Ohne Druck übergeben
Autor: Daniela Röllinger
Kitzingen, Donnerstag, 25. Sept. 2014
2024. Das ist weit weg. In den zehn Jahren kann viel passieren. Aber in den zehn Jahren muss auch viel passieren – zumindest, wenn ein Unternehmen bis dahin einen Nachfolger sucht. Das Thema betrifft viele, denn ein großer Teil der Unternehmer in der Region ist 55 Jahre oder älter. Wer zu spät die Weichen stellt, gefährdet womöglich seine Firma.
2024. Das ist weit weg. In den zehn Jahren kann viel passieren. Aber in den zehn Jahren muss auch viel passieren – zumindest, wenn ein Unternehmen bis dahin einen Nachfolger sucht. Das Thema betrifft viele, denn ein großer Teil der Unternehmer in der Region ist 55 Jahre oder älter. Wer zu spät die Weichen stellt, gefährdet womöglich seine Firma.
Die Nachfolge in Unternehmen gewinnt in Mainfranken aufgrund der hohen Anzahl inhabergeführter Betriebe zunehmend an Brisanz. Darauf hat Radu Ferendino, Geschäftsführer des IHK-Gremialausschusses Kitzingen, kürzlich hingewiesen. Bis 2018 stehen bayernweit rund 24 000 Übergaben an, das sind 16 Übergaben pro Tag in den kommenden vier Jahren. Daran hängen insgesamt 350 000 Arbeitsplätze. Dr. Sascha Genders, bei der IHK Würzburg-Schweinfurt zuständig für Gründung und Unternehmensnachfolge, spricht von „einer großen Herausforderung, die da auf uns zukommt.“ Die Zahl der Beratungen in diesem Bereich hat stark zugenommen. Die IHK unterstützt und begleitet die Unternehmen und hat dazu ein Servicepaket mit mehreren Bausteinen aufgelegt.
Auch im Handwerk spielt das Thema seit einiger Zeit eine immer größere Rolle. Etwa 18 000 Mitgliedsbetriebe hat die Handwerkskammer für Unterfranken. Bei zirka 5000 bis 6000 davon sind die Inhaber über 55 Jahre alt. „Das Thema wird in etwa zehn Jahren seinen Zenit erreichen“, meint deshalb Peter Urbansky von der Rechts- und Unternehmensberatung. Er geht davon aus, dass es nicht bei allen Betrieben möglich sein wird, einen Nachfolger zu finden – das hängt unter anderem mit der sinkenden Zahl an Schülern sowie an Meisterabschlüssen zusammen.
Das Feld der Fragen, die bei Übergaben und Übernahmen beachtet werden müssen, ist vielfältig. Doch nicht nur der Zustand des Unternehmens, Businesspläne, Förderprogramme, technische Fragen wie der Patentschutz und vieles mehr spielen eine Rolle. Es geht natürlich auch um den Preis, der für das Unternehmen verlangt beziehungsweise gezahlt werden kann – und es geht um Emotionen, sagt Peter Urbansky.
Je größer die Firma ist, desto komplexer ist eine Übergabe. Und je später die Eigentümer sich mit dem Thema befassen, desto größer die Fehlerhäufigkeit. „Es gibt Leute, die kommen im November und wollen zum 1. Januar übergeben oder übernehmen“, berichtet Urbansky. Eine Zeitspanne, die natürlich viel zu kurz ist. Er sei froh, wenn die Betroffenen drei bis vier Jahre vorher kommen und sich schon mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Die Zehn-Jahres-Frist kann sich bei Übergaben innerhalb der Familie aus steuerlichen Gründen positiv auswirken.
Sigurd Herrmann war Mitte 20, als er erstmals darüber nachgedacht hat, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Jetzt ist er 35 und steht seit vier Jahren alleine an der Spitze der Kitzinger Kummor GmbH. Die wurde 1930 in Nürnberg gegründet und nach dem Krieg in Kitzingen wieder aufgebaut. Nach zwei Generationen der Familie Kummor übernahm Sigurd Herrmanns Vater Siegfried das Geschäft, mit Sohn Sigurd ist es auf die vierte Generation übergegangen.
Der 35-Jährige ist mit dem Betrieb aufgewachsen. Doch wann war klar, dass er ihn einmal übernehmen würde? „Mit 16 ist so was schwierig zu entscheiden“, sagt er. „Da gehört Lebenserfahrung dazu.“ Die hat er im Studium gesammelt, ist Diplom-Ingenieur geworden. Praktika in einem Forschungsinstitut für Drucktechnik haben ihn auf den Geschmack gebracht, selbst Chef des elterlichen Unternehmens zu werden. Mitte 20 war für ihn klar, dass er Unternehmer werden, die Verantwortung übernehmen will. Mit Zwang von Seiten der Eltern, das sagt er ganz klar, wäre das nicht gegangen.