Die Mobilität ist für Eva-Maria Weimann ein Grundrecht. Und das darf man niemanden nehmen. „Jeder Mensch darf sich frei bewegen, das ist maßgeblich für die Selbstbestimmung“, sagt die Stadträtin aus Dettelbach. Damit auch jeder Mensch kostengünstig von A nach B kommt, ohne die Umwelt über Gebühren zu belasten, gibt es aber noch einiges zu tun. So sei es Kernaufgabe ihrer Partei, beim Thema Verkehr, Klimaschutz mit sozialer Gerechtigkeit und dem Erhalt von qualifizierten und gut bezahlten Arbeitsplätzen zu verbinden.

Weimann ist 33 Jahre alt. Sie lebt in Dettelbach, ist seit 2009 bei der SPD – und seit dem letzten Jahr Mitglied im Verkehrs- und ÖPNV-Ausschuss des Kreistages. Der Ausschuss ist neu geschaffen worden – für Weimann ein Zeichen, wie ernst es den Verantwortlichen im Landkreis mit der Thematik ist. „Der Verkehr ist der größte Klimakiller in Bayern“, sagt die frisch gebackene Mutter. Was er nicht ist: sozial oder inklusiv. All das gelte es zu ändern. Ein langer Weg.

Die Bildungsreferentin der Diözese Würzburg sieht durchaus positive Entwicklungen. Die Verkehrsverbünde mit dem Großraum Nürnberg und mit Würzburg seien für die Bürger hilfreich, die Buslinien innerhalb des Landkreis allerdings noch zu verwirrend und zu spärlich getaktet. „Aber das wird besser“, kündigt sie an. „Wir arbeiten an einem Mobilitätsplan.“

„Manches ist einfacher umsetzbar, als man denkt.“

Eva-Maria Weimann, SPD Kreisrätin

Schnelle Lösungen sollte man allerdings nicht erwarten. Weimann muss sich erst noch einarbeiten, die richtigen Ansprechpartner finden, ein Netzwerk aufbauen. Ihr Ziel hat sie längst vor Augen: eine nachhaltige Verkehrswende einleiten. Klimafreundlich und für alle bezahlbar. Auch für Menschen mit Handicap. Eine Mammutaufgabe? „Manches ist einfacher umsetzbar, als man denkt“, ist sie überzeugt. Vor allem im Regionalen könne man Weichen stellen: den ÖPNV ausbauen, lokale Initiativen unterstützen – wie den Bürgerbus in ihrer Heimatstadt Dettelbach. Der fährt mittlerweile auch die Ortsteile an und wird von Ehrenamtlichen – zumeist Rentnern – betreut. Der kleine Bus gehört der Stadt und wird auch von Spenden getragen. Ein tolles Projekt, meint Weimann. Aber eigentlich sei der Staat beim Thema Mobilität gefragt. „Und nicht die Ehrenamtlichen“, betont die Kreisrätin.

Weimann will die Sorgen der Bürger anhören und in die künftigen Planungen einbeziehen. „Absurde Vorschläge“ wie autonome Buslinien seien derzeit fehl am Platz. Besser sei es, das Machbare anzugehen und Stück für Stück nachhaltige Lösungen zu etablieren. Nach dem Motto: Vom Kleinen hin zum Großen. Weimann hat ein Beispiel: E-Mobilität im Bauhof. Ihr Vorschlag sei im Dettelbacher Stadtrat zunächst sehr kritisch gesehen worden. Jetzt gibt es längst ein Fahrzeug. Eine Bauhof E-Flotte soll nach ihrem Dafürhalten auch an anderen Standorten ausgebaut werden und zwar mit sozial und umwelfreundlich gewonnenen Rohstoffen, was dank eines Lieferkettengesetzes möglich wäre. „Warum nicht auch mit Lastenrädern?“

Weimann möchte das Car-Sharing im Landkreis etablieren, den Bahnverkehr ausbauen. Dem weiteren Straßenausbau erteilt sie hingegen eine Absage. Einig ist sie sich mit allen Fraktionen, dass die Haltestellen der Bahn endlich barrierefrei ausgebaut werden müssen. Dettelbach-Bahnhof war bis vor einiger Zeit noch nicht einmal beleuchtet. „Da ist es schon mal vorgekommen, dass man über eine tote Ratte gestolpert ist“, erzählt sie.

Dass den Gemeinden bei der Ertüchtigung der Bahnhaltestellen die Hände gebunden sind, ist ihr bewusst. Die Bahn und der Bund entscheiden. Und dass viel zu langsam für ihren Geschmack. Der Bund ist auch beim Thema Tempolimit auf Autobahnen zuständig. Weimann wünscht sich dort – im Sinne der Umwelt – längst eine Entscheidung für ein Limit. „Da passiert einfach zu wenig“, ärgert sie sich und gibt der CSU mit Verkehrsminister Andreas Scheuer eine Mitschuld. Die agiere auch beim ÖPNV-Ausbau zu zögerlich, dabei betreffe das Thema alle Bürger. „Warum nicht einen Tarif für alle einführen?“, fragt die Kreisrätin. „Warum nicht auf die Mehrwertsteuer auf Fahrten mit Bus und Bahn verzichten?“

Möglichkeiten, den ÖPNV in eine sozial gerechte und umweltverträgliche Zukunft zu führen, gibt es nach ihrer Überzeugung genug. „Wir müssen nur endlich damit anfangen“, fordert Weimann. Im Kleinen will sie das tun – und hofft dabei auf Synergieeffekte im Großen.