Der Aufmerksamkeit von Bundespolizisten am Würzburger Hauptbahnhof ist es zu verdanken, dass nach dem mutmaßlichen Mord an einer 62-Jährigen in Fröhstockheim (Lkr. Kitzingen) der Tatverdächtige schnell gefasst wurde. Einer Streife begegnete am Dienstag gegen 8 Uhr ein junger Mann mit auffallendem Verhalten und auffälliger Kleidung, der größere Mengen Geld offen in Händen hielt.

Nach Information dieser Redaktion kontrollierten die Polizisten den aggressiv wirkenden Mann. Zu dem Zeitpunkt war die Leiche im 30 Kilometer entfernten Ortsteil von Rödelsee noch nicht gefunden. Da der 29-Jährige keinen Anlass gab, ihn festzuhalten, ließ man ihn weitergehen. Etwa eineinhalb Stunden später alarmierte eine besorgte Frau die Kitzinger Polizei: Ihre Freundin in Fröhstockheim sei nicht zum vereinbarten Treffen gekommen. Die Festnetzleitung in ihrem Haus sei tot. Auch eine Verwandte der 62-Jährigen unternahm vergebliche Anstrengungen, die Frau zu erreichen.

Eine Streife der Polizei-Inspektion Kitzingen fuhr los. Sie fand die Leiche gegen 9.45 Uhr in ihrem Haus. Die Spuren ließen auf ein Gewaltverbrechen schließen. Die Frau soll erstochen worden sein. Erste Hinweise von Nachbarn lenkten den Verdacht auf einen Mann, den eine Zeitungsträgerin gegen 5 Uhr morgens noch vor dem Haus gesehen hatte.

Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen sprach am Donnerstag von einem 29-Jährigen, „der aus dem direkten familiären Umfeld der Geschädigten stammt“. Nach Informationen dieser Redaktion handelt es sich um den Sohn der Getöteten, der mit ihr in dem Haus lebte. Als die Kripo gegen 10 Uhr mit der Fahndung begann, kam Bundespolizisten der Name bekannt vor: Es war offenbar derselbe Mann, den sie zwei Stunden zuvor kontrolliert hatten. Die Beamten sollen daraufhin sofort mit der Suche begonnen haben. Doch im Hauptbahnhof war er nicht mehr.

Die Bundespolizei gab dazu keine Presseerklärung ab. Doch nach Informationen dieser Redaktion entdeckte man auf dem Film einer Überwachungskamera, dass der Gesuchte einen ICE in Richtung Frankfurt und Düsseldorf bestiegen hatte. Da dürfte der Zug zwischen Hanau und Frankfurt unterwegs gewesen sein. Nun war es ein Leichtes, die Bundespolizei in Frankfurt zu verständigen, die den Mann einfach aus dem Zug „fischte“. Der 29-Jährige ließ sich widerstandslos festnehmen.

Aus Frankfurt zurückgebracht

Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Raufeisen und Polizeisprecher Peter Häusinger holten Kriminalbeamte den Beschuldigten aus Frankfurt ab. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ der Ermittlungsrichter Haftbefehl wegen dringenden Mordverdachts. Eine Obduktion bestätigte Raufeisen am Mittwoch, dass „nach einer ersten Einschätzung Gewalteinwirkung zum Tod der Frau geführt haben“ dürfte.

Die Polizei soll Insassen des Busses befragt haben, der von Rödelsee nach Kitzingen und Würzburg fährt. Auch im Bus soll ein junger Mann mit markanter Kleidung aufgefallen sein, der Geldscheine in der Hand hielt. Am Donnerstagnachmittag suchten Polizeibeamte auch den Ortsrand von Fröhstockheim in der Nähe der Wohnhauses ab. Wonach sie suchten, wurde nicht gesagt.

Nachbarn war schon vor der Tat das Verhalten des Mannes merkwürdig vorgekommen. Er soll am Vortag auffallend vor dem Haus hin und her gelaufen sein. Er habe auch bei Nachbarn geklingelt und gefragt, ob ihr Haus sicher sei. Am Morgen der Tat will ein Nachbar aus dem Haus Geräusche gehört haben.

Der 29-Jährige soll bei seiner Mutter gelebt haben und ihr Sorgen bereitet haben. „Der war schräg drauf“, sagt eine Freundin, die ihn ab und zu nach Kitzingen mitgenommen hatte. Am Tag vor der Tat soll es Streit zwischen Mutter und Sohn gegeben haben, berichtete eine Bekannte der Mutter. „Ich bin seelisch fertig“, habe die 62-jährige Frau ihrer Kollegin geklagt. Sie wollte sich krankschreiben lassen. „Am Samstag musste sie ihren Sohn bei der Polizei in Würzburg holen“, berichtete die Bekannte.

Das stimmt: Auch ein Pressebericht der Polizei benennt auffallendes Verhalten des mutmaßlichen Mörders: Der 29-Jährige rannte am Samstag gegen 11.20 Uhr ohne ersichtlichen Grund am Mainkai auf einen Streifenwagen zu.

Aggressiv gegen Polizisten

Er schlug gegen die Scheibe, öffnete die Tür. Er zeigte zunächst seinen Personalausweis. Dann rannte er in plötzlicher Stimmungsschwankung weg, wurde eingeholt, verhielt sich aggressiv und musste zu Boden gebracht und gefesselt werden. Die Polizeibeamten stellten eine Alkoholisierung von 1,24 Promille sowie den Konsum von Betäubungsmitteln fest. Der Mann wurde zur Ausnüchterung mitgenommen. Da es daneben keinen rechtmäßigen Grund gab, ihn festzuhalten, musste er dann wieder freigelassen werden.