Milchbauern schöpfen Hoffnung
Autor: Svenja Kloos
Willanzheim, Donnerstag, 13. Oktober 2016
Die Preise für Butter und Käse steigen wieder. Zum jetzigen Zeitpunkt von einem Ende der Milchkrise zu sprechen, wäre allerdings zu früh.
Gut zwei Jahre lang waren die Milchpreise im freien Fall. Viele Höfe mussten schließen oder sich einen anderen Betriebszweig suchen. Im Landkreis gibt es aktuell 141 Milchviehbetriebe – das ist ein Drittel weniger als noch 2013. Doch nun steigen die Preise für Käse und Butter langsam wieder. Haben die Landwirte die Krise überstanden?
Für Milchviehhalter Ernst Drobek aus Willanzheim wäre das zum jetzigen Zeitpunkt noch zu viel gesagt, „aber wir sehen ein Licht am Ende des Tunnels“. Als der Tiefpunkt im Februar dieses Jahres erreicht war, hat Drobek nur noch 24 Cent für einen Liter Milch bekommen. Im vergangenen Monat waren es immerhin 26. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, wären 40 Cent nötig. Heißt momentan: Keine Neuinvestitionen, kein Kapital zur Seite legen.
Ähnlich sieht es bei Bruno Scheller aus, der einen Hof in Euerfeld betreibt. „Man weiß nie, ob der Aufwärtstrend weitergeht, aber es gibt positive Zeichen“, sagt er.
So sei der Literpreis auf dem Spotmarkt, auf dem die Molkereien untereinander handeln, rasant gestiegen. Im Moment liege er wieder bei über 30 Cent. Bis das bei den Bauern ankommt, kann es jedoch noch gut zwei Monate dauern.
EU-Programm fördert Reduktion
Für die Milchwirtschaft weiterhin problematisch ist laut Gerd Düll, dem Leiter des Kitzinger Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), das Russland-Embargo. Dass es dennoch bergauf geht, liege einerseits daran, dass China sich von der Wirtschaftskrise erhole und wieder mehr Butter und Käse kaufe.
Außerdem sei die produzierte Milchmenge weltweit gemindert worden. Das Überangebot, das auf die Preise drückt, nähert sich also langsam wieder der bestehenden Nachfrage an.
Um diesen Punkt weiter zu fördern, hat die EU nun ein weiteres Reduzierungsprogramm mit 150 Millionen Euro auf den Weg gebracht: Aus dem Landkreis haben 21 Landwirte einen Antrag eingereicht, berichtet Werner Schwanfelder, Betriebswirtschaftsleiter am AELF. Sie bekommen für jeden Liter Milch, den sie von Oktober bis Dezember weniger an die Molkereien liefern, 14 Cent Förderung.