Herbstferien in Coronazeiten – nicht einfach. Was „Indoor“ anbelangt, geht das nur noch an diesem Wochenende. Es heißt also schnell sein, bevor am Montag die verschärften Corona-Regeln in Kraft treten und beispielsweise die Museen wieder schließen. Unsere luftigen Outdoor-Tipps funktionieren dagegen auch noch in der kommenden Ferienwoche – hier die Ausflugstipps unserer Kitzinger Redakteure.

Schwanberg: Im Zauberwald zum Gipfel

Höre nur ich das? Der Berg ruft, jeden Tag. Er ruft, er blinzelt mich an, er schenkt mir ein Lächeln. Kann sein, dass, wer zu Füßen des Schwanbergs wohnt, sensibler auf dessen Reize reagiert. Dieser Berg hat Aura und Magie, und es hätte nicht dieses neumodischen Riesen-Fernrohrs bedurft, um die Sicht auf den Berg zu schärfen. Nun, da es schon mal da ist, kann man es gut als Orientierungspunkt für den Aufstieg nehmen. An dieser Stelle also geht es hinein in einen Märchen- und Zauberwald, der in diesen goldenen Herbsttagen noch ein bisschen geheimnisvoller wirkt.

Auf engen, mitunter kaum sichtbaren Pfaden spazieren wir durchs Unterholz, durch raschelndes Laub; gerne auf kleinen Abwegen, die etwa zum Eselsbrünnlein führen, einer kleinen Quelle im Berg. Im Grunde kann man sich beim Aufstieg zum Gipfel nicht verlaufen, denn im Zweifel gibt es nur eine Richtung: nach oben. Wir queren einmal die geteerte Serpentinenstraße und tauchen auf der anderen Seite wieder ein in den Wald.

Wenn wir Glück haben, bleiben wir dabei ganz unter uns, mal abgesehen von ein paar Eichhörnchen, die jetzt um diese Zeit ihren Wintervorrat zusammensammeln. Leider werden wir am Ziel nicht mehr wie früher mit Kaffee und Kuchen verwöhnt, weil das Café auf dem Schwanberg seit fast einem Jahr geschlossen ist. Aber der Ausblick von hier oben – das ist immer wieder Belohnung genug. eike lenz

Schloss Mespelbrunn

Eine Fahrt in den herbstleuchtenden Spessart ist an sich schon ein Erlebnis – ein Schlossbesuch setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Also ab auf die A 3 in Richtung Frankfurt, Abfahrt 64, Rohrbrunn/Mespelbrunn. Dann taucht es auch schon auf, das nette Spessart-Örtchen. Die Abfahrt links weg kann man schon mal verpassen, aber im Spessart tun Umwege nicht weh. Weil's dort einfach zu schön ist.

Das Wasserschloss liegt in einem abgelegenen Seitental. Es hat was Verwunschenes und wer dringend eine Märchenkulisse braucht, wird aus dem Stand fündig. Eine Führung durch das über 600 Jahre alte Bauwerk wird hiermit dringend empfohlen. Weil es gar so versteckt ist, überstand das Anwesen alle Kriege. Originaler geht nicht. Dazu bekommt man so unfassbar schöne Geschichten zu hören: Dass sich die Anlage seit dem frühen 15. Jahrhundert im Besitz der Familie Echter von Mespelbrunn befindet. Dass schon so mancher Wildschwein-Angriff mit lauter Radiomusik verhindert werden konnte. Warum der Schwan auf dem Schloss-See zwar einsam, aber so gar nicht traurig seine Runden dreht.

Am allerbesten aber ist die Geschichte vom Hofhund, der nebenher noch als Bewacher der angrenzenden Teiche seinen Lebensunterhalt verdient. Auf das Kommando „Fischreiher“ spitzt der Hund die Ohren und wetzt auch schon schwanzwedelnd los, um die Fischdiebe zu vertreiben. Und was fehlt jetzt noch? Genau: Ein Abstecher ins „Wirtshaus zum Spessart“, das sich praktischerweise gleich am Eingang befindet.

Frank Weichhan

Tierpark Sommerhausen

Wenn Tiere im Spiel sind, dann braucht es für Kinder wenig weitere Zutaten, um aus einem trüben Herbsttag ein Erlebnis zu machen. Gleich um die Ecke, im Tierpark Sommerhausen im Nachbarlandkreis Würzburg, beweist sich das bei jedem Besuch wie von selbst.

Und noch etwas wird dabei deutlich: Ziegen, Schafe, Ponys, Esel, Kaninchen, Pfaue und Meerschweinchen sind mindestens ebenfalls interessant wie große Dickhäuter mit Rüssel und brüllende Löwen. Und nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene bieten die Tiere eine schöne Abwechslung im Alltag.

Was bei kühleren Temperaturen auch kein Schaden ist: Fürs Herum- und Austoben findet sich im Tierpark ebenfalls der richtige Platz. Der Naturerlebnisspielplatz ist so breit gefächert und interessant ausgestattet, dass er für Kinder unterschiedlichen Alters über Stunden hinweg nicht langweilig wird – wenn deren Begleiter so lange mitspielen. Aufgrund der Corona-Lage gilt auf der gesamten Fläche des Tierparks, den die Mainfränkischen Werkstätten führen, für alle Besucher ab sechs Jahren Maskenpflicht und es gelten die üblichen Hygieneregeln. Die Zahl der Besucher ist auf maximal 550 gleichzeitig begrenzt. Ponyreiten ist derzeit nicht möglich, auch kein Tierfutterverkauf.

michael mösslein

Schuhstories im Knauf-Museum Iphofen

Auf die Schauspielerin Marilyn Monroe geht das Zitat zurück: „Gib einer Frau die richtigen Schuhe und sie kann die Welt erobern.“ Doch was sind die richtigen Schuhe zur Welteroberung? Die glitzernden mit dem Pistolenabsatz, die Pantoffeln aus rotem Samt oder doch die Sneakers mit goldenen Flügeln?

