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Pollenjagd auf dem Klinikdach


Autor: Siegfried Sebelka

Kitzingen, Dienstag, 07. April 2015

Seit Anfang März wird an der Klinik Kitzinger Land die Pollenbelastung gemessen. Damit ist Kitzingen einer der wenigen Standorte in Bayern, der rechtzeitig zum Start der Pollensaison nützliche Informationen für Allergiker mit einer sogenannten Pollenfalle beisteuert.
Den Pollen auf der Spur: Seit dem 10. März wird an der Klinik Kitzinger Land die Pollenbelastung gemessen. Was sich in den Pollenfallen fängt, wird von André Hain (im Foto) gesammelt, verschickt, zentral ausgewertet und für die Pollenflugvorhersage verwendet.


Seit Anfang März wird an der Klinik Kitzinger Land die Pollenbelastung gemessen. Damit ist Kitzingen einer der wenigen Standorte in Bayern, der rechtzeitig zum Start der Pollensaison nützliche Informationen für Allergiker mit einer sogenannten Pollenfalle beisteuert.

Die Aktion hat einen ernsten Hintergrund: Die Zahl der Allergiker in Süddeutschland steigt. Zwischen 25 und fast 35 Prozent der Bevölkerung sind von Allergien betroffen, Tendenz steigend. Ursachen sind laut Prof. Jeroen Buters vom ZAUM (Zentrum für Allergie und Umwelt) der Klimawandel sowie vermehrt auftretende hoch allergene nichtheimische Pflanzen, die zunehmend einwandern.

Auf der anderen Seite ist die flächendeckende Abdeckung mit Pollenfängern eher gering: Seit 2010 ist das Pollen-Messnetz des ZAUM von sechs Stationen auf drei in Erlangen, Bamberg und Zusmarshausen geschrumpft. Trotz der offiziellen PID-Stationen in München und Münnerstadt sowie der privaten Station in Oberjoch ist man von einem engmaschigen Netz weit entfernt. Nun kommt Kitzingen als vierter Standort des ZAUM-Projektes hinzu und liefert vom Klinikdach aus Informationen.

Das Problem hinter der bisher geringen Versorgung mit Pollenfängern: Für jede Station werden Betreuer benötigt und die Stationen müssen ständig per Hand betreut werden. Jetzt springt die Klinik Kitzinger Land ein. „Wir sehen uns als zentraler Gesundheitsstandort im Landkreis in der Verantwortung, dieses Projekt zu unterstützen“, so der stellvertretende Vorstand der Klinik, Uwe Pfeiffle. „Wenn wir mit geringem Aufwand dazu beitragen können, dass sich die Vorhersagequalität verbessert, dann hat es sich gelohnt“, so Pfeiffle.

Einmal wöchentlich und immer zur gleichen Zeit wechselt die Haustechnik der Klinik ab sofort die Proben und schickt sie in bereits adressierten Probenpaketen zum ZAUM an der TU München. Gerade in den Belastungszeiträumen können Diagnosen von Atemwegserkrankungen mit hochwertigen Polleninformationen abgeglichen werden.

Die Pollenfallen sammeln vielfältige Baum- und Gräserpollen sowie Sporen. Alle drei bis sieben Tage werden die Pollentrommeln gewechselt und via Kurierdienst zur Analyse geschickt. Im Labor werden die beprobten Bänder für die mikroskopische Auszählung der Pollenspezies präpariert und mittels rechnerbasierter Verfahren zu Pollenvorhersagen hochgerechnet.
  • Die genaue Funktionsweise einer Pollenfalle auf pollenstiftung.de

Das Pollenprojekt

Das Projekt: Die neue Messstation in Kitzingen ist Projektbestandteil des Pilotexperiments des ZAUM (Zentrum für Allergie und Umwelt) der Technischen Universität München, die die Bedingungen unterschiedlicher Standorte vergleicht und insbesondere Flachlandregionen und Hügelland gesondert betrachtet.

Das Ziel: Das Projekt verfolgt das Ziel, die Pollen-Informationsdienste mit optimalen Informationen mit zwei bis dreistündigen Messintervallen versorgen zu können und die Bedingungen für optimale Datenergebnisse und Berechnungen zu evaluieren.

Die Partner: Projektpartner des ZAUM sind die Stiftung Polleninformationsdienst (PID), der Deutsche Wetterdienst (DWD), und das Finnish Metereological Institute, das an einem Pollenflug-Simualtions-Modell forscht.

  • Aktueller Pollenflugbericht des Deutschen Wetterdienstes