Er ist vergessen obwohl er einst einen festen Platz in der Segnitzer Vereinswelt hatte: Laut „Verzeichnis der nichtpolitischen Vereine“ wurde der „Obstbau-, später Gartenbau- und zuletzt Obst- und Gartenbauverein Segnitz“ im Jahr 1900 gegründet. Er hatte sich die Pflege der „rationellen und nutzbringenden Obstkultur“ zur Aufgabe gestellt.

Von Anfang an ein Thema: Schädlingsbekämpfung

Die erste Generalversammlung, bei der Friedrich Lauck zum Vorsitzenden gewählt wurde, fand aber erst im Januar 1901 statt. Aus dem Protokollbuch gehen bis zu seiner Auflösung im Jahr 1960 die Aktionen des Vereins hervor. Dabei handelt es sich in erster Linie um die Veredelung von Obstbäumen, die dann kostengünstig an die Mitglieder oder gegen Aufpreis an Nichtmitglieder abgegeben wurden. Für die Aufzucht der Bäume stellte die Gemeinde ein Grundstück für die „Baumschule“ zur Verfügung. Vorherrschendes Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Vereinsgeschichte zieht, ist die Schädlingsbekämpfung. Hierzu setzten die Obstler bereits im Jahr 1910 auf den Nützlingseinsatz. Mit der Anschaffung von Nistkästen für Singvögel sollte die Obstanlage vor der „gefährlichen“ Raupenplage geschützt werden.

Letzte freie Wahl vor dem Zweiten Weltkrieg

Während des Ersten Weltkriegs ruhte das Vereinsleben bis man im Februar 1918 wieder eine Generalversammlung abhielt. Ein Jahr später erlosch abermals das Vereinsleben. Offensichtlich hatten die Mitglieder in dem Jahrzehnt nach dem Krieg andere Sorgen als sich um einen Verein zu kümmern. Erst durch den Aufruf des Kreisfachberaters Hans Pachtner gründete sich der Obstbauverein Segnitz am 3. September 1932 neu. Den Vorschlag zu einer Umbenennung in „Obst- und Gartenbauverein“ lehnten die 21 Mitglieder noch ab, vermutlich um sich von den aufstrebenden Gärtnereien abzugrenzen. Die Wahl des Vereinsausschusses mit Fritz Kreglinger an der Spitze war zugleich für längere Zeit die letzte freie Wahl. Bald herrschten in Deutschland andere Töne wobei die „Vereinsführer“ nun von der Kreisleitung bestätigt werden mussten.

Für die „Baumschule“ stellte die Gemeinde dem Verein ein Grundstück an der Schule zur Verfügung. In der Schädlingsbekämpfung war nun Carbolineum, ein Steinkohlenteeröl, das zwar sehr wirkungsvoll aber wegen seiner Nebenwirkung auf die Pflanzen und den Boden umstritten war, ein wichtiges Thema. Die 1930er Jahre standen auch für die Obstbauer ganz im Zeichen der deutschen Selbstversorgung. Im Jahr 1936 musste sich der Verein nach Vorgabe des Landesverbands in „Gartenbauverein“ umbenennen. Bald wirkte sich der Krieg auch auf den Obstbau aus. 1940 empfahl das Landratsamt den Mitgliedern, sich ein „Quantum Carbolineum zu sichern, weil man nicht weiß, wie lange der furchtbare Krieg zwischen Frankreich, England und Deutschland noch dauern wird".

Neuer Zweck: die Dorfverschönerung

Ein Jahr später schwieg dann das Protokollbuch bis 1948. Mit Vorträgen und Baumpflegekursen versuchte man das Interesse am Verein wieder zu wecken und auf die “besonderen Aufgaben“ der Obstbauvereine für die Nahrungsmittelproduktion nach dem Krieg hinzuweisen. Vorsitzender Franz Hagn stellte 1956 fest, dass die steigende gärtnerische Nutzung des Ackerlandes den Obstbau immer mehr zurückdrängt. Allmählich vollzog sich ein Wandel des Vereinszwecks vom Obstbau zur Dorfverschönerung. Bei einem Blumenschmuckwettbewerb konnte der Verein 48 Häuser bewerten und 30 Preise verleihen. Am Abend der Preisverleihung hatte man mit dem ehemaligen Fußball-Rekordnationalspieler vom „Club“ Heiner Stuhlfauth sogar einen prominenten Referenten zu Gast.

Der Verein war nicht mehr zu retten

Ein letzter Versuch, das Vereinsleben mit der Verlagerung auf Beerenobst für den Selbstversorger wieder in Schwung zu bringen, konnte das Ende des Vereins nicht mehr aufhalten. Aus der letzten Generalversammlung des Vereins im Dezember 1960 berichtet das Protokoll: „Da sich niemand bereit findet die Vorstandshaft zu übernehmen, wird aus der Versammlung heraus vorgeschlagen, den Obst- und Gartenbauverein Segnitz auszulösen.“ Das Vereinsvermögen in Höhe von 43,40 Mark übergab man satzungsgemäß der Gemeinde mit der Auflage, es zur Dorfverschönerung zu verwenden.

Verein der Hobbygärtner tauscht sich jetzt aus

Die vereinsmäßige Gartenbautradition wird heute in Segnitz vom Verein der Hobbygärtner und Naturfreunde fortgeführt. 1991 haben es sich einige Kleingartenbesitzer zum Ziel gesetzt, Informationen und Erkenntnisse über Ziergehölze, Bäume, Gemüse und Obst auszutauschen. Hierzu finden regelmäßig Fachvorträge und Kurse statt. Daneben befasst sich der Verein auch mit dem Thema Ortsverschönerung – genauso wie es sich der Obstbau-, später Gartenbau- und zuletzt Obst- und Gartenbauverein Segnitz zur Aufgabe gemacht hatte.

Der Autor Norbert Bischoff ist der Archivar der Gemeinde Segnitz.