Modern und in der Tradition verwurzelt
Autor: Hartmut Hess
Willanzheim, Donnerstag, 14. April 2016
Die Marktgemeinde Willanzheim feiert am Samstag: Vor 1275 Jahren wurde die Gemeinde erstmals urkundlich erwähnt.
Die Marktgemeinde Willanzheim ist ein gutes Beispiel für Kommunen im ländlichen Raum, die versuchen, ihr Profil zu schärfen, um attraktiv für Einheimische wie auch zuziehenden Menschen zu bleiben. An diesem Samstag feiern die Willanzheimer ein besonderes Jubiläum: Vor 1275 Jahren wurde die Gemeinde erstmals urkundlich erwähnt. Daran gedenken sie mit einem Gottesdienst (18 Uhr in der St. Martin-Kirche) mit anschließendem Festabend (20 Uhr im Sportheimsaal) zusammen mit dem Männerchor und dem Musikverein.
Willanzheim wurde urkundlich erstmals in den Jahren 741/742 erwähnt als eine von vier Königlichen Eigenkirchen des Bistums Würzburg in „Wielandheim“. Bis ins Mittelalter blieb Willanzheim ein Königliches Eigendorf mit Gerichtsbarkeit und Adelsfamilien im örtlichen Schloss. Wahrscheinlich ist aus dieser Zeit die Tatsache begründet, dass Willanzheim katholisch geprägt ist und heute noch über 80 Prozent der Bürger im größten Ortsteil der Dreiergemeinde Katholiken sind. Die Feldkapelle Maria Schmerz am westlichen Ortsrand und die Nothelferkapelle Richtung Iphofen sowie mehrere Bildstöcke in der Gemarkung sind Zeitzeugen dafür.
1#googleAds#100x100„In den Jahren von 1550 bis 1580 herrschte ein rege Bautätigkeit“, sagte Bürgermeisterin Ingrid Reifenscheid-Eckert. Im Bauernkrieg 1525 wurden vermutlich etliche Gebäude zerstört. Die Haupteinnahmequelle für die Willanzheimer bildete seit jeher die Landwirtschaft – noch heute hat der Ort relativ viele Landwirte, die ihre Höfe im Voll- oder Nebenerwerb bewirtschaften. Die landwirtschaftlichen Flächen sollen um das Jahr 1400 herum in Allgemeineigentum übergegangen sein.
Am Breitbach gelegen, zählt die Marktgemeinde vier Mühlen, von denen heute die Hagenmühle die bekannteste ist mit ihrer Fischzucht. „Willanzheim war bis in die 1960er-Jahre auch ein Ort mit einer bedeutenden Pferdezucht“, betont Kreisheimatpfleger Karl-Heinz Wolbert beim Stöbern in alten Bildern. Am 5. April 1945 wurde Willanzheim von Bomben der Alliierten in Schutt und Asche gelegt, 42 der Gebäude, inklusive der Pfarrkirche, sind dabei zerstört worden.
Noch im selben Jahr machten sich die Willanzheimer daran, eine Notkirche aufzubauen, die zwar keinen Kirchturm hatte, aber zumindest Gottesdienste ermöglichte. 1950 hielt die Neuzeit Einzug mit dem Anschluss an die Fernwasserleitung und ein Jahr später machten sich engagierte Bürger an den ersten Sportheimbau mit Material von der Notkirche. Den richtigen Kirchturm der St. Martin-Kirche, wie er heute von weit her zu sehen ist, wurde 1964 erbaut. 1968 kam mit der Straße nach Tiefenstockheim eine weitere Verkehrsanbindung hinzu.
In den 1930er-Jahren wurde in Willanzheim erstmals eine Flurbereinigung unternommen, zu dieser Zeit gab es im Ort noch eine Niederlassung der Kongregation der Töchter des göttlichen Heilands mit Sitz in Wien. Den aus Wien entsandten Ordensschwestern schlossen sich auch Willanzheimer Frauen an, die sich um den Kindergarten, der damals Kleinkinderbewahranstalt hieß, und die Krankenpflege kümmerten sowie eine Nähschule betrieben. Willanzheim ist auch heute noch landwirtschaftlich geprägt, wandelte sich aber in den vergangenen Jahrzehnten zusammen mit den anderen Ortsteilen zu einer attraktiven Wohngemeinde. Das Baugebiet Ebental war im Jahr 1989 unter dem damaligen Bürgermeister Karl Greulich ein Zeichen des Aufbruchs und aktuell bringt der Gemeinderat den vierten Abschnitt des Bebauungsplans auf den Weg. Zuletzt war Willanzheim die erste Gemeinde im Landkreis, die über das staatliche Breitbandausbauprogramm schnelles Internet bekam. Deswegen findet Timo Engelmann, der derzeit an einem Dorfbuch arbeitet und das Jubiläumsjahr mit integriert, dass Willanzheim „in der Tradition verwurzelt und der Zukunft zugewandt“ ist.