Volles Haus bei den Gärtnern

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Tausendschön, wohin das Auge blickt: Wegen der Kälte blockieren Frühlingsblumen derzeit noch die Gewächshäuser.
FotoS: Daniela Röllinger
Die niedrigen Temperaturen machen es den Gärtnern – hier im Bild Gertrud und Frank Schunke aus Hüttenheim – in diesem Jahr nicht leicht ...
Daniela Röllinger
Dicht an dicht stehen die winzigen Gottesaugen. Nächste Woche müssen sie getopft werden, und dazu wird ein ganzes Gewächshaus gebraucht.
Foto: Daniela Röllinger
Die für die Friedhofsgärtner reservierten Pflanzen warten auf Abholung. Doch wegen der gemeldeten sehr niedrigen Temperaturen gehen viele lieber auf Nummer sicher und warten noch ein paar Tage mit ...
Foto: Daniela Röllinger

Die Witterung macht dem Pflanzenbau zu schaffen. Der Verkauf hinkt wegen der Kälte hinterher.

Zu Tausenden stehen sie da und warten darauf abgeholt zu werden. Eigentlich sollte es diese Woche so weit sein. Doch die Veilchen müssen sich auch weiterhin gedulden, denn die Temperaturen gehen noch einmal richtig in den Keller. Das Jahr 2018 macht es den Gärtnern bislang nicht leicht.

„Im Landkreis Kitzingen freuen sich 55 Gärtnereien auf den Start in den Frühling.“ Eigentlich hatten Nikolai Kendzia und Maria Lutz von der Abteilung Gartenbau im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten diesen Satz als Information über die Anzahl der Betriebe gedacht. Angesichts der jetzt angekündigten erneuten Kälteperiode aber kann man den Schwerpunkt des Satzes problemlos darauf legen, wie sehr sich die Gärtner darauf freuen, dass der Frühling tatsächlich endlich richtig los geht. Weil Frühlingsblüher noch immer die Gewächshäuser belegen, fehlt den Gärtnern der Platz für die Kulturen, die jetzt eigentlich zu pflanzen wären.

Anfangs sah es mit dem Wetter gar nicht mal so schlecht aus. „Vom November bis in den Januar ging es verhältnismäßig warm in den Winter“, blickt Nikolai Kendzia zurück. Dann aber wurde es ausgesprochen kalt. Um minus 2,9 Grad Celsius wich die Temperatur im Februar und der ersten Märzhälfte laut Amt vom langjährigen Mittel ab. Große Lust am Gärtnern wollte da nicht aufkommen. Die Folge: Der Verkauf hinkt hinterher. Viele Gewächshäuser sind noch voll.

Am vergangenen Wochenende sah es zunächst so aus, als schlüge der Frühling voll zu, aber schon nach wenigen Tagen mit etwas höheren Temperaturen kommt die Kälte jetzt nochmal zurück – was den Verkauf wiederum behindert.

„Spannend“ sei das Jahr bislang gewesen, umschreibt Gertrud Schunke die ersten drei Monate. „Es ist alles konzentriert“, fügt Frank Schunke an. Beim Gang durch die Gewächshäuser ihrer Gärtnerei in Hüttenheim wird das Problem deutlich. Ein ganzes Haus ist mit Violen belegt, die auf mehrere hundert Gräber gepflanzt werden müssen. Das war für diese Woche geplant, aber angesichts der Wetteraussichten geht der Friedhofsgärtner lieber auf Nummer sicher. Der Frost, der gemeldet ist, könnte den Veilchen schaden, also wird er sie erst nächste Woche aus dem Gewächshaus holen, wo sie geschützt stehen. Sinnvoll aus Sicht des Kunden, der sich darüber ärgern würde, wenn die Blumen nach wenigen Tagen kaputt wären. Gleichwohl bräuchte Frank Schunke den Platz für die Sämereien wie Tagetes. Auch ist es Zeit, Tomaten, Paprika und anderes Gemüse zu topfen und weiteren Sommerflor wie die Gottesaugen. Die winzigen Pflänzchen stehen gerade dicht an dicht auf mehreren weißen Platten – die Fläche ist nicht allzu groß. Nach dem Topfen sieht das anders aus, dann wird für die Gottesaugen ein ganzes Gewächshaus benötigt.

Die Hüttenheimer Gärtnerei ist platztechnisch noch vergleichsweise gut dran. Sie verfügt über eine ganze Reihe Gewächshäuser und überall ist noch ein bisschen Platz. Die Schunkes und ihre Mitarbeiter verrücken und verschieben die Pflanzen, räumen die Geranien in ein anderes Haus, damit sie weiterarbeiten können. Andere Betriebe tun sich da schwerer, denn sie sind voll.

„Der Gärtner muss einfach noch näher an seinen

Pflanzen sein.“

Nikolai Kendzia, Abteilungsleiter Gartenbau

Schwierig ist aber nicht nur das Platzproblem, sondern auch der Anbau an sich. Damit die Pflanzen bei zweistelligen Minusgraden keinen Schaden nehmen, steuern die Gärtner Heizung und Lüftung entsprechend. Die Pflanzen dürfen weder durch die Kälte geschädigt werden, aber überständig werden, also zu früh verblühen, dürfen sie auch nicht. „Bei minus zwölf Grad kann man aber nicht lüften“, gibt Frank Schunke zu bedenken.

Dass Fingerspitzengefühl gefragt ist, macht auch Nikolai Kendzia deutlich. „Die Verkaufsaktionen der großen Einkaufsketten laufen“, sagt er. Die Betriebe müssen sich an ihre Liefertermine halten. „Um den Pflanzen optimale Wachstumsbedingungen zu liefern, müssen Gewächshäuser entsprechend geheizt werden.“ Was im kalten Februar und März natürlich höhere Kosten nach sich zog. Im Direktverkauf dagegen war die Nachfrage schleppend, so dass die Produktion verzögert werden musste. Damit die Blumen beim späteren Einkauf durch den Kunden noch ihre volle Blütenpracht entfalten können, wurden die Temperaturen in den Gewächshäusern etwas niedriger gefahren als sonst, erklärt er. Blütenstände, die im Gewächshaus verblühen, müssen ausgeputzt werden, damit sich neue Knospen bilden. Das bedeutet einen erhöhten Arbeitsaufwand für die Betriebe, erklärt Kendzia. Sein Resümee für die ersten Monate des Jahres 2018: „Der Gärtner muss heuer einfach noch näher an der Pflanze sein.“