Schon oft ist unser Autor an dem Rosengarten vorbeigefahren. Dabei ist es der passende Ort für eine entspannte Mittagspause. Inmitten von 800 Rosen.
Ein Liebespärchen ist schon da. Sie liegt leicht aufreizend quer auf der Bank, er guckt versonnen. Jetzt keinen Quatsch machen, liebe Turteltäubchen – die Presse ist da. Um eine Stunde Rosengarten zu gucken. Hinsetzen und warten, was so alles passiert. Der Rosengarten ist so was wie die grüne Lunge der Stadt. Leider direkt an der B 8 gelegen, weshalb man nicht zwingend auf die Idee kommen muss, dass es sich wunderbar entspannen lässt. Ist aber, wie sich gleich zeigen wird, tatsächlich so.
Mal nachrechnen: In 25 Jahren dürfte ich 8000 Mal mehr oder weniger achtlos vorbeigefahren sein. Ein paar hundert Mal vorbeigelaufen. Natürlich auch schon mal durchgeschlendert. Aber rätselhafterweise noch nie hingesetzt, nie ein Mittagspäuschen eingelegt. Dabei gibt es ein gutes Dutzend Bänke. Platz für ganz viele Liebespärchen. Wobei man hier eher selten unbeobachtet sein dürfte.
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An diesem Tag haben sich um 13 Uhr auch noch drei Stadtgärtner eingefunden, die sich um die Blumen kümmern, die der Anlage ihren Namen geben. Ein späterer Anruf bei Günther Lorey in der Stadtgärtnerei bringt die überraschende Erkenntnis: Bis zu 800 Rosen zieren Kitzingens grüne Lunge. Wobei der Garten eher ein Park ist, wie die 40 Bäumen beweisen. Die Stadtgärtner kümmern sich hingebungsvoll um den Garten-Park. Alle zwei, drei Wochen wird nach dem Rechten geschaut und das Unkraut vertrieben.
Blumen statt Schäfchen zählen
13.30 Uhr. Langsam setzt die Rosengarten-Entspannung ein. Die B 8 ist gar nicht so laut wie gedacht. Das Liebespaar ist gerade gegangen – doch zu viele Zuschauer. Drei Bänke weiter liegt seit ein paar Minuten eine Frau – und schläft. Irgendwie umwerfend, der Rosengarten. Vielleicht hat die Frau auch versucht, die Rosen zu zählen. Das kann bei 800 Exemplaren ermüden und ist wirksamer als Schäfchen zählen.
Zwei Bänke weiter hat es sich eine Blondine bequem gemacht. Sieht nach Mittagspause aus. Die meiste Zeit tippt sie auf ihrem Handy herum, dazwischen wird erwartungsfroh in die Landschaft geguckt. Keine Ahnung, warum mir jetzt „Gaby wartet im Park“ einfällt. Tolles Lied von Udo Jürgens. Und ich weiß jetzt endlich, was er gemeint hat.
Auf Entdeckungstour
Wer statt wegzunicken den Blick schweifen lässt, kann einiges entdecken: Da ist das Blumenlädchen mit der öffentlichen Toilette, wo rege Betriebsamkeit herrscht. Dahinter war bis vergangenes Jahr noch ein Spielplatz, der vor den in den Bäumen brütenden Krähen kapitulierte und an den inzwischen so gar nichts mehr erinnert. Dann natürlich die Möchte-man-umarmen-Rosenbeete – nur echt mit der Sonnenuhr und der japanischen Schwarzkiefer in der Mitte.
13.40 Uhr. Die schlafende Frau springt hoch, geht zur wartenden Gaby, fragt nach der Uhrzeit, guckt erleichtert, legt sich wieder hin und schläft weiter. Seltsame Szene. Wie sagt man dazu neudeutsch: Powernapping? Das kleine Nickerchen zwischendurch. Ausgeschlafener zeigen sich da die Stadtgärtner: Die haben inzwischen mitbekommen, dass die Presse da ist – und reden etwas gedämpfter miteinander. Man weiß ja nie, was dann wieder in der Zeitung steht.
Romantik liegt in der Luft
Sitzen und schauen. Schauen und sitzen. Innehalten. Entspannung setzt ein, samt einer gewissen Schläfrigkeit. Kann an der Hitze liegen. Oder am Alter. Der Blick fällt wieder auf Gaby: Vielleicht daddelt sie ja gar nicht, sondern schreibt ein Gedicht? Wenn es einen richtigen Zeitpunkt für schöne Worte gibt – jetzt wäre der richtige Moment. Der perfekte Ort, um zu schreiben. Über die Rosen. Über den Park. Über Entspannung. Mit Faltertrum-Blick. Umschwirrt von Bienen und Schmetterlingen. Vogelgezwitscher. Schade, dass das Liebespaar nicht mehr da ist. Es scheint kein Zufall zu sein, dass jemand knallrote Herzen auf die Abfalleimer gemalt hat.