Hans Lang, ein Abenteurer? Nein, eigentlich gar nicht. Den Diplom-Betriebswirt, Steuerberater und Rechtsanwalt bringt man in Kitzingen eher mit Begriffen wie Bodenständigkeit und Sicherheit in Verbindung. Und doch: Seit rund einem Jahr ist Lang auch eine Art Indiana Jones der Altstadt.

„Das verwilderte Grundstück mit seinem alten Baumbestand hat mich fasziniert.“
Hans Lang

Dort, zwischen Leidenhof, Kapuzinerstraße und Kaufhaus Storg, hat er zusammen mit seiner Frau Ingrid vor vier Jahren ein 2300 Quadratmeter großes Areal mit allerlei historischer Bausubstanz gekauft, darunter zwei alten Stadttürmen mit jahrhundertealten Geheimnissen.

„Das verwilderte Grundstück mit seinem alten Baumbestand hat mich fasziniert“, denkt Lang an die Zeiten zurück, in denen er die letzte Besitzerin besuchte. „Die alte Frau Hartner gehörte zu meinen langjährigen Klienten.“ Sie war die Hinterbliebene des früheren Malergeschäftes Michael Hartner, das im Leidenhof 11 seinen Betriebssitz hatte.

Wenn, dann richtig. Schon vor ihrem Tod hatte die alte Damen es Hans Lang ans Herz gelegt, der Erbengemeinschaft das Grundstück abzukaufen. Nach Rücksprache mit seiner Frau tat der Steuerberater, der aus einer alten Etwashäuser Gärtnerei stammt, das tatsächlich. „Dieses Objekt“, sagt er fast feierlich, „ist so schön und so zentral - das gibt es in Kitzingen nur einmal.“

Klar war aber von Anfang an auch: Eine vollumfängliche Instandsetzung und Generalsanierung war unumgänglich. Und eine solche kostet Geld. Viel Geld.

Hans Lang nahm die Herausforderung an. „Wenn, dann g'scheit“ - nach diesem Motto ließ er dem mit ihm befreundeten Architekten Karl-Heinz Schmidt weitgehend freie Hand. Als Bauleiter sollte der für schwierige Denkmalschutzobjekte bekannte Schmidt nicht nur die alte, dreigeschossige Villa auf Vordermann bringen, sondern auch die innere Stadtmauer, die sich mitten durchs Grundstück zieht, sowie die beiden früheren Stadttürme. Letztere stehen auf Grundmauern aus dem 13. Jahrhundert.

Verglichen mit historischen Stichen wurde schnell deutlich, dass Mauer und Türme Anfang des vergangenen Jahrhunderts einige Meter weiter aus der Erde ragten. „Sie müssen – wahrscheinlich nach dem Krieg – verfüllt worden sein.“

Um bis zum Eckturm vorzudringen, musste Hans Lang sich erstmal durch dichtes Gestrüpp arbeiten. Dann betrat er vorsichtig das Rund aus Bruchsteinen, das 50 Jahre lang im Dornröschenschlaf gelegen hatte. „Das war schon sehr spannend“, erinnert sich Lang. Im Inneren des Turmes lässt ein schmales Loch erahnen, dass es in der unteren Etage noch einiges zu entdecken gibt. „Bevor der Bodenbelag aus Muschelkalk erneuert wird, erweitern wir das Loch und schicken jemanden runter“, sagt Lang. Alte Zeichnungen lassen vermuten, dass es dort unten noch Türen gibt. Doch wohin sie führen, weiß niemand. Ob es vielleicht geheime Gänge gibt? Hans Lang schüttelt den Kopf, meint dann aber lachend: „Wer weiß es schon. . . .“

Immerhin: Einen Schatz hat er während der Sanierung bereits entdeckt - einen flüssigen. Im alten Gewölbekeller unter der Villa lagerte unter einer dicken Staubschicht ein französischer Rotwein aus dem Jahr 1930. Entkorkt hat er diesen noch nicht – auch dann nicht, als er einen kräftigen Schluck ganz gut hätte gebrauchen können. Etwa, als er den Preis für die Dachrenovierung am unteren Turm erfuhr. Dass eine Rundum-Erneuerung des denkmalgeschützten Anwesens nicht billig werden würde, war Lang jedoch im Vorfeld schon klar. Alle Wohnungen wurden nach modernstem Standard saniert, auch energetisch, soweit das Denkmalschutzamt grünes Licht gab. Alle Fenster sind dreifach verglast, die Fensterbretter extra nach historischem Vorbild angefertigt. „Das allein hat Zehntausend gekostet.“

Die Kunst, Alt und Neu harmonisch zu verbinden, musste Karl-Heinz Schmidt unter anderem bei den Balkonen unter Beweis stellen. Über drei Geschosse erstreckt sich die Metall-Holz-Konstruktion, die sich perfekt ans beige-grau-bordeauxrot gestrichene, historische Ensemble anlehnt - im wahrsten Sinn des Wortes.

Nachdem die Immobilien weitestgehend saniert sind, kommt nun der Außenbereich an die Reihe. Bis in den Spätherbst soll das Areal komplett erneuert sein, der Garten mit seinem alten Baumbestand und der abends beleuchteten Stadtmauer soll zum Verweilen einladen und - so schwebt es Hans Lang vor - auch als Kulisse für Kleinkunst- und kleine Musikveranstaltungen dienen.

Sicher ist sich Lang auch darin, dass „die alte Frau Hartner ihre Freude hätte“, wenn sie das erneuerte Anwesen sehen könnte. Auch der Bauherr klingt durchaus begeistert, wenn er von seinem Projekt berichtet. „Klar, es hat viele Überraschungen gegeben, eigentlich jeden Tag was Neues. Aber es ist irre, wenn man sieht, was aus dem Ganzen geworden ist. Ich bin da richtig reingewachsen.“

Würde er die nervenaufreibende Generalsanierung noch einmal in Angriff nehmen? Hans Lang lacht: „Ja, trotz aller Aufregung. Das Gelände ist einfach einmalig.“

ONLINE-TIPP

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