„Wir sind in Bayern auf gutem Weg“
Autor: Eike Lenz
Kitzingen, Donnerstag, 07. Juli 2016
Von einer Krise im Nachwuchsfußball will Verbandsjuniorenleiter Wilhelm nichts wissen. Kinder seien genügend da, aber etwas Entscheidendes fehle.
Als der Höchberger Karl-Heinz Wilhelm (61) vor zehn Jahren sein Amt als Verbandsjuniorenleiter antrat, gab es in Bayern noch mehr als 19 500 Jugendmannschaften. Heute sind es 2000 Teams weniger. Ein Gespräch über die Krise im ländlichen Raum, zukunftsträchtige Spielformen mit Disco-Atmosphäre und das scheinbar schlichte Rezept erfolgreicher Vereine.
Karl-Heinz-Wilhelm: Zum einen an der demografischen Entwicklung, die auch in Bayern angekommen ist: Es gibt einfach weniger Kinder. Zum anderen verlieren wir gerade an der Schnittstelle zwischen C- und B-Jugend viele Spieler, weil da andere Interessen dazukommen, vielleicht die erste Freundin, andere Sportarten. Man muss aber auch sehen: Es gibt zwar weniger Mannschaften in den Vereinen, aber innerhalb der einzelnen Jahrgänge haben wir sogar mehr Kinder, die Fußball spielen.
1#googleAds#100x100 So? Dieses Phänomen müssen Sie uns genauer erklären.Wilhelm: Das Problem in vielen kleinen Vereinen, besonders im ländlichen Raum, sind die Trainer, die sich das ganze Jahr jede Woche zur Verfügung stellen müssten – und das aus beruflichen Gründen in dieser Art nicht können. Das ist unser Problem. Kinder haben wir genügend, aber mancherorts fehlen eben die Betreuer.
Wilhelm: Auf keinen Fall. Der Verband hat ja die Flexibilisierung eingeführt: mit verschiedenen Mannschaftsformen, Spiel- und Junioren-Fördergemeinschaften. Das greift gerade enorm. Durch die Öffnung der Spielgemeinschaften auch für das Kleinfeld gewinnen wir mehr Spieler.
Wilhelm: Spielgemeinschaften erhalten die Eigenständigkeit der Vereine. Wenn ein Verein mit einem benachbarten Verein eine SG bildet, müssen die Spieler nicht wechseln. Sie bleiben ihren Heimatvereinen erhalten. Und diese Möglichkeit gibt es in Bayern bis zur Bezirksoberliga.
Glauben Sie, dass der Fußballverband und seine Vereine noch in die Lebenswirklichkeit der Jugend vordringen?Wilhelm: (überlegt lange) Ja, würde ich schon sagen. Wir saßen mit der Jugend an Runden Tischen, dort wurde unser Spielsystem positiv bewertet. Die Jugendlichen haben Wünsche vorgetragen, die wir zum Teil auch schon umgesetzt haben. Bei denen, die Fußball spielen möchten, sind wir anerkannt. Aber wer keine Lust oder keine Affinität zum Fußballspielen hat, den können wir natürlich auch nicht erreichen.
Was waren denn im Wesentlichen die Wünsche der Jugendlichen?Wilhelm: Ein großes Anliegen der A-, B- und C-Jugendlichen war, dass qualifizierte und lizenzierte Trainer eingesetzt werden, weil man von ihnen am meisten profitieren und lernen kann. Daraufhin haben wir mit der externen Trainerlizenz reagiert. Wir halten draußen in den Kreisen Trainerschulungen, die Anwärter müssen dafür nicht mehr eigens nach München fahren. Das wollen wir noch weiter entwickeln.