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KITZINGEN

Sie kriegt alles gebacken

Olga Kopp kämpft für ihren Kindheitstraum. Von Rückschlägen lässt sich die Konditor-Meisterin keinesfalls entmutigen.
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Sie hat den Mut und die Zuversicht nicht verloren: Olga Kopp in ihrem Etwashäuser Laden. Im nächsten Jahr will sie ihren Traum von einem eigenen Café verwirklichen. Fotos: Ralf Dieter Foto: Ralf Dieter
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Sie hat sich ihren Kindheitstraum erfüllt. Noch nicht ganz, aber sie ist auf einem guten Weg. Olga Kopp hat schon als junges Mädchen viele Kuchen und Torten gebacken und Pralinen hergestellt. „Die wollte ich immer in einer eigenen Konditorei beziehungsweise einem eigenen Café verkaufen“, erinnert sie sich. Der Traum ist in greifbare Nähe gerückt.

Besuch in „Olgas Naschwerkstatt“ in der Mainbernheimer Straße in Etwashausen. Um 12.30 Uhr öffnet die 32-Jährige hier an drei Tagen in der Woche ihren Laden. Die alt eingesessenen Etwashäuser werden sich erinnern. Von 1967 bis 1987 hat die Bäckerei Jöstlein hier ihre Backwaren angeboten und ein Café betrieben. Viele Jahre standen die Räume leer. Bis sie Olga Kopp vor zweieinhalb Jahren wieder zum Leben erweckte.

Geboren wurden Olga Kopp als Olga Zuravlev in Russland. Mit ihrer Mutter hat sie viel gebacken und im zarten Alter von zehn Jahren war ihr klar: Es gibt nur einen Beruf für mich, Konditorin. Als Olga 13 Jahre alt war, siedelte die Familie nach Deutschland um, an ihrem Traum änderte das nichts. Ihre erste Bewerbung war gleich ein Erfolg. In Gemünden am Main lernte sie das Handwerk von Grund auf. „Ich habe vieles selbstständig erledigen müssen“, erinnert sie sich. „Ich war ganz schön gefordert.“ Im Nachhinein ist sie dankbar. Sie hatte frühzeitig das Rüstzeug, um die Meisterschule in Köln zu besuchen. „Als Jüngste im Kurs.“

Mit 21 Jahren stand Olga Zuravlev die Welt offen. In Gemünden am Main wollte sie die Ausbildungsstätte übernehmen, als der Besitzer in Ruhestand ging. „Er meinte, ich sei noch zu jung.“ Zwei weitere Versuche in anderen Städten scheiterten, dann nahm sie eine Stelle in Nürnberg an. Und dann kam alles anders als gedacht. Olga Kopp wurde schwanger, zog mit ihrem Mann nach Kitzingen. Zwei Kinder brachte sie auf die Welt, der Fokus veränderte sich.

Die Ehe scheiterte und als die Kinder in den Kindergarten gingen, wollte die zweifache Mutter wieder durchstarten. „Natürlich als Konditorin“, sagt sie und lacht. „Ich habe nie etwas anderes gewollt.“

Der Wiedereinstieg war nicht leicht. Die einzige Frage, die sie von potenziellen Arbeitgebern gestellt bekam, lautete: Was tun Sie, wenn die Kinder krank sind oder Schulferien haben? „Niemand hat mich nach meiner Qualifikation gefragt“, staunt sie noch heute. Im Jobcenter Kitzingen ließ sie sich beraten und bekam einen Tipp, für den sie heute noch dankbar ist: Kontaktaufnahme mit den Aktivsenioren e.V. Der Verein berät Menschen, die sich selbstständig machen wollen, geht mit ihnen die Finanzierung und ein mögliches Geschäftsmodell durch. „Das hat mir super geholfen“, erinnert sich Olga Kopp. Vereinsvorsitzender Eugen Volbers stellte sogar den Kontakt zur Familie Jöstlein her und hatte letztendlich auch den Tipp für die Namensgebung: „Olgas Naschwerkstatt.“

Seit zweieinhalb Jahren hat die zweifache Mutter die Räumlichkeiten angemietet. „Der Anfang war schwer“, erinnerte sie sich. Der langgezogene Raum musste in einen Verkaufsraum und eine Produktionsstätte unterteilt werden. Es gab keine Möbel, keine Verkaufstheke. „Noch nicht einmal Fliesen an der Wand“, sagt Olga Kopp und lacht. „Hab ich selber gemacht.“ Im November 2017 konnte sie ihren ersten eigenen Laden eröffnen. Zunächst stellte sie ihre Waren nur auf Bestellung her, im März 2018 eröffnete sie auch die Ladentheke.

Aller Anfang ist schwer. Das musste auch Olga Kopp erfahren. Es dauerte, bis sich das neue Angebot in Etwashausen herumsprach. Sie bot ihre Waren auf dem Weihnachtsmarkt an, ist mittlerweile auch auf dem Wohnmobilstellplatz präsent, wo sie neben den eigenen Produkten Brötchen der Firma Fackelmanns Backstube GmbH verkauft. Nach und nach hat sie sich einen Namen in Kitzingen gemacht. „Und dann kam Corona.“ Keine Hochzeitsfeiern, keine Geburtstage oder Jubiläen. Für Olga Kopp hieß das: kaum Bestellungen für Kuchen und Torten oder erlesenes Gebäck wie Petits Four oder gefüllte Zaubernüsse. „Aber jetzt dürfen wir uns wieder freuen“, sagt sie. Mit den Lockerungen gehen auch wieder Bestellungen einher. Und die Hoffnung nimmt neue Gestalt an.

Den ehemaligen Verkaufsraum der Bäckerei Jöstlein, gleich neben Olgas Nachwerkstatt gelegen, könnte sie mieten und zu einem kleinen Café mit Sitzplätzen umbauen. Natürlich müsste sie dann wieder Geld in die Hand nehmen, umbauen und irgendwann bräuchte sie dann auch Mitarbeiter. Olga Kopp wird auch das nicht aus der Bahn werfen. „Man muss geduldig sein“, sagt sie. „Und an seine Träume glauben.“ Im nächsten Jahr könnte es so weit sein – und der Kindheitstraum von Olga Kopp geht endlich in Erfüllung.

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