Hochwasser- und Starkregenereignisse wie im vergangenen Jahr häufen sich. Doch wie sich dagegen wappnen? Bei einer interaktiven Online-Veranstaltung der Stimmkreisabgeordneten Barbara Becker stellten Fachleute Ideen vor. Auch Betroffene kamen zu Wort, die das lange Warten auf Lösungen beklagten.

In den Landkreisen Kitzingen und Schweinfurt sind die Bilder und Folgen des Hochwassers vom 9. und 10. Juli bei den Betroffenen und in der Bevölkerung noch präsent. Die Landtagsabgeordnete Barbara Becker (CSU) hat viele Gespräche mit Betroffenen in ihre Hochwassersprechstunden und bei Besuchen direkt vor Ort in Laub, Stadelschwarzach und Kleinlangheim geführt. Sie will dieses auch in Zukunft brisante Thema für die Region zielorientiert begleiten.

Mehr Teilnehmer als angemeldet waren

Gastreferent war bei der Zoom-Konferenz, an der mit 100 Teilnehmern mehr als angemeldet dabei waren, Beckers Landtagskollege Alfons Brandl. Der hatte in seiner Heimatstadt Herrieden samt Stadtteilen in seiner Zeit als Bürgermeister bereits vor Jahren ein Hochwasser-Schutzkonzept verwirklicht. Hochwasserrisiken können damit parzellengenau vorhergesagt werden. Mit dabei war auch Reinhard Brodrecht von der Firma Spekter (Herzogenaurach), der als Spezialist für Starkregen-Risikomanagement gilt.

Brandl stellte das Herriedener Modell vor, das nach vielen Gesprächen mit der Bevölkerung umgesetzt werden konnte. Er berichtete von der Simulation von Starkregenereignissen und der Erstellung von Gefahren- und Risikokarten und zeigte auf, welche Maßnahmen daraus resultierten, um das Hochwasser in den Griff zu bekommen.

Frühwarnsysteme und Warn-Apps

"Erkennen, warnen, schützen" lauteten die Schlagworte von Reinhard Brodrecht. Vom Regenradar bis zu verschiedenen Sensoren benannte er Frühwarnsysteme. Mit digitalen Daten konnten Kommunen rechtzeitig handeln. Eine Warn-App helfe auch den Bürgern.

Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber mahnte, dass jeder Einzelne vorsorgen müsse. Ihr Anliegen: Auch private Maßnahmen sollten förderfähig sein.

Auf Nachfrage von Max Hegler (Münsterschwarzach) erklärten die Referenten, dass es etwa ein Jahr dauere, bis ein Frühwarnsystem umgesetzt werden könne. Denn hier müssten die Bürger mitgenommen werden. Für eine Kommune mit 5000 Einwohnern koste die Erstellung der Gefahrenkarte etwa 100 000 Euro, 75 Prozent würden gefördert. Das System selbst schlage dann mit rund 50 000 Euro zu Buche.

Seinen Ärger über politisch Verantwortliche äußerte Karl-Heinz Heßler (Wiesentheid). Das Hochwasser habe bei ihm einen hohen Schaden verursacht. Abgesehen davon, dass die ersten Firmen erst im Dezember zu ihm hätten kommen können, beklagte er, dass man in Wiesentheid bislang nur so weit sei wie im Jahr 2013.

Vorschlag nicht genehmigungsfähig

Gewartet wird nach wie vor auf die Umsetzung des Hochwasserkonzepts der Dorfschätze-Gemeinden. Hier gibt es allerdings laut Friedrich Altmann, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Aschaffenburg, ein Problem mit dem Vorschlag des beauftragten Ingenieurbüros, der nicht genehmigungsfähig sei. Der frühere Wiesentheider Bürgermeister Werner Knaier erinnerte daran, dass das Konzept auch auf Regenrückhaltung fuße und Wasser dann kontrolliert in die Bäche abgegeben werden solle.

Manfred Schötz, Bürgermeister von Oberscharzach, forderte, dass man bei Fließgewässern von der Quelle bis zur Mündung denken müsse. Denn bei ihm auf der Gemarkung entspringe die Schwarzach, die da Gewässer dritter Ordnung sei. Maßnahmen müsse da seine Gemeinde allein bezahlen, erschwerend kommen verschiedene Ämter hinzu. "Zuständigkeitsübergreifend muss ein Gewässer durchdacht sein", wünschte er. "Denn Maßnahmen hier helfen dann auch weiter unten."

Obernbreits Bürgermeisterin Susanna Knof ging auf die Probleme mit dem Breitbach ein. Als Gewässer zweiter Ordnung dürfe die Gemeinde am Breitbach selbst nichts machen, müsse aber kräftig mitbezahlen. "Das System sollte überdacht werden", forderte sie.