Vor zwei Wochen überraschte der Kollege M. aus der Lokalredaktion mit einem Geständnis. Er schrieb, er trage beim Skifahren nun Helm. Wären wir ketzerisch oder gemein oder beides zusammen, wir würden an dieser Stelle mit dem Humor des Kollegen fragen: Wofür Helm? Was gibt es darunter bei ihm noch zu schützen? Aber wir wollen das neue Jahr nicht gleich mit alten Zoten beginnen.

Nur kurz nach dem Jahreswechsel spülte die Sturmflut an der Nordsee Tausende Überraschungseier an den Strand. Man weiß inzwischen, dass sie aus einem über Bord gegangenen Schiffscontainer stammten. Das ist nicht schön für die Umwelt, Plastikmüll verschmutzt unsere Meere und Strände, aber ein hübsches Bild zum Jahresanfang ist es allemal.

Tausende bunter Kapseln, in jeder ein kleines Geheimnis, die beim Öffnen auf- ploppen und ihrem Finder als Lohn ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Es ist genau das, was wir im neuen Jahr brauchen: Zuversicht, Freude – und sei es nur ein kurzer Augenblick des Strahlens.

Mehr von diesen Überraschungen wünschen wir uns in den nächsten Wochen und Monaten. Sie halten uns jung. Der Mensch hat, je älter er ist, das Staunen verlernt. Indem wir glauben, schon alles erlebt zu haben, und uns auf nichts mehr Neues, Spannendes einlassen, leben wir ständig im Gefühl, die Zeit vergehe schneller.

Ein Zeitforscher hat das Phänomen dieser Tage beschrieben – ausgerechnet in der Wochenzeitung DIE ZEIT. Das sollte uns, die wir durch Raum und Zeit hetzen, zu denken geben. Die Rastlosigkeit hat System, sagt der Mann, emeritierter Professor, der den Angaben zufolge weder Handy noch Armbanduhr besitzt. Uhren sind für ihn „moderne Diktatoren“. Ihr Machtinstrument: die Zeit. „Wir könnten stillstehen, aber es darf nicht nichts gemacht werden in dieser Gesellschaft. Wir haben das Nichtstun verlernt.“

Ein interessanter Gedanke, wie ich finde. Ich werde dem Chef am Montag vorschlagen, dass wir es machen wie die Verkäuferinnen in Chinas Supermärkten. Wenn sie müde sind, legen sie sich in die Regale und schlafen sich aus. Wir haben im Foyer so ein altes blaues Sofa stehen, es böte sich geradezu an für ein Nickerchen; und sollte der Chef einwenden, das gehe nicht, dann werde ich ihm mit den Worten des Zeitforschers entgegnen: Aber ich reagiere doch nur auf meine Natur.

Jetzt wollen wir keine Zeit mehr verlieren und mal kurz zurückblicken auf das, was die vergangene Woche uns und Sie beschäftigt hat. Viel war es nicht – sonst hätten wir diese Rubrik anders angefangen als mit ein paar Allgemeinplätzen über die Zeit.

Nüchtern betrachtet ist das, was hängen geblieben ist, auch gar kein großes Thema, weil sich über Geschmack nicht streiten lässt. Wobei zu klären wäre, ob es den Würzburger Kickers bei der jüngsten Fußball-Stadtmeisterschaft tatsächlich um den Geschmack ging oder eher um die Textur des vom Veranstalter gereichten Essens in der Halle.

Die Kickers verschmähten es, weil unter den Spielern wohl mehrere sind, die nächstes Jahr lieber mit den Herren Profis unter Spaniens Sonne trainieren als sich mit dem Bayernligateam unter diffusem Neonlicht den Stadtpokal zu sichern und ihr Karriereziel gefährdet sahen, wenn sie sich zwei Tage lang bloß von Pizza, Leberkäse und Gulaschsuppe ernährten. Geht gar nicht, sagte der Verein, und ließ sich kurzerhand ein paar Portionen Pasta a la carte aus dem Stammlokal bringen.

Ernährungswissenschaftlich mag das korrekt gewesen sein, aber Sympathien erwirbt man sich mit derlei Eskapaden nicht. Der Gesundheitseffekt drohte ohnehin zu verpuffen: Weil mitgebrachte Speisen nicht in der Halle verzehrt werden durften, mussten die Spieler mit ihren Tellern nach draußen, in die Kälte.

Warum nur fällt mir bei der Geschichte wieder der Anfang dieser Kolumne ein. Gegen zu schnell zu Kopf gestiegenen Ruhm empfiehlt sich bisweilen ein Helm.