René Lezard: So soll die Rettung laufen
Autor: Jürgen Haug-Peichl
Schwarzach, Mittwoch, 11. Oktober 2017
Das Modeunternehmen René Lezard will sich mit einem komplizierten Konstrukt aus der Pleite ziehen. Klar ist jetzt: Eine Gruppe von Beteiligten hat ganz schlechte Karten.
René Lezard ist offenbar gerettet: Eine Woche nach dieser Meldung sind jetzt Einzelheiten bekannt geworden, wie die Rettung des in die Insolvenz gerutschten Modeunternehmens in Schwarzach (Lkr. Kitzingen) genau aussehen soll. Dabei wird klar: Die Gläubiger der Firmenanleihe werden nach Abstrichen vor einigen Monaten nun weiter bluten müssen. Und: Firmengründer Thomas Schaefer hat sich zurückgezogen.
Im November wird eine Aktiengesellschaft gegründet
Die Art der Rettung von René Lezard ist für Unternehmenspleiten typisch und kompliziert. Im Kern dieser Konstruktion entsteht eine neue, von der Insolvenz nicht betroffene Firma, die den Betrieb übernimmt. Der Verkauf der Firmenimmobilie in Schwarzach an eine Investorengruppe soll einen Großteil der Schulden bei Banken begleichen. Die Anleihegläubiger indes erhalten Aktien, deren Wert zunächst aber wohl weit unter dem Wert der Anleihen liegen werden.
1#googleAds#100x100Was die Aktiengesellschaft macht
Wie Insolvenzverwalter Hubert Ampferl von der Nürnberger Kanzlei Dr. Beck & Partner am Mittwoch weiter mitteilen ließ, wird am 1. November eine Aktiengesellschaft gegründet. Sie übernimmt den laufenden Betrieb von René Lezard in der dann angemieteten Immobilie sowie fast die komplette Belegschaft. Zwei Abteilungen „und eine Anzahl von Mitarbeitern im einstelligen Bereich“ stehen allerdings auf der Kippe. Wie vielen Beschäftigten am Ende gekündigt werden muss, sei noch nicht klar. Es komme aber auf jeden Fall „zu keinem nennenswerten Personalabbau.“ René Lezard hat den Angaben zufolge im Moment 273 Mitarbeiter – deutlich weniger als noch vor einigen Jahren.
Was mit den Beschäftigten passiert
Die Beschäftigten haben von März bis Mai im herkömmlichen Rahmen Insolvenzgeld bekommen. Seit Juni und in der Zukunft erhalten sie wieder Gehalt in gewohnter Höhe, hieß es am Mittwoch aus der Ampferl-Kanzlei weiter.
René Lezard ist bislang ein GmbH. Sie werde weiter bestehen, weil über diese Gesellschaft die Insolvenz abgewickelt werde. Im Umkehrschluss heißt das: Die neue Aktiengesellschaft wird ohne Forderungen der Insolvenzgläubiger starten können.
Stillschweigen über die Investoren
Nach Angaben des Insolvenzverwalters gehen 30 Prozent der neuen Aktien an die beiden Investoren, die die Lezard-Immobilie kaufen. Wer diese Investoren sind, verriet Ampferl nicht. Auch nicht, wie hoch die Schulden bei den vier Banken noch sind, die René Lezard über den Immobilienverkauf zumindest teilweise begleichen will. Vor einigen Monaten war noch von 8,8 Millionen Euro die Rede gewesen.
Die restlichen 70 Prozent der Aktien übernehmen voraussichtlich die Gläubiger der Lezard-Anleihe, die 2012 zwecks Kapitalbeschaffung ausgegeben worden war und die bis November 2017 hätte laufen sollen. Die Anleihegläubiger werden noch im Oktober bei einem eigenen Termin beschließen, ob sie den Tausch ihrer Wertpapiere in Aktien auch wirklich wollen. „Davon gehen wir aber aus“, war aus dem Büro des Insolvenzverwalters zu hören. Fakt sei, dass diese Gläubiger „nicht 1:1 befriedigt werden“.