Welche Kläranlage für Wiesenbronn?
Autor: wwo
Wiesenbronn, Mittwoch, 11. Februar 2015
Wiesenbronn braucht eine neue Kläranlage. In welcher Ausführung, oder ob es doch eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit einer Nachbargemeinde gibt, das stand in der Ratssitzung am Dienstagabend zur Debatte. Etliche Zuhörer hatten sich eingefunden.
Wiesenbronn braucht eine neue Kläranlage. In welcher Ausführung, oder ob es doch eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit einer Nachbargemeinde gibt, das stand in der Ratssitzung am Dienstagabend zur Debatte. Etliche Zuhörer hatten sich eingefunden, um sich wie die Ratsmitglieder durch Hubert Netrval von der Würzburger Außenstelle des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) Aschaffenburg und Udo Weber vom Ingenieurbüro Lein informieren zu lassen – und etwas zum weiteren Vorgehen zu erfahren.
Bürgermeisterin Doris Paul wies darauf hin, dass die Ertüchtigung der Anlage bis Ende 2016 durchgeführt werden müsse und in diesem Jahr die Planung fällig werde. Das scheint aber nicht die endgültige Vorgabe zu sein. Netrval äußerte sich am Schluss der rund zweieinhalbstündigen Debatte in dem Sinne, dass noch ein Aufschub möglich wäre, falls sich zum Beispiel der Zusammenschluss mit einer anderen Gemeinde ergebe.
Die Bürgermeisterin machte deutlich, dass eine neue Kläranlage „für Jahrzehnte gut funktionieren muss, da die bisherige nicht nitrifizieren und denitrifizieren kann“. Dies alles auch mit Blick auf die Gemeindefinanzen. Die Finanzierung des Neubaus dürfte nach Ansicht der Bürgermeisterin dann über Beiträge und die Anhebung der Abwassergebühr laufen.
Der WWA-Vertreter bezeichnete es als Krux der Wiesenbronner Anlage, „dass das geklärte Abwasser in ein extrem schwaches Gewässer eingeleitet wird, was einen sehr geringen Mischfaktor ergibt und wir müssten eigentlich nach einem anderen Standort für die Kläranlage suchen“. Die jetzige Anlage könne Stickstoff nicht abbauen „und wenn die Belastung steigt, kann sie nicht reagieren“. Netrval empfahl eine Belebungsanlage, „das ist der Mercedes unter den Anlagen“, die aufgrund der Mikroorganismen auf engstem Raum die entsprechenden Stellschrauben habe, „da wir hervorragende Ablaufwerte brauchen“.
Gut 2,1 Millionen Euro
Auch Udo Weber machte sich für eine Belebungsanlage stark, „da in ihr über das Regelwerk die Nitrifikation und Denitrifikation gesteuert werden kann“. Allerdings würde die gut 2,1 Millionen Euro kosten, während eine Tropfkörperanlage mit rund 1,65 Millionen Euro und eine Tauchkörperanlage mit etwa 1,7 Millionen Euro anzusetzen wären. Die jährlichen Betriebskosten für eine Belebungsanlage wurden mit rund 75 000 Euro angegeben. Das sei nach Worten der Bürgermeisterin aber unrealistisch, da in diesem Betrag eine Summe von rund 20 000 Euro für den Klärschlamm ausgewiesen sei „und das haben wir nur alle zehn Jahre“.
Zu Tropf- und Tauchkörperanlage informierte Weber, dass sie beide nicht das gesicherte Verfahren für die Denitrifikation beinhalten würden. Einige Ratsmitglieder hatten so ihre Zweifel, ob nicht in einigen Jahren bei der Abwasserklärung neue staatliche Forderungen auf die Kommunen zukommen könnten. In diesem Punkt wurde auf den Bestandsschutz verwiesen, der 25 Jahre Gültigkeit habe.
Einige Diskussionen gab es auch zu den Einwohnergleichwerten – mit ihnen wird die biologische Belastung von Kläranlagen geschätzt –, bei denen bei einer früheren Studie „offensichtlich jongliert wurde“, wie es Reinhard Hüßner ausdrückte. Weber sagte zu diesem Punkt, dass die Einleitwerte nun wesentlich niedriger seien und „die beiden Zusammenkünfte mit Winzern und Landwirten haben das Bewusstsein geschärft, auf Einleitungen in den Abwasserkanal zu achten“. Was den positiven Effekt habe, dass bei einer neuen Kläranlage auf der Basis von rund 2000 Einwohnergleichwerten ausgegangen werden könne.