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Die Pauls wissen, wo der Schuh drückt


Autor: Andreas Stöckinger

Castell, Freitag, 18. August 2017

Patrick, Mario und Pascal Paul sind Brüder und spielen allesamt für die SG Castell/Wiesenbronn. Warum Trainer Oliver Koch gerne mehr von Typen wie ihnen hätte.
Patrick Paul (links) und Mario Paul (rechts) rahmen Trainer Oliver Koch ein. Pascal Paul fehlte am Mittwochabend beim Fototermin.


An diesem Wochenende beginnt für die Fußballer der SG Castell/Wiesenbronn das nächste Abenteuer in der Kreisklasse. Einen unfreiwilligen Zwischenstopp musste die SG zuletzt in der A-Klasse einlegen, um nun mit einiger Euphorie wieder weiter oben einzusteigen. „Es wird Zeit, dass es los geht“, meint Spielertrainer Oliver Koch. Das sehen mit Patrick und Mario Paul zwei Stützen der SG genauso, auch wenn einer des Brudertrios, Pascal, wohl erst im Frühjahr wieder einsteigen kann. Die zweite Kreuzbandverletzung zwingt ihn zur Pause.

Zu gerne stünden die Pauls, Mario, Patrick und Pascal, wieder einmal gemeinsam auf dem Feld, nachdem das in den vergangenen Jahren kaum geklappt hat. Patrick, mit 27 Jahren der Älteste der drei, lotste zunächst den zweiten, Pascal (22), vor zwei Jahren vom SSV Kitzingen zurück nach Wiesenbronn. Mario, mit 19 Jüngster im Bunde, spielte erst mal seine Jugend in Kitzingen fertig, ehe es ihn zu seinen Brüdern zog. „Das war klar. Wir drei wollten ja schon immer mal zusammen spielen“, sagt Nesthäkchen Mario.

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Schuhe haben es ihnen angetan

Ihn wie auch Pascal hätten die Kitzinger sicherlich gern behalten. Mario stand in jenem Jahrgang des SSV, der einst in der U15-Bayernliga und später noch einmal in der U17-Landesliga gegen den Ball trat. Doch der Ruf aus der Heimat war lauter, zumal der Fußball auf höherer Ebene und der dafür erforderliche Zeitaufwand ihn ziemlich forderten.

Mario hatte nämlich zwischenzeitlich eine Ausbildung als Schuhfertiger beim Weltkonzern Adidas in Herzogenaurach begonnen. Dort macht er nach dem Entwurf der Designer die Prototypen neuer Schuhe – von Berg- über Turnschuhe, Goretex bis hin zu Fußballschuhen. „Ich weiß schon, was 2020 an neuen Modellen auf den Markt kommt.“

Überhaupt haben es die Pauls mit Schuhen. Auch der mittlere der drei ist in dieser Branche tätig. Pascal hat nun nach Abschluss seiner Schule als Schuhtechniker bei Haix begonnen, einem deutschen Unternehmen, das sich auf Modelle für bestimmte Berufsgruppen spezialisiert. Momentan arbeitet er von Montag bis Freitag in einem Werk in Kroatien. So weit muss der älteste Bruder Patrick nicht fahren, um zur Arbeit zu gelangen. „Ich bin auf dem Boden geblieben, arbeite als Schreiner in Wiesenbronn.“

Auch als Fußballer hat es ihn nie weggezogen von zu Hause, wenngleich auch er das Talent gehabt hätte. Ein Wechsel sei für ihn nicht in Frage gekommen. Zudem sei ihm der Fußball früher nicht so wichtig gewesen wie seinen jüngeren Brüdern. Mit 14 Jahren hatte er wegen der Schule sogar mal eine längere Pause eingelegt.

Mittlerweile sieht Patrick sich als „vielleicht der ehrgeizigste von uns dreien, was den Fußball betrifft. Ich gebe nicht so leicht auf. Mario ist ähnlich, Pascal dagegen ist eher der gemütlichere Typ.“ Allesamt spielen sie am liebsten offensiv – im Mittelfeld oder im Angriff. Die Torgefahr fehle ihm etwas, sagt Patrick selbstkritisch über sich. Da haben seine Brüder Vorteile. Alle drei verstehen sich nicht nur auf dem Platz sehr gut. „Wegen des Fußballs haben wir uns noch nie in die Wolle bekommen.“

Einer von der alten Schule

Einig sind sich Mario und Patrick, dass sie mit ihrer SG Castell/Wiesenbronn etwas erreichen wollen in der Kreisklasse. Obere Mittelschicht, das wäre was, vielleicht so um Platz fünf. Die beiden trauen ihrer Mannschaft einiges zu. Spielertrainer Oliver Koch schätzt das Fußballertrio aus Wiesenbronn. „Von der Sorte könnten wir noch mehr gebrauchen. Sie sind alle drei fußballverrückt, immer im Training, wenn es geht.“ Gerade Patrick, der Spielführer, übernehme auch im Umfeld viele Aufgaben. „Er ist Platzwart in Wiesenbronn, und er organisiert auch mal die Geschenke, wenn einer Geburtstag hat oder heiratet. Er ist einer von der alten Schule“, meint Koch.

Natürlich hofft der Trainer, selbst erst 27 Jahre, dass das Trio in absehbarer Zeit auf dem Fußballplatz wieder komplett ist. Für die Kreisklasse sei die SG gerüstet, gerade vorne besitze man nicht nur dank Neuzugang Andi Herrmann vom TSV Abtswind Potenzial. Von mancher Niederlage in der Vorbereitung, wie zuletzt dem 0:3 im Pokal gegen Wiesentheid, lässt sich Koch nicht blenden. Vielleicht sei das gar nicht so schlecht gewesen. „Wir dürfen nicht das Gefühl bekommen, dass alles von allein läuft wie in der vergangenen Saison.

Wir müssen kämpfen und dran bleiben, aus den Spielen wie zuletzt im Pokal lernen.“ Los geht das Abenteuer Kreisklasse an diesem Sonntag in Wiesenbronn: mit einem Heimspiel gegen Frankenwinheim.