Es ist ein Jahrhundertthema. Gerade in Franken, wo es Gegenden gibt, in denen die Niederschlagsmenge bei 500 Litern pro Quadratmeter liegt. Nicht umsonst ist von der Fränkischen Trockenplatte die Rede. Wie also kann die Wasserversorgung der Zukunft aussehen? Eine Frage, mit der sich Politiker, Wasser-Experten, Landwirte und Winzer derzeit intensiv beschäftigen.

Vor rund einer Woche haben sich Bürgermeister, Vertreter der LWG und des Fränkischen Weinbauverbandes auf Einladung von Barbara Becker (MdL), zum dritten virtuellen Austausch getroffen. Ganz oben auf der Agenda: Die Gründung von lokalen Wasserverbänden. Die stehen beispielsweise in Iphofen, Mainstockheim, Seinsheim oder Sulzfeld kurz bevor und sind für Becker ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Bewässerung. Die jeweiligen Verbandsvorsitzenden sollen direkt mit den Wasserwirtschaftsämtern verhandeln können, wenn es beispielsweise um die künftige Entnahme von Wasser aus dem Main oder die Nutzung von Wasser aus künstlich angelegten Speicherseen geht. „Ganz oben auf der Agenda steht aber immer der Schutz des Grundwassers“, betont Becker.

Unterwegs in Richtung Notstand

Wie nötig das ist, erklärte Umweltminister Thorsten Glauber in seiner Grundsatzrede vor dem Bayerischen Landtag. Im Schnitt der vergangenen zehn Jahre habe es fast ein Fünftel weniger Grundwasserneubildung im Freistaat gegeben. Tendenz negativ, die Grundwasserneubildung nimmt weiter ab. „Wir sind auf dem besten Weg in einen Grundwassernotstand“, betonte Glauber.

In der kommenden Woche werden alle Beteiligten in Nordheim und Sommerach in einer online Info-Veranstaltung auf den aktuellen Sachstand gebracht. Das Ziel lautet, Wasser in den regenreichen Monaten aus dem Main zu entnehmen, es zu speichern und zu schützen, um es in der regenarmen Zeit für die Bewässerung der Weinberge zu nutzen. Auch Oberflächenwasser, das derzeit ungenutzt in den Main fließt, soll aufgefangen und in den Kreislauf eingeführt werden. „Das ist ein Generationenprojekt für die Zukunft“, sagt Nordheims Bürgermeisterin Sibylle Säger und spricht von einer sinnvollen, aber auch großen Investition, um die Kulturlandschaft in Franken zu erhalten. Möglichst alle Winzer müssten dafür gewonnen werden. Die Gründung eines Wasserverbandes ist der erste Schritt.

Sparen, Speichern, Nutzen

Bis Ende des Jahres sollen alle lokalen Verbände die Arbeit aufgenommen haben und sich intensiv mit den Beratern des Wasserwirtschaftsamtes austauschen. Das Motto dabei lautet: Wasser sparen, Wasser speichern, Wasser nutzen. „Es klingt komisch“, sagt Becker. „Aber wir wissen immer noch zu wenig über diese wichtige Ressource.“

Bislang sind vier Bewässerungsprojekte mit einem Investitionsvolumen von 40 Millionen Euro genehmigt worden. Neben einer geplanten Wasserversorgung der Obst- und Hopfengärten im mittelfränkischen Spalt geht es dabei um drei Bewässerungsprojekte für den fränkischen Weinbau – an der Mainschleife, in Iphofen und Oberschwarzach. „Das kann aber nur der Anfang sein“, betont die Landtagsabgeordnete und wünscht sich vor allem einen Technologie- und Wissenstransfer, um die lebenswichtige Ressource Wasser in Zukunft besser zu nutzen. In Israel werde beispielsweise Sonnenblumenöl auf die Nutzpflanzen aufgebraucht, um sie vor einer Verdunstung zu schützen. Warum das in Bayern nicht erlaubt ist, will Becker nicht einleuchten. Verwundert ist sie auch über die Praxis in den hiesigen Kläranlagen. Dort wird das Klärwasser aufwändig aufbereitet, um in den Main und in Richtung Nordsee eingeleitet zu werden. „Es muss doch eine Möglichkeit geben, dieses Wasser so aufzubereiten, dass es beispielsweise für den Obst- und Gemüsebau wiederverwendet kann“, meint sie und will den rechtlichen Rahmen für Start-Up-Unternehmen schaffen, die in diesem Bereich forschen.

Wasserallianz soll helfen

Zunächst einmal soll aber eine „Wasserallianz Unterfranken“ gegründet werden, in der sich alle Beteiligten austauschen und vernetzen. Das nächste virtuelle Treffen ist in sechs Wochen anberaumt. Becker ist von der Diskussion und den bisherigen Ergebnissen angetan. „Allen Beteiligten ist klar, dass es nicht nur um den Weinbau geht“, betont sie. „Es geht um die fränkische Wasserversorgung insgesamt.“ (Ein Interview zum Thema mit Dr. Daniel Heßdörfer von der LWG lesen Sie in der morgigen Ausgabe)

Wasserausgleich in Bayern: Pro Jahr werden rund 150 Millionen Kubikmeter Wasser vom Süden des Freistaates in den Norden gepumpt. Laut Umweltministerium belaufen sich die Kosten für Betrieb und Unterhalt des Main-Donau-Kanals auf rund sechs Millionen Euro im Jahr.