Ordnung im Putz-Wirrwarr

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Ganze 132 Stunden umfasst alleine der Unterricht für Haus- und Textilpraxis im Zuge der Ausbildung zur Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung ...
Fotos: Daniela Röllinger
Wer den Lappen nicht zusammenknüllt, sondern ordentlich faltet, tut sich beim Putzen leichter und kann die ganze Fläche des Lappens nutzen.
Daniela Röllinger

Wer den Frühjahrsputz richtig organisiert, spart Zeit und Nerven.

Der Frühling ist schön. Putzen nicht. Trotzdem gehört beides irgendwie zusammen. Wenn die Tage länger werden und die Sonne durch die Fenster scheint, bringen wir traditionell den Haushalt auf Vordermann. Wer es richtig macht, der tut auch seiner Seele etwas Gutes.

Wir putzen doch das ganze Jahr über. Braucht es dann den Frühjahrsputz überhaupt noch? Gabriele Schenk hat die Frage an ihre Schülerinnen weitergegeben. Die Fachoberlehrerin unterrichtet die Teilnehmerinnen des Studiengangs Hauswirtschaft an der Landwirtschaftsschule in Kitzingen. Die Antworten machen deutlich: Natürlich muss zum Ende des Winters gründlich geputzt werden – auch wenn es die Holz- und Kohleöfen, die früher viel mehr Schmutz gemacht haben als heute, kaum noch gibt. Viel zu tun ist trotzdem: Die Winterkleidung muss aus dem Schrank, es wird entrümpelt und ausgemistet, die Vorhänge werden gewaschen, jeder Raum wird gründlich gereinigt. Und die Fenster werden geputzt. Letzteres ist genau die Aufgabe, die fast jedem beim Nachdenken über den Frühjahrsputz einfällt. „Das Fensterputzen ist das Markanteste“, sagt Gabriele Schenk. Wir wollen, dass das Licht hineindringen kann in unsere Wohnung. „Das bringt Lebenslust und macht uns leistungsstärker.“ Nach den langen, dunklen Winterwochen eine Wohltat auch für die Seele. So wie der Großputz überhaupt. Wer Ordnung macht und sich von Überflüssigem trennt, fühlt sich leichter und freier.

„Das Putzen ist eine

notwendige Grundlage. Aber es ist nicht das, was unser Leben bestimmen muss.“

Gabriele Schenk, Fachlehrerin

Zunächst aber ist der Gedanke an den Frühjahrsputz für viele Menschen eine Hürde. So viel zu tun – wo soll man nur anfangen? „Planung und Organisation ist die halbe Putzarbeit“, sagt Gabriele Schenk. Jede Firma strukturiere ihre Arbeit, aber im Haushalt mache man das oft nicht. Doch einfach drauflos zu putzen bringe nicht viel – und auch nicht, sich zu viel auf einmal vorzunehmen. Man muss genug Zeit einplanen, darf sich nicht zu sehr unter Druck setzen und muss daran denken, auch Pausen zu machen. Sonst tritt Frust ein.

Wer macht was, wie, wann und womit? Wer diese Fragen vor Beginn der Arbeit in einem Putzplan festhält, tut sich leichter. Er hat eine Gedächtnisstütze, arbeitet rationeller und spart damit Zeit. Und legt gleichzeitig fest, dass die Frau nicht alle Arbeiten alleine erledigen muss. „Kindern macht es zum Beispiel viel Spaß, ihre Legosteine oder Puppenkleider zu waschen“, weiß Gabriele Schenk.

Sie rät dazu, sich realistische Ziele zu setzen, diese klar festzulegen und in kleine Schritte aufzuteilen. „Eins nach dem anderen und nicht zu viel auf einmal.“ Als Beispiel nennt sie das Schlafzimmer. „Nicht gleich alle Kleider aus dem Schrank ausräumen und zu einem riesigen Berg türmen. Lieber Fach für Fach vorgehen.“ Winterkleidung, zu klein Gewordenes und nicht mehr getragene Kleidung gleich aussortieren, das Fach reinigen, den Rest wieder einsortieren. Dann erst kommt das nächste Fach und erst wenn der Schrank fertig ist, ist der nächste Gegenstand an der Reihe, rät die Fachfrau.

