Druckartikel: Wo Muschelkalk eine braune Triefnase hat

Wo Muschelkalk eine braune Triefnase hat


Autor: Harald Meyer

Kitzingen, Mittwoch, 13. Januar 2016

Das vor einem halben Jahr geöffnete Eingangstor zwischen Alter Mainbrücke und Kitzinger ist ein optischer Gewinn. Allerdings einer mit kleinen Schönheitsflecken.
Schönheitsflecken: Nur wenige Monate nach der Übergabe des neu gestalteten Eingangstors zum Kitzinger Marktplatz zeigen sowohl das Holz der Bänke als auch der Muschelkalk deutliche Altersspuren.


Das vor einem halben Jahr offiziell geöffnete Eingangstor zwischen Alter Mainbrücke und Kitzinger Innenstadt ist ein optischer Gewinn. Allerdings einer mit kleinen Schönheitsflecken, die sich an der Sitzgruppe neben dem Froschbrunnen zeigen.

Das Holz auf den Bänken altert schon beim Zusehen, auf dem hellen Muschelkalk stören überall hässliche Streifen. Das Bauamt will jetzt mit einer Mängelrüge an die Adresse der zuständigen Firma reagieren.

Rund 160 000 Euro hat die Stadt in die Komplettsanierung des Bereichs gesteckt. Das meiste Geld landete in der Erneuerung von Fahrbahn- und Platzbelägen, sowie in der Veränderung der Fahrbahn, die zwischen dem Gustav-Adolf-Platz und der Alten Mainbrücke überarbeitet und am Brückenkopf eingeengt ist. Hier scheint alles nach Plan zu laufen.

Eher ein leichter Fehlstart sind die Verhältnisse am eigentlich schön gestalteten Eck vor dem Modehaus Weigand. Hier gab's schon vor der Eröffnung im August Beschwerden. Grund waren schon damals – Ende Mai – die hässlichen Streifen, die von den Metallschienen wegliefen, auf denen die Holzlatten zum Sitzen befestigt sind. Das sah wie Rostbrühe aus, stammte aber laut Bauamt vom Eichenholz, das Gerbsäure absonderte.

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Das Problem war – zwischenzeitlich zumindest – behoben. Inzwischen aber sind die Spuren der braunen Brühe als „Triefnasen“ überall an den Bänken sichtbar. Der optisch wenig attraktive Zustand soll sich möglichst bald ändern, wie Bauamtschef Oliver Graumann am Mittwoch auf Anfrage erklärte. Die Firma, von der die Sitzflächen stammen, werde aufgefordert, die Hölzer auszutauschen. Die seien beim Einbau schlicht viel zu wenig abgelagert gewesen und sonderten deshalb Gerbsäure ab. Das sei auch der Grund dafür, dass die Eiche auf den Bänken inzwischen aussieht, als wenn sie schon jahrelang der Witterung getrotzt hätte.

Kritische Stimmen aus Kitzingen hatten auch den Zustand der Bänke und des Unterbaus des Froschbrunnens bemängelt. Allerdings: Die schmalen Querrisse haben laut Graumann nichts mit schlecht verarbeitetem Beton – wie mancher glaubt – zu tun, weil die Quader aus Muschelkalk sind. Und dieses Gestein sei von Natur aus „klüftig“, sei schlicht gesagt ein Naturprodukt und von daher kein Mangel.

Wenn die Bänke erneuert, die Triefnasen entfernt sind, könnte der Umbau des Gesamtbereichs irgendwann das Prädikat gelungen verdient haben. Die Autofahrer scheinen sich allmählich an der Engstelle der Alten Mainbrücke daran gewöhnt zu haben, dass der Gasfuß das Tempo zügeln muss. Tempo 20, wie vorgeschrieben, dürften allerdings nicht übermäßig viele einhalten.

Bleibt als mögliches Problem noch der Zebrastreifen am Übergang zwischen Brücke und Innenstadt, der in der sommerlichen Anfangszeit bei vielen Radlern eine riskante Abenteuerlust weckte. Ob die weiter über den Übergang preschen, ohne auf Autos und das gesetzliche Absteiggebot zu achten, wird die kommende Radsaison zeigen. Jetzt, in der eher radelunfreundlichen Schmuddelwetterzeit, zeigen die wenigen Radler meist Rücksicht.