Kitzingen 1966 Impfdosen sind für diese Woche angekündigt. Nicht schlecht. Aber Felix Wallström und sein Team könnten deutlich mehr verimpfen.

Der Geschäftsführer des Roten Kreuzes in Kitzingen über freie Ressourcen und Impfdrängler.

Impfen gegen Corona: "Könnten in Zukunft aufstocken"

Im April soll der Impfturbo zünden. Bekommen Sie davon schon was mit?

Wallström: Wir erhalten spürbar mehr Impfdosen als noch vor ein paar Wochen. Im März waren es beispielsweise teils weniger als 1000 Dosen pro Woche. Es gab Zeiten, da hätten wir zwei- bis dreimal so viel impfen können. Auch jetzt haben wir noch Kapazitäten. Und wir könnten in Zukunft aufstocken, beispielsweise eine Spätschicht anbieten.

Wie viele Impfdosen könnten Sie maximal pro Woche an den Mann beziehungsweise die Frau bringen?

Wallström: Wir sind aktuell zur Vorhaltung einer Impfkapazität von gut 3.500 Impfungen pro Woche beauftragt. Theoretisch könnten wir diese Kapazitäten jedoch durch einen Rund-um-die-Uhr Schichtbetrieb verdoppeln.

Ab dieser Woche sollen die Hausärzte beim Impfen richtig einsteigen.

Wallström: Was ich grundsätzlich sehr begrüße. Es ärgert mich nur, dass in Teilen der Bevölkerung der Eindruck entstanden ist, dass dank der Hausärzte jetzt der Turbo gezündet wird. Die kritische Masse ist und war schon immer der Impfstoff. An uns liegt es nicht, dass bisher nur rund 12.000 Erstimpfungen und 5800 Zweitimpfungen im Landkreis durchgeführt wurden.

Wurden alle gelieferten Dosen verimpft?

Wallström: Ja. Es gab ein paar Vorbehalte wegen AstraZeneca, aber jeder stornierte Termin konnte neu besetzt werden.

Wer erhält so einen Ersatztermin?

Wallström: Wir haben darauf überhaupt keinen Einfluss. Die Reihenfolge wird zentral vom Rechner des Bayerischen Impfzentrums gesteuert. Wir melden dorthin lediglich, wie viele Dosen wir vorrätig haben und welche Zeitfenster frei sind. Und dann werden die Bürger über die Software eingeladen.

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Sie wissen am Montag nicht, wer am Dienstag kommt?

Wallström: Nein. Das erfahren wir erst am gleichen Tag. Wir haben auch keinen Einblick, wer noch dran ist. Es ist auch gut so, dass wir keinen Einfluss auf die Liste haben und damit die Priorisierung beeinflussen könnten. Es darf keine Ausnahmen oder Bevorzugungen geben.

Wo stehen Sie mit den Impfungen?

Wallström: Mit den Alten- und Pflegeheimen sind wir durch. Auch die mobilen Impfungen für Senioren über 80 sind abgeschlossen. Das ist meiner Meinung nach ein Meilenstein. Jetzt sind die Menschen aus der Prioritätenliste 2 dran, also über 70-Jährige, Menschen mit Demenz, geistiger Behinderung oder auch Personen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen, in Grundschulen, Sonderschulen oder Förderschulen tätig sind.

Bis wann ist diese Gruppe abgeschlossen?

Wallström: Wie lang wir dafür noch brauchen, kann ich nicht sagen. Wie gesagt: Wir haben keinen Einblick in die Listen und keinen Einfluss darauf, wie viel Impfstoff geliefert wird.

Haben Sie schon Erfahrungen mit so genannten Impfdränglern gemacht?

Wallström: Es gibt Menschen, die bei der Anmeldung im Internet irgendetwas ankreuzen, damit sie im Ranking höher eingestuft werden. Dann wird aus einem Sachbearbeiter plötzlich ein Krankenpfleger oder aus einem gesunden Menschen jemand mit Vorerkrankungen. Manchmal geschieht das unfreiwillig, aber mitunter auch bewusst.

Und dann?

Wallström: Wer einen bestimmten Beruf oder eine Krankheit ankreuzt, die ihn im Ranking nach oben spült, muss entsprechende Nachweise vom Arbeitgeber oder dem Arzt zur Impfung mitbringen. Liegen diese Nachweise nicht vor, können wir auch nicht impfen.

Dann geht es bei der Anmeldung mitunter turbulent zu?

Wallström: Wir haben nicht umsonst sechs Mitarbeiter im Check-In-Bereich. Der größte Zeitaufwand entsteht genau dort. Die Mitarbeiter müssen sensibel auf die Menschen eingehen. Es kommen beispielsweise Leute zu uns, die ihren Vater oder ihre Mutter daheim unterstützen und meinen, dass sie deshalb im Ranking vorgezogen werden.

Werden sie nicht?

Wallström: Nur, wenn die Eltern pflegebedürftig sind. Und dafür muss ein Pflegegrad nachgewiesen werden. Aber solche Fälle sind die Ausnahme. Ich habe für viele der individuellen Situationen persönlich Verständnis. Die Impfpriorisierung legen jedoch nicht ich oder meine Mitarbeiter vor Ort fest, sondern die bundesweite Coronavirus-Impfverordnung.

Die Menschen sind überwiegend glücklich, wenn sie ins Imfpzentrum kommen?

Wallström: Ja. Viele sind dankbar, die meisten ganz sachlich und ruhig. Es ist aber auch schon zu Beleidigungen und Bedrohungen gekommen, manche Besucher sind ausfällig geworden. Wie heißt es so schön: In der Krise zeigt sich der Charakter.

Impfdosen im Landkreis

Im Januar kamen pro Woche zwischen 400 und 700 Dosen im Landkreis an, wie das Landratsamt auf Nachfrage berichtet. Damals gab es noch kein AstraZeneca. Im Februar schwankte die Zahl zwischen 1200 und 1800 in den Impfzentren. Die meisten Dosen kamen in der Osterwoche, zwischen dem 5. und 11. April: 2968 an der Zahl. In dieser Woche sind es 1966. Hinzu kommen noch über 1100 Impfungen, die bislang bei den Hausärzten im Landkreis durchgeführt wurden.
 
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