Jede Sekunde stirbt weltweit ein Mensch. Ein Blick auf die Veränderung der Weltpopulation in Echtzeit ist beeindruckend und erschreckend zugleich. Auch die Zahl der Corona-Toten steigt aktuell unaufhaltsam weiter. Leider. Doch ob ein Verstorbener mit oder an einer Coronavirus-Infektion gestorben ist, ist nicht immer eindeutig. Eine Obduktion, die darüber Klarheit schaffen könnte, wird aus verschiedenen Gründen nicht immer durchgeführt. Muss ja auch nicht sein. Jedenfalls nicht dann, wenn sie lediglich die Sensationsgier außenstehender Personen befriedigen soll.

Denn Fakt ist: Es ist ein Mensch gestorben. Und das ist schlimm. Kein Mensch hat es verdient, dass sein Tod relativiert wird. Oder dermaßen hinterfragt, wie es aktuell oftmals der Fall ist. Natürlich auch kein Mensch, der im Zusammenhang mit Covid-19 ums Leben gekommen ist. Einen Todesfall zu relativieren ist nicht nur äußerst geschmack- und pietätlos, sondern auch zutiefst verwerflich! 

Menschenverachtende Kommentare werden nicht geduldet

Wenn in den Kommentarspalten unter Artikeln über tragische Todesfällen Diskussionen darüber entbrennen, dass der Verstorbene ja an Vorerkrankungen gelitten habe oder bereits jenseits der 80 war, könnte ich aus der Haut fahren! Was gibt den Leuten, die sich zumeist hinter möglichst anonymen Profilen verstecken, das Recht, sich so über ihre Mitmenschen auszulassen? Empathie scheint hier ein Fremdwort zu sein. Warum erscheint es vielen Facebook-Nutzern legitim, dass der Tod von Menschen mit Vorerkrankungen billigend in Kauf genommen wird? Warum reden manche Menschen - ohne sich zu genieren - davon, dass durch das Coronavirus die "natürliche Auslese" im Gange sei? Das ist einfach nur widerwärtig. 

Haben diese Menschen einmal daran gedacht, dass Angehörige eines Verstorbenen mitlesen könnten? Ist die Zeit für Familienmitglieder, Verwandte oder Freunde nicht schon schwer genug, wenn sie einen geliebten Menschen verloren haben? Gehen diese Kommentatoren tatsächlich davon aus, dass Menschen mit Vorerkrankungen, welche übrigens zuhauf nicht im entferntesten mit einer Lungenkrankheit zu tun haben,  "sowieso bald gestorben wären"? Derartige Kommentare bleiben uns leider nicht erspart. Das ist traurige Realität. 

Offenbar wurde viel zu vielen meiner Mitmenschen in ihrer Kinderstube kein Fünkchen Empathie mitgegeben. Und ganz offensichtlich hatten diese Leute noch nie den Verlust eines geliebten Menschen zu verschmerzen. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass so viele Kommentatoren sich derart taktlos unter Artikeln auslassen, wie es zuletzt bei dem tragischen Todesfall einer 21-Jährigen aus Oberfranken der Fall war

Spekulieren über "Vorerkrankungen" ist geschmacklos

Noch einmal zum Festhalten: Wenn ein Mensch, der im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben ist und erwiesenermaßen Vorerkrankungen hatte, heißt das nicht, dass der Mensch auch an diesen Vorerkrankungen gestorben wäre. Schon gar nicht zu diesem Zeitpunkt. Eine "Vorerkrankung", von der aktuell ständig gesprochen wird, kann auch Diabetes oder Bluthochdruck sein. Diese Krankheiten erhöhen nach Einschätzung von Ärzten das Risiko, dass Covid-19 schwerer verläuft als bei einem Menschen ohne eine entsprechende "Vorerkrankung". Dennoch bedeutet das keinesfalls automatisch, dass ein Patient zum gleichen Zeitpunkt unmittelbar an den Folgen von beispielsweise Diabetes oder Bluthochdruck verstorben wäre. Diese Unterstellungen sind haltlos und - ich wiederhole mich - geschmacklos!

Todesmeldungen, wie die der 21-Jährigen aus Oberfranken, die nachweislich an ihrer Infektion mit dem Coronavirus gestorben ist, sind glücklicherweise selten. Deutlich mehr Menschen sterben aktuell im höheren Alter an oder mit Covid-19. Doch auch ein fortgeschrittenes Alter lässt es nicht zu, dass ein Todesfall relativiert wird. Selbst wenn die Lebenserwartung eines beispielsweise 87-jährigen Seniors geringer gewesen wäre, als die einer 21-jährigen Frau, ist es nicht in Ordnung, zu betonen, dass der Mensch ja "eh nicht mehr lange gelebt hätte".  Erstens können wir das nicht wissen und zweitens steht es uns einfach nicht zu über den Tod von Menschen zu urteilen!