Mit Stolpersteinen will auch die Stadt Prichsenstadt die Erinnerung an ihre jüdischen Mitbürger, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden, wach halten. Initiator vor Ort ist der Verein Alt Prichsenstadt, dessen Antrag die Stadträte am Donnerstagabend einstimmig zustimmten. Die Kosten für die Steine übernimmt der Verein.

Für diese Aktion hatte der Verein einen Arbeitskreis gegründet, gestaltet werden die Steine von einem Künstler aus Köln. In Prichsenstadt und später in Altenschönbach und eventuell Kirchschönbach sollen Steine im Gehweg vor den Häusern eingebaut werden, in denen die jüdischen Mitbürger seinerzeit gelebt haben. Bislang sind in Prichsenstadt elf Personen recherchiert worden. In der Luitpoldstraße soll ein Stein gesetzt werden, vier sollen auf dem Karlsplatz eingearbeitet werden, zwei in der Freihofgasse und vier in der Kirchgasse. Ein Problem ergibt sich in einer der engen Gassen ohne Gehweg. „Da werden wir die Steine in der Straße außerhalb der Fahrspuren einbauen“, sagte Bürgermeister René Schlehr.

Stadträtin Ursula Reiche hatte kritisiert, dass die Steine überhaupt in die Straße eingebaut werden, „da muss man sich schon bücken, um die Inschrift zu lesen“. Der Vorschlag von Ratsmitglied Werner Klüber, anstelle der Steine Tafeln an den Häusern anzubringen, fand wenig Zustimmung, weil sie nicht dem Konzept „Stolpersteine“ entsprechen würden.

Der Arbeitskreis hatte bereits die meisten heutigen Besitzer der Gebäude über ihr Vorhaben informiert, und die hatten keine Einwände geäußert. Solche Einwände wurden im Rat allerdings befürchtet, denn im Beschlussvorschlag hatte der Bürgermeister formuliert, dass der Arbeitskreis die schriftlichen Zustimmungen der Besitzer vorlegen muss. Das hielt Wolf-Dieter Gutsch, federführend beim Arbeitskreis Stolpersteine, für „nicht zielführend“. Er verwies in der Sitzung auf die Stadt Bamberg. Die habe auch schriftliche Zusagen haben wollen, nicht immer bekommen, „und irgendwann haben sie einfach die Steine eingebaut“. Nun sei Prichsenstadt mit Bamberg nicht vergleichbar, entgegnete der Bürgermeister. „Ich halte es für den besseren Weg, wenn wir bei so symbolträchtigen Steinen die Genehmigung schriftlich einholen.“

Was der Rat letztlich mit 11:3 Stimmen auch so beschloss. Wobei die Gegenstimmen nicht gegen die Aktion an sich, sondern gegen die schriftliche Zustimmung zu werten sind. Starten wird die Aktion, sobald die Kanalsanierung der Kirchgasse abgeschlossen ist. Es wäre auch gut, so Schlehr, „wenn wir die Nachkommen unserer jüdischen Mitbürger für den Einbau einladen“. An welchen Stellen vor den jeweiligen Häusern die Steine eingebaut werden, legt der Stadtrat in Einzelentscheidungen fest.