Es wird ein etwas anderer Reisebericht: André Schumacher kommt am Sonntag, 26. Januar, um 17 Uhr mit der Multivision "Wildes Europa, 3517 Kilometer mit Kind und Kegel" in die Alte Synagoge nach Kitzingen.

Frage: Woher kommt Ihre Rastlosigkeit?

André Schumacher: Vielleicht liegt es daran, dass ich Ostdeutscher bin. Als die Mauer fiel, war ich 15 Jahre alt. Mein bester Schulfreund und ich wollten sofort raus und die Welt entdecken. Im kommenden Sommer sind wir dann losgefahren und sechs Wochen durch Skandinavien geradelt. Einfach ins Blaue hinein. Das war eine Reise, die unser Leben geprägt hat – wir kamen auf den Geschmack der weiten Welt.

Wo und wann entdeckten Sie Ihre Reiseleidenschaft?

Schumacher: Genau dort: in Norwegen. Für mich bis heute eines der schönsten Länder der Welt. Wir haben das Land in den Jahren darauf zwölfmal durchradelt. Dabei entstand auch die Idee, von Patagonien nach Alaska zu radeln. Das war 2003, da war ich 28. Wir sind zweieinhalb Jahre damals gefahren. Danach kam die Idee auf, aus den Reiseabenteuern Bücher oder Diashows zu machen. Das hat sich dann verselbstständig. Danach ging es in die Antarktis und auch in 80 Tagen um die Welt.

Der schönste Ort der Welt?

Schumacher: Patagonien ist das Sehnsuchtsziel schlechthin, gefolgt von Norwegen und den Kanarischen Inseln, die mein zweites Zuhause geworden sind.

Wie viele Tage im Jahr sind Sie unterwegs?

Schumacher: Auf Tournee bin ich von Januar bis April, früher war das noch mehr. Mittlerweile habe ich einen großen Hof in Mecklenburg und bin Familienvater, deshalb ist es etwas ruhiger geworden. Ich veranstalte inzwischen auch Reisen und nehme Menschen an ganz besondere Orte mit, einen Monat im Frühling und einen Monat im Herbst. Die großen Reisen für mich sind seltener geworden, zuletzt bin ich mit meiner Familie ein halbes Jahr lang nach Spanien durch sechs europäische Länder geradelt.

Wie viele Reisepässe haben Sie schon verschlissen?

Schumacher: Ich glaube drei. Auf meiner Reise durch die Welt in 80 Tagen ging alleine ein Reisepass drauf.

Warum könnten Sie nie Angestellter sein?

Schumacher: Eigentlich bin ich Architekt. Aber ich habe mich für ein brotloses Leben als Vortragsredner entschieden. Das möchte ich um nichts in der Welt eintauschen.

Gibt es noch Länder, in denen Sie nicht waren?

Schumacher: In der Summe waren es gar nicht so viele. Schon weil ich langsam unterwegs bin. Manchmal ist mir sogar Radreisen zu schnell, dann gehe ich zu Fuß. Zuletzt die Radreise mit unserem Kind hatte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 1,26 Kilometer. Bei den langsamen Reisen passieren all die Wunder. Dann kann man die Reiseführer wegwerfen und es passiert all das, wofür Reisen steht.

Wie finanziert man ein solches Leben?

Schumacher: Das trägt sich gegenseitig. Die Vorträge werfen das Geld für die nächsten Reisen ab. Zudem veranstalte ich wie gesagt auch Reisen, weg vom Mainstream.

Wie kam es zu dem Projekt wildes Europa?

Schumacher:  Wir haben uns lange überlegt, wie wir uns mit einem Kleinkind bewegen können – das brachte uns auf das Lastenfahrrad. Da haben wir den Kleinen reingesetzt. Die Idee war, unsere neue Heimat an der Ostsee mit Spanien, der Heimat meiner Frau, zu verbinden. Dann sind wir ohne zu planen auf den schönstmöglichen Umwegen gefahren. Es war vielleicht die schönste Reise überhaupt. Unser Kind war eineinhalb Jahre alt und am Ende der Reise hat es bruchstückhaft sechs Sprachen gesprochen.

Worauf dürfen sich die Kitzinger genau freuen?

Schumacher: Wenn man anderen Veranstaltern und der Presse glauben darf: eine coole, originelle, witzige und ästhetisch-ansprechende Reiseshow. Meine Vorträge sind anders als andere Vorträge. Ich behaupte mal: So etwas haben sie noch nicht gesehen.

Wo sind Sie gerade?

Schumacher: Ich packe gerade meinen Tour-Bus für meine Tournee, die mich bis Ende März durch 30 Städte führen wird.

Das nächste Projekt ...

Schumacher: ... liegt vermutlich vor meiner Haustür: Wahrscheinlich werde ich demnächst Mecklenburg bereisen und das Land so zeigen, wie es noch keiner gesehen hat.