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Fahrer Fußballer schwimmen gegen den Strom


Autor: Alexander Rausch

Fahr, Mittwoch, 25. Juli 2018

Allheilmittel Spielgemeinschaft? Nicht beim FC Fahr. Neben dem sportlichen Erfolg, der sich in zwei Aufstiegen niederschlägt, gibt es einen weiteren Beleg für das Hoch.
Fahr in Feierlaune. Der Verein feierte zwei Aufstiege und hat eine dritte Mannschaft gemeldet.


Land auf, Land ab werden die gemeldeten Mannschaften weniger. Vereine suchen Partner für mögliche Fusionen oder Spielgemeinschaften und klagen über Spielermangel. Nicht so im Volkacher Ortsteil Fahr. Der dortige Fußballclub hat für die kommende Saison sogar eine dritte Mannschaft für den Spielbetrieb gemeldet und das, nachdem die Erste und die Zweite gerade erst aufgestiegen sind.

Über Spielermangel kann sich der FC Fahr wahrlich nicht beklagen. Über 60 Spieler stehen Manfred Linke und seinem vierköpfigen Trainer- und Betreuerteam momentan zur Verfügung. Davon sind alleine zehn im Sommer erst neu hinzugekommen. Und dieser Entwicklung wollten und mussten die Verantwortlichen Rechnung tragen. „Wir wollten allen Spielern eine Plattform bieten, bei uns Fußball zu spielen. Dann haben wir uns zusammengesetzt und sind zu dem Entschluss gekommen, eine weitere Mannschaft am Spielbetrieb zu melden. Sonst hätten uns möglicherweise einige Spieler verlassen“, berichtet Abteilungsleiter Stefan Hofmann über den Entscheidungsprozess.

Schließlich trage die gute Jugendarbeit der vergangenen Jahre – der FC spielt mit Nachbar VfL Volkach in der U19-Kreisliga – seit letztem Sommer Früchte. Denn mit den diesjährigen Neuzugängen aus der eigenen Jugend ist nahezu eine komplette Mannschaft in den Herrenbereich gekommen. „Die Jungs bringen immense Qualität mit“, weiß Hofmann, der selbst zusammen mit Manfred Linke die A-Jugend betreut hat, um das Potenzial seiner einheimischen Kicker. Denn warum solle ein Spieler woanders hingehen, wenn er im Heimatverein alle Möglichkeiten habe, fragt der Funktionär.

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Dementsprechend wichtig war auch der Doppelaufstieg der ersten Mannschaft in die Kreisklasse und der Reserve in die A-Klasse. „Wir stellen nun drei Teams in den untersten drei Ligen. Das ist ein immenser Vorteil“, findet Hofmann, der damit jedem Spieler das entsprechende Niveau bieten kann, ebenso wie die Möglichkeit, innerhalb des Vereins sich zu verbessern. Aber auch Kicker, die nur unregelmäßig trainieren können, können – zumindest in der Dritten regelmäßig – spielen.

Hofmann schwärmt in den höchsten Tönen. Der Trainingsbetrieb laufe tadellos. Im Durchschnitt begrüßen Linke & Co. knapp 30 Spieler pro Einheit auf dem Trainingsplatz. Als Rekordzahl waren es sogar mehrmals 40. „Alle sind bisher hellauf begeistert“, so der Abteilungsleiter. Auch die Generalprobe am vergangenen Sonntag, als alle drei Mannschaften ein Testspiel bestritten, verlief reibungslos. Bei allen Mannschaften waren mindestens 13 Spieler dabei. Dennoch sei die Einteilung eine logistische Meisterleistung gewesen. Denn feste Kader gebe es nicht. „Wir versuchen schon, durch regelmäßigen Austausch die Trainingseindrücke zu beurteilen und dementsprechend aufzustellen, wobei wegen der aktuellen Anzahl an Trainingsteilnehmern die ersten beiden Teams sich fast von alleine aufstellen“, so Hofmann, der sehr gespannt auf den Rundenstart ist.

Denn natürlich ist die Euphorie im Volkacher Ortsteil riesig. Sehnsüchtig erwarten die Fahrer den Saisonstart und brennen darauf, endlich um Punkte zu kämpfen. Allerdings, glaubt der Abteilungsleiter, sei es nahezu ausgeschlossen, dass die Saison problemlos vonstatten geht: „Wir sind guter Dinge und gehen davon aus, dass es klappt, selbst wenn es sicherlich Rückschläge geben wird.“ Letztere erwartet Hofmann nicht nur im organisatorischen Bereich, sondern auch im sportlichen.

Denn schließlich starten alle Teams als Neulinge ihrer Klasse in die Saison. Daher zählt bei erster Mannschaft und Reserve logischerweise erst einmal der Ligaverbleib, um mit diesem die Leistungen des Vorjahres zu bestätigen. Und erst wenn das geschafft ist, könne man sich andere Ziele stecken. „Natürlich streben einige nach Höherem. Das Potenzial dazu ist sicherlich auch vorhanden. Aber das ist zunächst einmal Wunschdenken. Das allerdings zeigt, dass die Spieler großen Ehrgeiz an den Tag legen“, versucht Hofmann den Ball flach zu halten. Denn die Aufgabe, alle Saisonziele zu erreichen, ist groß genug.