Wie Mönche ihre Konflikte lösen
Autor: Norbert Hohler
Münsterschwarzach am Main, Freitag, 12. Februar 2016
Seit 1200 Jahren existiert die Benediktinerabtei Münsterschwarzach. Gespräch mit Pater Christoph Gerhard über das Leben im Kloster, Flüchtlinge, Finanzen und Astronomie.
Vor 1200 Jahren wurde die Gemeinschaft der Benediktinerabtei Münsterschwarzach erstmals urkundlich erwähnt. Im Jubiläumsjahr steht das Kloster gut da: Mit regenerativer Energie wird der eigene Bedarf fast komplett selbst gedeckt. Auch die Ernährung ist nachhaltig: Es gibt saisonale Gerichte aus eigenem Anbau oder von Landwirten aus der Region. Ein Gespräch mit Pater Christoph Gerhard (51) über die Finanzen des Klosters, die nächsten 500 oder 1000 Jahre, das Zusammenleben der 80 Mönche mit den 40 Flüchtlingen sowie die Astronomie.
Christoph Gerhard: Mit den Flüchtlingen ist es wie mit anderen Gästen auch: Sie können an unseren Gottesdiensten teilnehmen. Es gibt einige Wenige, die kommen, vor allem sonntags zur Eucharistiefeier, vor allem Muslime und Yesiden.
1#googleAds#100x100 Bleiben die Flüchtlinge länger oder gibt es große Fluktuation?Gerhard: Das ist unterschiedlich: Wir haben acht unbegleitete Minderjährige aus Eritrea, die bleiben solange bei uns, bis sie die Anerkennung bekommen. Da geht es ja auch um Schule: Darum kümmern sich die Mitarbeiter des Landkreises Kitzingen vorbildlich. Bei den Anderen wechselt es, etwa wenn jemand die Anerkennung bekommt und eine Wohnung findet oder jemand seiner Familie woanders hin nachfolgt.
Gerhard: Für eine Gruppe von sieben Brüdern ist es ein Herzensanliegen. Zum Beispiel hilft Bruder Abraham bei Behördengängen und Anträgen. Bruder David kümmert sich um das Soziale, die Unterkunft bis hin zum Putzen und zur Müllentsorgung. Letzteres sind die Flüchtlinge nicht gewöhnt, schon gar nicht das deutsche System. Bruder Thaddäus schließlich ist unser Gärtner und war früher Krankenpfleger. Er geht bei Bedarf mit zum Arzt und bietet den Flüchtlingen Mitmach-Aktionen im Garten an. Andere helfen bei Bedarf.
Gerhard: Für sich selbst ja. Die jungen Eritreer machen einiges zusammen, andere kaum: Der Eine isst mehr, der Andere weniger, der Eine will mittags warm essen, der Nächste abends. Deshalb sorgt jeder für sich selber, das ist oft das Beste. Der Einkauf muss selbst gemacht werden, anfangs natürlich mit Unterstützung.
Wie sieht es mit Schule aus?Gerhard: Derzeit haben wir über die Agentur für Arbeit einen Deutschkurs bei uns, sodass es täglich Unterricht gibt. Die Programme wechseln, auch weil ständig andere Menschen da sind. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre sind schulpflichtig: Sie fahren mit dem Schulbus und besuchen Regelschulen oder neu eingerichtete Klassen für Migranten in der Berufsschule Kitzingen. Wenn Probleme auftauchen, zum Beispiel jemand krank wird, dann helfen wir.
Die Hilfe, der Dienst am Nächsten, ist bei Ihnen ja Programm.Pater: Richtig. Auch wenn für manche Flüchtlinge die Provinz zunächst ein kleiner Schock ist: die meisten erkennen schnell die Vorteile. Gewalt untereinander ist hier kaum zu finden. Das scheint auch damit zusammen zu hängen, dass die Flüchtlinge sehen, wie unterschiedlich wir Mönche sind, und unsere Konflikte trotzdem gewaltfrei lösen. Außenstehende wie die Mitarbeiter des Landratsamtes vermuten, dass sich die Ruhe, die bei uns herrscht, überträgt. Ganz am Anfang hatten wir heftige Auseinandersetzungen zwischen zwei Gruppen, bis wir klargestellt haben: Keine Politik im Kloster, oder ihr geht heim, dort könnt ihr das austragen. Das hat relativ schnell gefruchtet.