Fachwissen, Tipps und Gummibärchen
Autor: Wilhelm Roos
Niederwerrn, Mittwoch, 05. Juli 2017
Der Niederwerrner Triathlet und Masseur Walter Curtius zieht sich zurück und erinnert sich an manche Weggefährten. Beispielsweise an Trainer Werner Lorant.
Walter Curtius öffnet die Tür standesgemäß: Im Trainingsanzug und T-Shirt der DJK Schwebenried/Schwemmelsbach. Seine Praxis in Niederwerrn ist angefüllt mit Andenken aus einem langen Sportlerleben: Pokale, Erinnerungsfotos mit dem Läufer oder Radfahrer Curtius, aber auch viele Bilder mit dankbaren Widmungen verschiedener Fußballer.
Walter Curtius im Trainingsanzug, der mit der Medi-Box auf den Platz eilt und einem Fußballer wieder auf die Beine hilft. Ein Bild, das vermutlich fast jeder Fußballfan in Unterfranken in den letzten 40 Jahren irgendwann einmal gesehen hat. „Jetzt muss erstmal Schluss sein“, sagt Curtius bedauernd. Ausgerechnet bei ihm, dem Ausdauersportler, der auch mit seinen 70 Jahren noch Langstreckenläufe für den TV/DJK Hammelburg absolvierte, streikt der Körper. „Ich bin zuletzt unerklärlicherweise immer langsamer geworden. Eine Ärztin wollte mir weißmachen, ich sei ja auch wieder älter geworden, aber ich habe ihr gesagt, dass ich trotzdem innerhalb eines Jahres nicht eine Viertelstunde langsamer werde.
1#googleAds#100x100“ Also wurde noch mal intensiv untersucht. Diagnose: Eine Herzklappe schließt nicht mehr richtig und ein neues Hüftgelenk muss her. „Die Ärzte überlegen noch, welche OP sie als erstes machen.“
Eine solche Diagnose ist bitter für den Niederwerrner Masseur. Denn Stillstand, auch wenn gesundheitlich erzwungen, ist nicht sein Ding. Sein Leben lang war Curtius in Bewegung. „Ich kam in den 70ern aus Schwenningen als Einfahrer zu Fichtel&Sachs nach Schweinfurt“. Damals produzierte Sachs noch selbst Fahrräder und Komponenten wie Gangschaltungen. „30 000 Kilometer habe ich jährlich mit dem Fahrrad absolviert.“ Irgendwann orientierte sich Curtius neu, schulte zum Masseur und Krankengymnasten um. Erst angestellt in Würzburg, dann selbstständig in Niederwerrn. Mit Fußball hatte er wenig am Hut, doch irgendwann stand der FC 05 Schweinfurt vor der Tür. Der frühere Trainer Otto Baum hatte Curtius zu den 05ern gelotst. „Mein Würzburger Chef war mit prominenten Sportärzten und Physiotherapeuten befreundet. Die haben ihm damals revolutionäre Neuigkeiten wie das Tapen beigebracht. Das konnten damals zwei Leute in Unterfranken: Mein Chef in Würzburg und ich.“
Lange bleib Curtius allerdings nicht beim FC 05, er wechselte auf die Maibacher Höh' zur FTS. Doch der damalige FC-05-Vorsitzende Werner Galm und Trainer Werner Lorant überzeugten ihn, zurückzukehren. Und der sportliche Ehrgeiz. „Die Turner haben mich gefragt, warum ich gehe. Da habe ich gesagt: 'Ich möchte einmal Meister werden'.“ Das hat dann auch prompt geklappt. Die Spielzeit 1989/90 mit der Bayernliga-Meisterschaft und dem Aufstieg in die 2. Bundesliga sieht der Masseur als Höhepunkte seiner langjährigen Tätigkeit.
„Bei Lorant galten vor allem drei Dinge: Disziplin, Disziplin, Disziplin.“ Sein Ruf als harter Hund sei berechtigt gewesen. „Wenn ich zu Lorant kam und sagte, 'der Mann kann nicht spielen, der hat einen Muskelfaserriss', meinte Lorant nur: 'ich seh nix' und am Samstag stand der Spieler auf dem Platz. Bei Lorant galten nur offene Brüche als Entschuldigung.“ Noch schöner sei freilich die Saison 1990/91 in der 2. Bundesliga gewesen. Dauertabellenletzter hin oder her. Legendär ist aus dieser Zeit die Anekdote, dass Trainer Niko Semlitsch nach einem schlechten Spiel den Kader mit Curtius zum Waldlauf schickte. Hinterher saßen die ersten Drei völlig ausgepumpt in der Kabine.
„Semlitsch hat die gefragt, wann sie den Curtius verloren hätten. Die Antwort vom Werner Köhler war, dass der Curtius die Spieler nach zehn Minuten abgehängt hatte. Ich war geduscht und saß schon längst wieder auf dem Rad.“