Bei der Sonderausstellung Schuhstories im Iphöfer Knauf-Museum können alle diese Modelle auf dem Laufsteg probiert werden. Und dieses Angebot wird nicht nur von kleinen Mädels, die endlich mal in High Heels umherstolzieren möchten, eifrig genutzt. Auch der eine oder andere Mann wurde schon auf dem Laufsteg gesichtet, wie er versucht, möglichst elegant auf einem 10-Zentimeter-Absatz zu laufen.

Sind alle Schuhe – es sind nicht gerade wenige und für jede Schuhgröße ist etwas dabei – probiert, führt einen der Audioguide durch die kurzweilige Ausstellung. Die Römersandale wird ebenso gezeigt wie ein Laufschuh von Sprinter Usain Bolt oder der größte Schuh der Welt – der ist übrigens ein beliebtes Fotomotiv ist und eine Motivation für die lieben Kleinen, sich alle drei Etagen der Ausstellung anzusehen.

Apropos Kinder: Für die, die schon lesen können, gibt es einen Mini-Führer mit dem Gipskristall Gipsi, der auf besonders für Kinder interessante Schuhe hinweist.

julia lucia

Schlosspark Wiesentheid

Wer braucht schon eine echte Prinzessin und ein geöffnetes Schloss? Hauptsache, die Prinzessin – oder in unserem Fall Paul Graf von Schönborn-Wiesentheid – lässt Besucher in seinen Park mit den wunderschönen, alten Bäumen. Da erschafft die Fantasie von allein königliche Schlafzimmer unter der Trauerweide am See und die Pferdchen des Hofes toben sich auf Wegen aus.

Der Schlosspark Wiesentheid: Für uns eine echte Corona-Entdeckung. Die eigene Heimat nochmal neu zu erkunden, war ja eine positive Begleiterscheinung der Pandemie beziehungsweise ihrer Reiseverbote und Kita-Schließungen. Umso besser, wenn das Ausflugsziel Kinder und Eltern gleichermaßen beglückt. Und der weitläufige Park nach englischem Vorbild tut genau das.

Im Anschluss bietet sich ein Abstecher zum Rouillac-Platz vor der Steigerwaldhalle an. Dort ist der kleine Zirkus Solero wegen der Corona-Krise gestrandet und bleibt voraussichtlich bis zum Frühjahr. Die Familie Renz freut sich über Besuch. Und die kleinen Besucher entzücken vor allem die Kamele – und die echten Pferdchen.

barbara herrmann

Das Handthal und Minnesänger Walther

Mit coronasicherem Abstand wandern kann man im Handthal, am Fuße des mit 443 Metern höchsten Weinbergs Frankens. Wer den Hügel erklimmen will, kann dies von der Rückseite über einen schmalen Waldpfad oder auf der Sonnenseite durch die Weinberge.

Wer durch die Weinberge geht , wird nebenbei gebildet. Der Weg nach oben ist bekränzt von wichtigen Ereignissen aus der Geschichte des Weinbaus, der bekanntlich jahrtausendealt ist. Das lenkt vom mühsamen Aufstieg – zuletzt über Treppen – ein wenig ab.

Ganz oben wartet die Ruine Stollburg auf den Wanderer mit ihrer eindrucksvollen Silhouette. Nicht weniger beeindruckend: Direkt darunter steht eine sprechende Säule, die auf Knopfdruck Gedichte von Walther von der Vogelweide aufsagt. Warum? Der Minnesänger aus dem Mittelalter soll auf der Stollburg aufgewachsen sein. Nicht bewiesen, passt aber zur Legende vom vermeintlichen Grab im nahen Würzburger Lusam-Gärtchen.

Wer von Natur und Naturgeschichte noch nicht genug hat, kann vom Handthal zu Fuß zum nur drei Kilometer entfernten Baumwipfelpfad laufen. Der bequeme 1150 Meter lange Weg führt durch die Kronen der Bäume. Ein Tipp für alle, die hoch hinaus wollen: Der Turm in der Mitte ist 42 Meter hoch.

andreas brachs

Der Schwanberg liegt bei Rödelsee und ist mit seinen 474 Metern nicht zu übersehen. Das Schloss Mespelbrunn ist über die A 3 und die gleichnamige Ausfahrt zu erreichen. Nur noch an diesem Samstag und Sonntag von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Preis mit Führung: fünf Euro.

Tierpark Sommerhausen: Ab November täglich von 11 bis 17 Uhr. Informationen unter Tel. (09333) 1076 und im Internet unter www.tierparksommerhausen.de

Knauf-Museum: Schuhstories ist durch den Lockdown nur noch am 31. Oktober und 1. November zu sehen. Es gibt die Möglichkeit, den Museumsbesuch für eine fixe Zeit vorab zu reservieren unter Tel.: (0 93 23) 3 15 28.

Schlosspark Wiesentheid: Die denkmalgeschützte Gartenanlage zeigt die Gartenmoden daus 300 Jahren. Gelegen ist der Park im Norden des Ortes zwischen Kanzlei- und Parkstraße.

Im Handthal (Ortsteil von Oberschwarzach, Lkr. Schweinfurt) den ausgeschilderten Parkplatz des Steigerwald-Zentrums nutzen. Von dort aus starten Wanderwege durch Wald und Weinberge, auch zum Baumwipfelpfad. Der Weg zum Stollberg führt durch den Ort.