Die jungen Kicker aus Nordheim und Sommerach begeistern mit ihrem Vollgas-Fußball. Aber in der ungezügelten Angriffslust lauert auch eine Gefahr.
Weinlese in Franken! Es gab Zeiten, da konnte man gefahrlos darauf wetten, dass die Fußballer aus Sommerach und Nordheim bis auf Weiteres kein Spiel mehr gewinnen würden – weil ein Teil derart saft- und kraftlos war von der Plackerei im Gottesacker und der andere Teil für Einsätze nicht zur Verfügung stand. Der frühe Herbst, das war die Zeit, als sich die Gegner an der Aussicht berauschten, sie würden reiche Ernte machen gegen die Mannschaft von der Mainschleife. Man hätte also schon auf die Idee kommen können vergangene Woche in Abtswind, dass alles wieder so gewesen ist wie früher. Die Trauben reif – und schon hängt das Team aus Nordheim/Sommerach wie ein Schluck Bremser in der Kurve: 1:4 verloren nach zuvor drei Siegen in Folge.
Die Grenzen der Angriffslust
So ernüchternd das jüngste Ergebnis war, so wenig mag es Udo Braun im Zusammenhang mit der aktuellen Traubenlese sehen. „Das merkt man heute gar nicht mehr“, sagt er. Mehr als saisonale Erntehelfer erschweren ihm Schichtarbeiter oder Studenten die Aufgabe als Trainer. In Abtswind sei seine Elf an der Kaltschnäuzigkeit des Gegners gescheitert. „Wir haben voll mitgespielt, das Tempo gehalten und nicht taktiert“, sagt Braun, „aber du merkst, wenn Abtswind ein, zwei Spieler der ersten Mannschaft dabei hat.
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Sie machen im entscheidenden Moment einiges richtiger.“ Braun hat in Nordheim und Sommerach einen Haufen junger Kerle um sich, Spieler mit 21, 22 Jahren, die in ihrem Sturm und Drang kaum zu zügeln sind, die „nur Vollgas spielen können“, wie er sagt. Die Zuschauer lieben die Mannschaft für so viel Spektakel und unbeschwerte Angriffslust, aber dieser unkontrollierte Höllenritt führt halt bisweilen dazu, dass manche Partie endet wie jene gegen Poppenlauer/Kronungen: 3:4.
Siebzehn Gegentore hat das Team in sieben Spielen zugelassen, so viele wie der Tabellenletzte. Für Braun hat das nicht nur mit einem ungestümen Vorwärtsdrang zu tun, sondern auch mit einem gewissen Leichtsinn. „Jede Woche musst du appellieren, dass sie ernsthaft bei der Sache bleiben“, sagt er. Doch er wird den Teufel tun und seine Jungs dafür zu sehr geißeln: Immerhin standen sie bis vor einer Woche ganz vorne in der Schweinfurter Kreisliga.
Ihre Lockerheit half ihnen, auch bei einem Rückstand unbekümmert zu bleiben – sie hatten ja keinen Druck – und ein 0:1 in ein 2:1 zu wandeln, wie gegen Egenhausen oder Altbessingen. Keiner hätte es ihnen verübelt, gegen diese Klubs zu verlieren; sie als Außenseiter gegen zwei gestandene Favoriten. Hatten sie vorige Saison nicht lange gegen den Abstieg gekämpft? Klassenverbleib war das logische Ziel.
Die Tücken der Kreisliga
Braun mag nach sieben Auftritten nicht abrücken von dieser Linie und sagt: „Was wir an Punkten haben, ist immer noch gegen den Abstieg.“ Der 47-Jährige kennt die Tücken der Liga, er weiß um die ungeheure Leistungsdichte dieser Klasse – und wie schnell sich das Wetter gerade auf dem Gipfel ändern kann. „Verlierst du zweimal, bist du gleich wieder unten.“
Die Liga reagiert auf Siege und Niederlagen so empfindlich wie nur wenige andere, Ausrutscher verzeiht sie kaum. „Das ist das Schöne und Spannende“, sagt Braun. Es ist aber auch gefährlich für eine Mannschaft wie die seinige, der es an Routine und Kontinuität fehlt. Braun sähe es deshalb in dieser Runde schon als Erfolg, unter den ersten Fünf zu landen.
Auch für die nächsten Jahre sei genügend Potenzial in der Jugend vorhanden, junge Leute, die in den beiden nach wie vor eigenständigen Vereinen – die „unechte“ Spielgemeinschaft gibt es seit 2002 – auch gerne mal Verantwortung übernähmen, sei es als Abteilungsleiter oder als Platzwart. Braun ist es daher nicht schwergefallen, im vergangenen Jahr erneut als Trainer einzusteigen, er, der 1969 in Sommerach geboren ist und heute in Nordheim lebt und der nie richtig weg war vom Verein.
Das müsse nicht zwingend von Vorteil sein. „Als Prophet im eigenen Land gilt deine Meinung nicht immer, zumal ich immer offen sage, was ich denke“, so Braun. Als ehrliche Haut hat er es dennoch weit gebracht – und dieser Weg muss noch nicht zu Ende sein. „Das Wort Bezirksliga“, sagt er, „nehme ich jetzt nicht in den Mund.“ Und fügt hinzu: „Ein Traum wäre es natürlich schon einmal.“