Druckartikel: Sommer-Kolumne (9): Pommes und Eis, Eis und Pommes

Sommer-Kolumne (9): Pommes und Eis, Eis und Pommes


Autor: Frank Weichhan

Kitzingen, Montag, 03. Sept. 2018

Die WM-Enttäuschung saß diesen Sommer tief. Die langen Gesichter reichten bis zum Ostseestrand.
Psssst. Hören Sie es auch? Der Strand ruft. Immerzu. „Wo bleibst Du? Wo bleibst Du?“ Das steigert die Vorfreude. Auf den Sand zwischen den Zehen. Auf hemmungsloses Nichtstun. Auf den immer wieder vorbeilaufenden Eismann. Beim ersten Eis fragt die Liebste noch: „Schatz, wie sieht es aus? Hast Du auch so viel Lust auf ein Eis wie ich? Als kleine Erfrischung? Sag schon: Bringe ich Dir auch eine leckere Eiswaffel mit? Du weißt schon: Die ein bisschen nach Sahne schmeckt. Nach der ich so verrückt bin. Soll ich?“   Nach einer Woche lautet die Frage noch: „Soll ich Dir auch ein leckeres Eis zur Erfrischung mitbringen?“ Kurz darauf sorgt das Läuten der Eisglocke lediglich für diese Reaktion: „Auch Eis?“  Dann, so viel steht fest, ist man im Urlaubs-Modus angekommen. Die Trägheit hat gesiegt. Die Welt ist barfuß. Lauter kleine Augenblicke.   Weniger ist Meer. Warum reden, wenn man auch schweigen kann. Der Rest ist Erholung und Ruhe. Zwischendurch taucht neben „Auch Eis?“ noch die eine oder andere zusätzliche Frage auf: Weshalb es den Strand-Tester nicht auch als Beruf gibt? Und warum an der deutschen Ostsee nicht längst Palmen wachsen? Ansonsten: Wohltuendes Nichts. Stille. Wobei das mit der Ruhe am Strand so eine Sache ist. Einer plärrt ja immer. Aber das hört man irgendwann nicht mehr. Zumal es ja auch wichtig ist, sich darauf zu konzentrieren, ob der Strand ruft: „Schön, dass Du endlich da bist! Auch Eis?“


Die WM-Enttäuschung saß diesen Sommer tief. Die langen Gesichter reichten bis zum Ostseestrand. Dort versammelten sich immer ein paar Jungs, um Strandfußball zu spielen. Es war traurig: „Wer will Deutschland sein?“ fragte einer der Animateure. Betretenes Schweigen. Zur Seite gucken. Alles – aber nicht die deutsche Elf. Und so kam es, dass bei der Mini-WM am Ende der FC Strandkorb gegen Dynamo Meeresrauschen antrat.

Tumulte

Wie es ausging, ist leider nicht überliefert. Irgendwie riefen wohl alle plötzlich nach dem Videobeweis und dann gab es auch schon tumultartige Szenen. Allerdings lässt sich immerhin so viel sagen, dass einer, der sich als Özil ausgab, auch nach vierstündigem Kampf nicht einmal getroffen hatte.

Derweil hatte man im Strandkorb nebenan ganz andere Sorgen. Bei Josefina, Ella und Artur – allesamt im Grundschulalter – ging es den ganzen Tag um Pommes oder Eis. Manchmal auch um Eis oder Pommes. In den wenigen Momenten, in denen es ausnahmsweise nicht um Pommeseis oder Eispommes ging, hatten Josefina, Ella und Artur einen Lolli im Mund und konnten deshalb nicht reden. Der Zustand hielt aber nur kurz an, wahrscheinlich weil sie die Lollis zerkaut haben.

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Neue Nachricht für Mama

Josefina, Ella und Artur quengelten den ganzen Tag. Als dann in der Zeitung stand, dass sich im Nachbarort ein Restaurant zur kinderfreien Zone erklärt hatte, kam zumindest eine Ahnung auf, was der Grund für diese doch sehr drakonischen Maßnahme gewesen sein könnte. Ihre permanente Quengelei begann übrigens immer wie eine Sprachnachricht: „Neue Nachricht für Mama!“ Wahlweise auch: „Neue Nachricht für Papa!“ Immerzu ging das so. Ich fand das die ersten zehn Tage nicht ganz so schlimm.

Dynamo Meeresrauschen

Am elften Tag aber ließ ich mich aus Verzweiflung freiwillig als Özil bei Dynamo Meeresrauschen einwechseln. Gnadenlos ausgebuht zu werden war auf alle Fälle besser als eine neue Nachricht für Mama.

„Urlaubsreif“ erscheint während der Sommerferien in loser Folge.