkten in der Region werden Gewerkschafter die Passanten ansprechen und Infomaterial verteilen. Von 6 bis 8 Uhr gibt es am Bahnhof Lichtenfels eine Pendleraktion, von 13 bis 15 Uhr am Holzmarkt in Kulmbach eine Verteilaktion. Zusätzlich ist unter Tel. 0391/4088003 eine Hotline geschaltet. Diese Hotline bietet eine Erstinformation zum Mindestlohngesetz, ersetzt aber keine Rechtsberatung.


Mehr Kaufkraft

Etwa 1600 Menschen, etwa neun Prozent der Vollzeitbeschäftigten im Kreis Kronach, kommt das Mindestlohngesetz zugute, hat Mathias Eckardt ausgerechnet. Doch nicht nur das: "Wir alle profitieren vom Mindestlohngesetz, weil es die Konjunktur stärkt!" Ein Vollzeit-Beschäftigter, der den Mindestlohn erhalte, komme auf einen Brutto-Monatslohn von 1450 Euro. "Da gehen noch die Steuer und Sozialversicherungsbeiträge weg", sagt der Gewerkschaftsfunktionär. Wer so wenig Geld verdiene, gebe das Geld komplett wieder aus, weil da am Monatsende nichts mehr übrig bleibe.

Eckhard Schneider berichtete von Sorgen der Unternehmer, dass diese eventuell nicht weitermachen könnten, wenn sie den Mindestlohn zahlen müssten. "Doch wir Gewerkschafter sorgen uns um die kleinen Leute!" Viele hätten ihm gesagt, dass sie von dem bisschen Lohn nicht leben könnten. Und dieses Lohndumping sei vom Staat durch die Sozialleistungen noch subventioniert worden. "Ich erlebe täglich die Auswirkungen des ungerechten Lohns. Nur wenn Du wissend bist, bist Du geschützt!" Man müsse dranbleiben und die Missstände aufdecken.


Der Zoll kontrolliert

Nun müsse man beobachten, ob das Mindestlohngesetz auch eingehalten werde, kündigte Mathias Eckardt an. Vor allem werde man ein Auge darauf werfen, dass keine Arbeiten in so genannte Werkverträge abgewälzt würden. Eckhard Schneider befürchtet, dass die Unternehmer darüber nachdenken, wie sie das Mindestlohngesetz umgehen können. Dass der Zoll verstärkt kontrollieren werde, wünschten sich beide Gewerkschafter. Wenn die Unternehmer Dienstpläne erstellen müssten, könnten sie bei einer Kontrolle nicht behaupten, ein Mitarbeiter sei gerade eben zum Arbeitsantritt erschienen.

Im Februar werde das richtig spannend, wenn die ersten Monatsabrechnungen nach dem Mindestlohngesetz eingesehen würden. Sie empfahlen den Arbeitnehmern, ihre Arbeitszeit zu dokumentieren. Dazu gebe es bei der Gewerkschaft handliche Hefte, in die man die geleistete Arbeitszeit und die Pausen eintragen könne.

Das Infomaterial - und auch die Heftchen zum Aufschreiben der Arbeitszeit - liegen nach Auskunft von Doris Glück auch im Job-Center aus. Sie bedauerte, dass zwar ein Mindest-Grundbedarf festgelegt gewesen sei, aber kein Mindestlohn. Doris Glück riet, auf jeden Fall die Arbeitszeit zu dokumentieren, denn viele Arbeitnehmer wüssten nicht, wie hoch ihr Stundenlohn sei, weil sie ihre Arbeitszeit nicht kennten.


Gerechter und fairer Lohn

Gewerkschafter Frank Meixner sah eine soziale Spaltung in Deutschland. Die Menschen müssten ein Einkommen haben, von dem sie auch leben könnten. Die 8,50 Euro Mindestlohn sah er als Einstieg. Es gebe andere Länder, die einen höheren Mindestlohn hätten. Den Unternehmern unterstellte er, sie seien fantasievoll, wie sie einen gerechten und fairen Lohn umgehen könnten. "Die denken sich, wenn Werkvertrag oder Leiharbeit nicht mehr möglich sind, sicher etwas Neues aus!"