Auf den ersten Blick scheint Pater Franziskus Büll, ein gebürtiger Berliner, der im Zweiten Weltkrieg in Hessen seine Heimat fand und schließlich als Gymnasiast nach Münsterschwarzach kam, keinen biographischen Bezug zu Iphofen zu haben. Der über 80-jährige Benediktiner, promovierter Kirchenhistoriker und Archivar der Abtei, ist ein direkter Nachfahre von Georg Josef Franz Stöhr (1769 in Iphofen geboren und 1859 in Würzburg verstorben), einem Königlich Bayerischen Rat und Direktor der Rechnungskammer in Würzburg.

Nun schenkte Pater Franziskus der Stadt Iphofen fünf Gemälde aus seinem Privatbesitz, wie das Stadtarchiv Iphofen mitteilt. Drei der Bilder wurden von Philipp Stöhr gemalt. Zwei Portraits zeigen seinen Ur-Ur-Ur-Großvater Georg Josef Franz Stöhr, eines dessen zweite Frau, Klara Maria Anna Agnes Stöhr. Philipp Stöhr (1793–1856), ein Verwandter einer Nebenlinie, stammte aus Gerolzhofen und war schließlich Professor in Würzburg. In der Iphöfer Stadtpfarrkirche St. Veit hängt ein Gemälde von ihm, das Maria mit dem Jesuskind auf der Weltkugel darstellt.

Bilder sind von hervorragender Qualität

Zwei weitere Gemälde, die Portraits von Georg Franz Josef Stöhr sowie dessen erster Ehefrau zeigen, wurden vom Würzburger Maler Matthäus Joseph Menna (1767–1837) angefertigt. Alle Bilder sind von hervorragender Qualität und trefflichem Ausdruck.

Mitglieder der Familie Stöhr wirkten in Iphofen sowohl politisch als auch caritativ. Philipp Stöhr war Bürgermeister und Magistratsrat. 1861 stiftete er die „Philipp Stöhr’sche Rettungsanstalt“, in der bis 1944 Kinder betreut und erzogen wurden. Seine ebenfalls ledige Schwester Babette beteiligte sich finanziell an der Rettungsanstalt. Weiterhin stiftete sie mehrfach Gelder, die hilfsbedürftige Iphöfer und Projekte unterstützte.

Bis heute erinnert in Iphofen die Stöhrsgasse an das Vermächtnis der für Iphofen bedeutenden Familie Stöhr. Babette Stöhr stiftete ein von der Familie Volland geerbtes Gebäude der Kirche als Benefizium. Nachdem es viele Jahre von der Kirche genutzt wurde, befindet es sich heute in Privatbesitz.