Wo der Wein als Lockmittel dient
Autor: Norbert Hohler
Nordheim, Montag, 27. Juni 2016
Hammelburg ist derzeit in aller Munde: Die älteste Weinstadt Frankens blickt auf 1300 Jahre Geschichte zurück. Doch in „Frankens Saalestück“ gibt es mehr zu entdecken...
Hammelburg ist dieser Tage in aller Munde: Die älteste Weinstadt Frankens hat Geburtstag, blickt auf 1300 Jahre Geschichte zurück. Ein stolzes Jubiläum: Doch würde man Frankens Saalestück nur darauf reduzieren – es bliebe einem Vieles verborgen.
Die Fränkische Weinkönigin Christina Schneider weiß das nur zu gut: Bei Teil zwei ihrer Entdeckungsreise durch Franken (Auftakt: Abt-Degen-Weintal) schwärmt die 21-Jährige noch von Mirjam Gössmann-Schmidts Krönung als Ramsthaler Weinprinzessin Ende Mai. „Ihre Vorgängerin Irina Neder war sechs Jahre im Amt. Also ist dort eine Krönung etwas Außergewöhnliches und dementsprechend euphorisch fällt die Feier aus“, so Schneider. Zum Abschied sei sie mit dem Frankenlied aus dem Saal geleitet worden, viele hätten ihr zugewunken. „Irgendwer hatte das Lied angestimmt, fast alle haben spontan mitgesungen. Es war total schön.“
1#googleAds#100x100Panoramablick von Ruine Aura
Ein gutes Stichwort: Schließlich ist auch die Ruine Aura als Ausgangspunkt der Visite durch Frankens Saalestück beeindruckend, wobei der Panorama-Weitblick von der Terrasse des gleichnamigen Ausflugslokals der Hit ist. „Mir geht hier jedes Mal das Herz auf,“ schwärmt Matthias Büttner, der das Lokal von seinem Bruder übernommen hat, zuvor bei der GWF in Hammelburg tätig war. Die Mama packt mit an, füttert erst die Hühner, führt die Hunde aus: Sie ist die gute Seele des Hauses.
Als Frankens Saalestück als touristische Einheit vor acht Jahren auf den Weg gebracht wurde, gehörte Herrmann Kolesch von der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) zu den treibenden Kräften, wollte die Gemeinden stärker an das Fränkische Weinland anbinden.
Anfangs eine Vernunftehe
Zwischen den Beteiligten war es anfangs mehr Vernunftsehe denn Liebesheirat. Schließlich bestand zwischen Dörfern wie Wirmsthal und Ramsthal schon immer eine gewisse Rivalität, Hammelburg hat so viel Strahlkraft, dass sich andere im neuen Verbund auf der Schattenseite wähnten – und wieder andere haben weder Weinberge noch Wein.
„Es waren also Ideen gefragt. Wir sind ja auch Wander- und Radregion, haben Wasserski und Kanu – daraus ist der Slogan: 'Da lass ich mich treiben' entstanden“, so Büttner. Der Wein soll vor allem Aufhänger und Lockmittel sein, sich im Sinne der Gäste mit den anderen Angeboten ergänzen. „Aber natürlich zieht der Wein – Wirmsthal als nördlichste Weinbaugemeinde Frankens, Hammelburg als älteste Weinstadt.“
Fünf Winzer in der Ethos-Gruppe
Eine wichtige Rolle spielen dabei auch junge, ehrgeizige Winzer wie Marcel Hümmler aus Elfershausen: Allein fünf der zwölf fränkischen Betriebe der Ethos-Gruppe sind im Saalestück beheimatet, haben sich mit Blick auf die nächste Generation zu schonender Arbeitsweise im Weinberg verpflichtet. Hümmler, der mitten im Ort aus der alten Scheune des Weinguts eine moderne Vinothek gemacht hat, wartet mit einer Überraschung auf: Ins Glas kommt ein Osteiner, eine alte Rebsorte von 1928, die Richtung Riesling geht und auf ein altes Adelsgeschlecht auf dem Rheingau zurückgeht. „Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, erzählt Hümmler und meint das Landratsamt. Denn dort war ein Winzer für ein Projekt im Trockenmauerweinberg gesucht, der Osteiner-Reben anpflanzt und biologisch bearbeitet.