Mit Liebe und Vertrauen, aber ohne Bürokratie

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Staatsministerin Emilia Müller (links) und Regierungspräsident Paul Beinhofer (rechts) übergeben den Scheck für den zweiten Platz beim Unterfränkischen Integrationspreis an Susanne ...
Martin Nefzger
Das „Integrationsturnen“ des Helferkreises für Asylbewerber und Flüchtlinge Ebenhausen erreichte beim Unterfränkischen Integrationspreis den dritten Platz.
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Die Organisatoren und einige Teilnehmer des erstplatzierten Projekts „Musikpädagogik und musikkulturelle Teilhabe für Menschen mit Fluchthintergrund“ der Musikschule des ...
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Die Gewinner des ersten Platzes beim Unterfränkischen Integrationspreises mit Staatsministerin Emilia Müller (links) und Regierungspräsident Paul Beinhofer (vierter von links).
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Staatsministerin Emilia Müller (rechts) und Regierungspräsident Paul Beinhofer (links) bei der Verleihung des Unterfränkischen Integrationspreises.
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Wie Integration gelingen kann, zeigen die Preisträger des Unterfränkischen Integrationspreises. Sie stammen aus Würzburg, Aschaffenburg und der Rhön.

Mehr als 40 000 Flüchtlinge kamen im Jahr 2016 nach Bayern. Bis Oktober 2017 waren es weitere 19 000. Diese Menschen in die Gesellschaft zu integrieren, ist das Ziel unzähliger Helfer, die in der Flüchtlingshilfe aktiv sind. Drei herausragende Projekte wurden am vergangenen Donnerstag bei der Verleihung des Unterfränkischen Integrationspreises in Kitzingen geehrt.

Für die Veranstaltung waren Emilia Müller, Staatsministerin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, und Paul Beinhofer, Regierungspräsident von Unterfranken, in die Alte Synagoge in Kitzingen gekommen. Mit Integration sei keinesfalls die Aufgabe der eigenen Kultur gemeint, erklärte Beinhofer zu Beginn der Veranstaltung. „Sowohl für geflüchtete Menschen als auch für die heimische Bevölkerung darf es keinen Verlust der eigenen Identität geben.“

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Alle Bewerber leisten großartige Arbeit

Mit ihren Projekten würden die diesjährigen Preisträger eine Plattform zu Förderung des gegenseitigen Verständnisses schaffen, so Beinhofer weiter. Aber nicht nur die drei Preisträger, sondern alle der 40 Bewerber leisteten großartige Arbeit. „Die Ehrenamtlichen engagieren sich mehr, als man sich das vorstellen kann“, stimmte Staatsministerin Müller zu.

Obwohl sie Bayern als Land bezeichnete, in dem Integration gelinge, nutzte sie die Veranstaltung, um vor den anwesenden Flüchtlingen und Flüchtlingshelfern die Forderung ihrer Partei nach einer Obergrenze zu bekräftigen. „Die Begrenzung der Zuwanderung ist nötig“, sagte sie. Denn obwohl der Freistaat während der größten Zuwanderungswellen die Fahne der Humanität hochgehalten und für Ordnung gesorgt hätte, könne man dies nicht jedes Jahr schultern.

Turnen für ein besseres Miteinander

Den dritten Platz beim Unterfränkischen Integrationspreis, der in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal verliehen wurde, belegte das „Integrationsturnen“ des Helferkreises für Asylbewerber und Flüchtlinge Ebenhausen. Als Preisgeld erhielt die Gruppe 1000 Euro. Bei dem Integrativen Sportprojekt turnen Kinder mit und ohne Migrationshintergrund gemeinsam. Dabei trete der Leistungsgedanke in den Hintergrund, sagte Cornelia Herterich vom Helferkreis. „Die Interaktion und das Miteinander sind uns viel wichtiger.“

An erwachsene Frauen statt an Kinder richten sich die „Bildungsstipendien für Migrantinnen“ des Vereins Zonta e.V. Aschaffenburg, der den mit 1500 Euro dotierten zweiten Platz belegte. „Unser Ziel ist Frauenförderung jeder Art“, erklärte Susanne Paukens-Scheffner vom Verein. Dieser vergibt jährlich ein bis zwei Stipendien an Frauen mit Migrationshintergrund, um ihnen bessere Bildungschancen zu ermöglichen.

Durch Musik in Deutschland willkommen geheißen

Den ersten Platz erreichte WiMu, die solidarische Musikschule des Theaters am Neunerplatz, Würzburg, mit dem Projekt „Musikpädagogische und musikkulturelle Teilhabe für Menschen mit Fluchthintergrund“. „Durch Musik wurden wir in Deutschland willkommen geheißen. Mit Liebe und Vertrauen. Und ohne die Formulare und die Bürokratie“, sagte Osama Albernawi, ein Teilnehmer des Projektes, bei dem Flüchtlinge kostenlosen Musikunterreich erhalten. In seiner Dankesrede sagte Jonas Hermes, der Leiter des Projektes, es sei ein großes Glück, dass sich so viele Menschen um ein gleichberechtigtes Miteinander bemühten.

Aber auch vor kritischen Tönen schreckte Hermes nicht zurück. So hinterfragte er einige, seiner Ansicht nach nicht nachvollziehbare, Entscheidungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, die seine Schüler betrafen. Mit dem Preisgeld in Höhe von 2500 Euro soll einem ehemaligen Schüler, der die Aufnahmeprüfung der Berufsfachschule für Musik in Bad Königshofen bestanden hat, ein Instrument finanziert werden.

Die Preisträger

1. Platz: WiMu – Die solidarische Musikschule des Theaters am Neunerplatz, Würzburg

2. Platz: Zonta e.V. Aschaffenburg

3. Platz: Helferkreis für Asylbewerber und Flüchtlinge Ebenhausen