Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) sieht keine Veranlassung, an einer Stadtratssitzung in Volkach teilzunehmen. In einem Schreiben an Bürgermeister Peter Kornell (FWG) teilte Eck mit, dass er "die Teilnahme an einer Stadtratssitzung für nicht zielführend" hält. Die wichtigen Fragestellungen, die für den Bau der Ortsumgehungen von Volkach und Gaibach in Sonderbaulast entscheidungsrelevant sind, seien nach seiner Ansicht geklärt. Insbesondere seien die Förderhöhe, der Lärmschutz und der Umbau von Knotenpunkten im Zuge des bestehenden Volkacher Ostrings geregelt.

Ecks Antwortschreiben, das postwendend auf die Einladung von Bürgermeister Kornell folgte, stieß am Dienstag im Stadtrat auf wenig Gegenliebe. Denn im Vertragswerk, das Eck der Stadt als Vereinbarung für die Sonderbaulast jüngst vorlegte, sind weder die Höhe der mündlich zugesagten 85 Prozent Fördersumme noch verbindliche Zusagen über Lärmschutz für Volkachs Osten und Kreisverkehre an der Ostumgehung enthalten.

Mehrheit ist nur mit Lärmschutz möglich

"Wir wollen eine schriftliche Zusage haben", erklärte Bürgermeister Kornell. "In 20 Jahren weiß doch niemand mehr, was mündlich zugesagt wurde", so das Stadtoberhaupt. Eine Mehrheit im Stadtrat sei nur mit Lärmschutz möglich. Verhärtet sind die Fronten zwischen Eck und der Stadt noch nicht. Ecks Vorschlag - "ich bitte um Mitteilung der sich seitens der Stadt Volkach noch ergebenen Fragen" - ist allerdings unverständlich, da ihm die Stadt bereits einen detaillierten Forderungskatalog übersandt hat.

Kornells Verwaltung hat mittlerweile die Fühler ausgestreckt, um die Preise für das notwendige Lärmgutachten zu ergründen. "In einem halben Jahr dürfte das Gutachten dann fertig sein", so der Bürgermeister. In der kommenden Woche soll die eigens eingerichtete Verhandlungsgruppe mit Kornell, Heiko Bäuerlein, Gerlinde Martin (beide CSU), Barbara Schmitt und einem SPD-Mann Kontakt mit dem Leiter des Staatlichen Bauamts Würzburg aufnehmen, um noch einmal die Wünsche der Mainschleifler zu erläutern und Details der Vereinbarung für das 16,5-Millionen-Euro-Projekt in Sonderbaulast zu verhandeln.

Für Herbert Römmelt (FWG) stand eines fest: "Die von uns genannten Bedingungen sind lebensnotwendig, sonst kriegen wir keinen Frieden in unserer Stadt." Barbara Schmitt (fraktionslos) befürchtet einen finanziellen "Bumerang" auf die Stadt zurückflattern, sollten die Details der Sonderbaulast nicht schriftlich fixiert werden. Vom Staatlichen Bauamt sei ihr zugesichert worden, dass die Forderungen der Stadt noch verhandelt werden könnten.

Kommt die Umgehung überhaupt?

Unter den Stadtratsmitgliedern macht sich derweil Frust breit, weil in Sachen Umfahrung nichts voran geht. "Wollen wir die Umgehung überhaupt noch? Das Ganze ist so zäh und schwammig", meinte Gaibachs Ortssprecher Holger Scheidig. Peter Haupt (FWG) hat erhebliche Bedenken, dass die Umgehung für Volkach und Gaibach überhaupt kommt. "Wir sind keinen Schritt weiter als vor einem halben Jahr", sagte Haupt.

Den Bau der Umgehung in Sonderbaulast hatte der Stadtrat mit der knappsten aller möglichen Entscheidungen abgesegnet. 11:9 lautete das Abstimmungsergebnis vor mehreren Monaten pro Sonderbaulast. "Mich betrübt diese Mini-Mehrheit schon sehr", sagte Peter Kornell und zeigte sich skeptisch hinsichtlich anstehender Entscheidungen. Ohne weitere Zusagen aus München wird es wohl keine Mehrheit im Stadtrat für weitere Beschlüsse geben. Das wurde am Montag deutlich. Auch Karlheinz Bernard (CSU), der seit 23 Jahren im Stadtrat aktiv ist, äußerte sich schließlich pessimistisch: "Knappe Entscheidungen im Stadtrat waren immer die schlechtesten."

Die Forderungen der Volkacher:
1. Aufnahme der finanziellen Förderung durch den Freistaat in die Vereinbarung.
2. Bereitstellung und Zusage von Mitteln aus dem Konversionsausgleich.
3. Lärmschutzmaßnahmen auf Kosten des Freistaates an der bestehenden Umgehungsstraße im Osten von Volkach zeitgleich mit dem Bau der Umgehung.
4. Regelung der zeitgerechten Abwicklung und Auszahlung der Finanzmittel durch den Freistaat an die Stadt in der Vereinbarung.
5. Zusicherung von Umbaumaßnahmen an den Knotenpunkten des bestehenden Ostrings.
6. Sanierung der Staatsstraßen ST 2260 und ST 2271 durch den Freistaat im Stadtgebiet von Volkach und Gaibach.
7. Abstufung der bisherigen Staatsstraßen zu Kreisstraßen.