Ein ganz wichtiger Arbeitsgrundsatz ist es, strukturiert zu arbeiten: von oben nach unten, von innen nach außen, von hinten nach vorn. Und zügig vorgehen, nicht trödeln. Schließlich soll man nach dem Putzen ja auch noch Zeit für sich selbst haben. Zeit, in der man die Freude über die erledigte Arbeit nachwirken lassen und sich ruhig auch selbst belohnen darf, wie Gabriele Schenk findet.

Wer seine Arbeit in kleinere Schritte einteilt und diese schriftlich fixiert – egal, ob auf Post-Its, Schmierzetteln oder einer ausgedruckten Liste – der hat einen weiteren Vorteil: Er kann häufiger einen Haken hinter eine erledigte Aufgabe setzen. „Das gibt ein gutes Gefühl.“

„Es ist wie ein innerer Zwang, jedes Jahr zur gleichen Zeit jede Ecke und Ritze von Grund auf penibelst zu reinigen. Es ist lästig wie befreiend gleichermaßen.“
Teilnehmerin des Studiengangs Hauswirtschaft

Gar kein gutes Gefühl hat man oft beim Blick auf die vielen Putzmittel in den Supermarkt- und Drogerieregalen sowie auf die vielen verschiedenen Lappen und Arbeitsgeräte, die überall angeboten werden. Was ist das richtige Mittel? Wie viel muss man nehmen? Wie sieht der richtige Schrubber aus? Es sollte gutes Reinigungsmaterial sein, sagt Gabriele Schenk und nimmt einen Schrubber zur Hand. Der Stiel reicht ihr gerade mal bis auf Brusthöhe. „Viel zu kurz“, sagt sie und hält die Hand an die Nase: „Er muss bis dahin reichen.“ Passen die Geräte nämlich ergonomisch nicht, wirkt sich das auf den Körper aus. Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Verspannungen in den Schultern können die Folge sein.

Bei Tüchern gilt es zu überlegen, was man putzt. Sind die Schlaufen der Mikrofasertücher zu groß, können sie auf glatten Flächen Kratzer verursachen. Lieber ein gutes Tuch als viele günstige, die nicht so gut sind, rät sie. Und zeigt auch gleich, wie man die ganze Fläche eines Putztuches nutzt: Nicht einfach irgendwie in die Hand nehmen und zusammenknüllen, sondern sauber falten. So hat man acht bis 16 Flächen, die man zur Reinigung nutzen kann, bevor das Tuch ausgewaschen werden muss.

Und Reinigungsmittel? „Man braucht ganz wenig“, erklärt die Fachfrau – und das bezieht sich sowohl auf die Zahl der Reiniger als auch auf die Menge, die man ins Wasser gibt. Häufig reichen ein paar Tropfen. Von Essigreinigern bei der Hausarbeit hält sie wenig: „Sie können das Chrom und die Geräte beschädigen und ihre Dämpfe sind gesundheitsschädlich.“ Essigreiniger und Essigessenz sollten deshalb durch Zitronenreiniger ersetzt werden. Beim normalen Putzen tut es oft Neutralseife, manchmal reichen ein paar Tropfen Spüli im Wasser. „Das spart Plastik.“

Stundenlang könnte man über die Hausarbeit reden, sie ist ein weites Feld. Das zeigt auch die Tatsache, dass in der Ausbildung zur Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung alleine 132 Stunden nur Haus- und Textilpraxis unterrichtet werden. Auch das Reinigen spielt dabei eine Rolle: „Wir probieren unterschiedliche Reiniger mit unterschiedlichen Geräten auf unterschiedlichen Materialien aus“, erklärt Gabriele Schenk. Für das Fensterputzen beim Frühjahrsputz hat sie noch einen kleinen Tipp: Ein paar Tropfen Klarspüler ins Wasser und nicht während des Sonnenscheins putzen. Dann haben Streifen und Schlieren keine Chance.

Ausbildung: Die Landwirtschaftsschule im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bietet eine Ausbildung zur Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung an. Die Fachschule findet in Teilzeitform statt. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.aelf-kt.bayern.de und telefonisch unter 09321/3009-0.