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Der letzte Anlauf des Peter Mrugalla


Autor: Andreas Stöckinger

Abtswind, Freitag, 09. Sept. 2016

Peter Mrugalla stand vor dem Absprung, Golfer wollte er werden. Aber dann hat er als Fußballer in Abtswind doch noch die Kurve gekratzt.
Peter Mrugalla weiß, was von ihm und seiner Elf erwartet wird. „Verlieren wir, ist der Trainer richtig sauer.“


Ein Fan des Niederländers Arjen Robben sei er nicht unbedingt, sagt Peter Mrugalla – obwohl die beiden einige Gemeinsamkeiten haben, was ihren Sport betrifft. Beide sind Angreifer, sehr flink und torgefährlich, aber die letzten Jahre halt auch immer wieder von Verletzungen geplagt. Seit Beginn dieser Runde gehört Mrugalla wieder zur Stammformation des Landesligisten TSV Abtswind, im Gegensatz zum Profi des FC Bayern München.

Die Sache mit den Verletzungen sei die vergangenen Jahre schon eine gewisse Belastung gewesen, gibt Mrugalla zu. Das Sprunggelenk bekam einiges ab, als er sich im Frühjahr 2014 verletzte – drei Bänder und das Syndesmoseband gerissen, die Kapsel lädiert, das alles im Training. Nach nur wenigen Wochen begann er. Zu früh, wie sich zeigte und was sich rächte. Der Fuß war nicht ausgeheilt, und so musste er viel länger pausieren als gedacht. Erst Anfang dieses Jahres ließ er sich noch einmal am Knöchel operieren – das soll es aber nun gewesen sein. „Ich habe damals gesagt, das ist meine letzte Operation. Wenn es wieder nicht klappt, dann werde ich halt Trainer oder spiele Golf.“ Es hat geklappt.

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Nach einigen Wochen mit reinem Lauftraining wurde Mrugalla mit der Zeit fit, die Vorbereitung im Sommer absolvierte er komplett. In der Form, die er vor den Verletzungen hatte, sieht er sich jedoch noch nicht. Dahin will er wieder kommen – Tore schießen, Spiele entscheiden. Diesen Samstag spielt er mit dem TSV im Landkreis-Derby bei den Kitzinger Bayern. Aus der Bedeutung des Spiels für seinen Klub macht der 27-Jährige – auch angesichts der aktuellen Situation – keinen Hehl.

Schon sechs Punkte liegt Abtswind mit dem im Sommer neu gekommenen Trainer Petr Skarabela nach acht Spieltagen hinter Spitzenreiter Forchheim, der noch dazu ein Spiel weniger absolviert hat. „Verlieren wir dort“, sagt Mrugalla, „ist der Trainer wohl richtig sauer.“ Achtmal sind sich die beiden Klubs seit 2012 in der Landesliga begegnet, achtmal setzte sich Abtswind durch, sechsmal mit einem knappen 1:0. Nur zu gerne möchte Mrugalla diesmal gegen die Bayern antreten. „Das war schon immer ein besonderes Spiel. Da gibt jeder mehr als hundert Prozent.“

Weshalb es bei seiner Mannschaft bisher nicht laufen will, darüber zerbricht sich der Mainsondheimer den Kopf. „Ich verstehe das nicht. In der Vorbereitung haben wir zum Teil überragend gespielt. Auch jetzt spielen wir schönen Fußball – nur kommt nicht viel dabei heraus.“ Die Mannschaft belohne sich zu selten für ihren Aufwand. Bei den Niederlagen in Unterpleichfeld, Kleinrinderfeld oder auch zuletzt gegen Kahl sei der TSV sicher nicht die schlechtere Mannschaft gewesen.

Für den herben Dämpfer mit dem 0:2 daheim gegen Viktoria Kahl hat Mrugalla eine Erklärung: „Sie waren sehr konsequent und gut, richtig diszipliniert. Ich weiß nicht, warum sie so weit hinten stehen in der Tabelle. Wir hatten einfach einen schlechten Tag.“ Dazu nutzte Abtswind im Spiel seine Chancen nicht, Kahl bestrafte diese Nachlässigkeit in den Schlussminuten.

Um nicht schon zeitig den Anschluss nach vorne zu verlieren, darf sich Abtswind nicht mehr viele Patzer erlauben, auch Mrugalla weiß das. Er will die bisherigen Spiele nicht überbewerten. Die Runde habe eben erst begonnen, „da wird jeder noch Punkte lassen. Erst wenn die Vorrunde vorbei ist, kann man ein Fazit ziehen.“

Für den neuen Trainer Petr Skarabela bricht der Angreifer eine Lanze. „Das Training ist überragend, da geht man gerne hin. Er legt viel Wert auf spielerische Elemente, dass wir nach vorne und schönen Fußball spielen. Und er spricht viel mit den Spielern.“ Die offensivere Ausrichtung lässt sich an den bisher 26 Treffern erkennen, 18 gelangen aber in den drei Begegnungen mit Röllbach, Höchberg und Fuchsstadt.

Seine sportliche Zukunft sieht Peter Mrugalla bis auf Weiteres in Abtswind, wo er seit 2010 spielt. Mittlerweile wohnt er dort und fühlt sich wohl. Das Gerede, das bisweilen aufkomme vom gekauften Erfolg und bezahltem Fußball, stimme so nicht. „Das ist ein klasse Verein. Jeder unterstützt einen dort.“ Er will nicht weg, wenn, dann zurück nach Mainsondheim. „Das“, sagt Mrugalla, „hat aber noch Zeit.“