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Im Pokal geht es ums Prestige


Autor: Jürgen Sterzbach

Kitzingen, Dienstag, 22. August 2017

20 Jahre lang maßen die beiden Kitzinger Fußballvereine SSV und Bayern ihre Kräfte nur freundschaftlich. Nun steht wieder ein Pflichtspiel auf dem Programm.
Mathias Rumpel trug das Trikot der beiden Kitzinger Vereine. Von 1998 bis 2001 spielte der SSV-Vorsitzende für die Bayern.


Lange ist es her, dass der SSV und Bayern Kitzingen in einem Pflichtspiel aufeinandertrafen. Das letzte Mal, dass beide Mannschaften gemeinsam in derselben Liga spielten, war vor zwanzig Jahren. Saison 1996/97, bestätigt der SSV-Vorsitzende Mathias Rumpel, der von 1998 bis 2001 selbst das Trikot des Lokalrivalen trug. Freundschaftsspiele gebe es zwar regelmäßig, „doch so ein Spiel ist noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Da geht es ums Prestige“, weiß Rumpel aus eigener Erfahrung. Heute Abend, der Anstoß erfolgt um 18.15 Uhr auf dem Sportgelände der Siedler in der Egerländer Straße, begegnen sich beide Mannschaften in der dritten Runde im Toto-Pokal auf Kreisebene wieder einmal zu einem vom Verband angesetzten Spiel.

Im Wettbewerb neben der Liga, der Ende Juli mit 104 Mannschaften in einer Turnierform startete, in der sich einer von vier Teilnehmern für diese dritte Runde qualifizierte, waren beide Kitzinger Mannschaften in den vergangenen Jahren kaum über längere Zeit präsent.

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Umso mehr zieht das Stadtderby nun die Aufmerksamkeit auf sich, da auch die sportlichen Unterschiede zwischen Siedlern und Bayern geringer geworden scheinen, nachdem die großen Fußballvereine der Stadt am Ende der letzten Saison einen Abstieg verkraften mussten.

Bis dahin war Bayern Kitzingen als Landesligist ohnehin im Wettbewerb auf Verbandsebene vertreten und erreichte während der Saison 2013/14 nach zwei Siegen in der Qualifikationsrunde dabei sogar die erste Hauptrunde. Eintracht Bamberg, damals mit großen Ambitionen in der Regionalliga spielend, stellte sich am Bayernplatz vor. Dass vom damaligen 1:4 nur noch Florian Nöth und Philip Schlarb im aktuellen Kader stehen, deutet an, wie groß die Veränderungen seitdem waren. In der gleichen Saison spielten sich auch die Siedler bis ins Viertelfinale auf Kreisebene, schieden aber dann gegen Eibelstadt aus, da sie mit den im Frühjahr nahenden Entscheidungen in der Punkterunde ihre Priorität auf den Klassenerhalt in der Bezirksliga legten.

Obwohl der Toto-Pokal bis heute in der Urform des sportlichen Wettstreits - hopp oder top, weg oder weiter - ausgetragen wird, und dabei von den reizvollen Herausforderungen der Kleinen an die vermeintlich Großen lebt, muss er als Manko aushalten, dass er in den ersten Runden nur beiläufig mitgenommen und der Liga Priorität eingeräumt wird. Erst wenn das Ziel am Horizont erscheint, die lukrative Qualifikation als Kreispokalsieger für die erste Runde auf Verbandsebene mit dem Anrecht auf einen höherklassigen Gegner, wird dem Toto-Pokal angemessene Aufmerksamkeit zuteil. Lokale Duelle, die so in der Liga seit langem nicht mehr stattfanden, können dagegen bereits in den früheren Runden ihren besonderen Reiz ausmachen.

Gemeinsamkeiten zwischen Siedlern und Bayern sind trotz der räumlichen Nähe – nur 3300 Meter liegen die Eingänge beider Sportplätze auseinander – seltener geworden. Der letzte Spieler, der direkt von der Siedlung an den Bleichwasen wechselte, war Marco Endres. Selbst das ist allerdings schon fünf Jahre her, und der 23-Jährige steht dort auch derzeit nicht zur Verfügung. „Es gibt von beiden Seiten seit mehreren Jahren eine Absprache, dass wir uns nicht gegenseitig die Spieler wegnehmen wollen“, erklärt Rumpel. Zudem spielten mit Davide de Luca und Daniel Koch zwei Neuzugänge im aktuellen Kader der Bayern auch schon für kurze Zeit bei den Siedlern, doch wechselten sie erst über weitere Stationen an den Bleichwasen.

Im laufenden Wettbewerb treten die Kitzinger Bayern nach einem Freilos für die in Turnierform ausgetragenen Runden eins und zwei erstmals an, während sich die Siedler gegen Repperndorf mit 6:0 und Sickershausen mit 3:2 behaupteten. In der Liga starteten beide unterschiedlich. Die Bayern mit zwei Niederlagen, die Siedler mit zwei Siegen aus den ersten drei Spielen. Allerdings vereinte beide am letzten Sonntag stadtteilübergreifend die Unzufriedenheit über das letzte Ergebnis. Mit 0:3 verloren die Bayern als Absteiger beim Aufsteiger in Uettingen. Die gleiche Konstellation ergab sich bei den Siedlern, wobei auch sie beim 2:5 gegen die DJK aus Würzburg den Kürzeren zogen. Die Niederlage schnell vergessen und sich mit einem Erfolg neuen Schwung für die bevorstehenden Aufgaben in der Liga holen – der Toto-Pokal kann auch diesen Zweck erfüllen.