"Nicht immer nur Mosaiksteinchen"

4 Min
Lieblingsplatz für Astrid Glos: Der Stadtbalkon am Etwashäuser Mainufer.
Foto: Karl Schönherr

Sommerserie, Fraktionsvorsitzende im Interview: Astrid Glos (SPD) moniert mangelndes Projektmanagement

Sie haben unterschiedliche politische Ansichten. Sie diskutieren und sie streiten miteinander. Sie finden Lösungen. Und sie haben einen klaren Blick auf die Gegenwart und Zukunft ihrer Stadt. Wir haben den neun Fraktionsvorsitzenden im Kitzinger Stadtrat die gleichen zehn Fragen gestellt – die Antworten fallen sehr unterschiedlich aus.

Sind Sie mit der Entwicklung Kitzingens in den letzten vier Jahren zufrieden?

Astrid Glos: Nun ich denke, allein aus den Haushaltsreden der letzten vier Jahre sollte zu erkennen sein, dass wir, die SPD, sicherlich nicht umfänglich zufrieden sind. Viele der anvisierten Projekte und Maßnahmen wurden bislang noch nicht in Gänze umgesetzt beziehungsweise gerade mal vorgeplant. Uns fehlt der Realismus. Was kann ich wirklich schaffen und wie gehe ich an die Umsetzung? Hierbei fehlt das Projektmanagement, das auch in gewissem Sinn antreibt und das Ziel genau formuliert, wann ich es fertig gestellt haben möchte. Das stellen wir uns von einer modernen, aufgeschlossenen, projektorientierten Verwaltung vor. Ich denke gerade an die Parkplätze beim Bahnhof. Die Flächen, die zur ersten Umsetzungsphase gehören, sind in unserem Besitz, also, warum dauert es so lange? Insgesamt ist uns wichtig, dass wir uns Ziele setzen und nicht nur immer Mosaiksteinchen zur Erledigung bringen. Bedauerlicherweise vergeben wir auch viele Aufgaben nach außen, ohne dass sich unsere Stadtplaner selbst in die Entwicklung unserer Stadt einbringen. Unsäglich finden wir auch die Ruine am ehemaligen Marktcafé, dass es noch nicht gelungen ist, hier mit dem Bau zu beginnen. Auch hier hätten wir uns vorstellen können, dass es seitens der Stadt eine Entwicklung gegeben hätte und nicht durch einen Investor.

Was hat sich zum Positiven verändert?

Glos: Nun wir haben mit unserem Gartenschaugelände einen absoluten Mehrwert. Der Wohnmobilstellplatz zieht viele Besucher und Touristen an. Die städtische Mainseite ist aufgewertet und wird noch weiter ertüchtigt, zwar aus einem anderen Grund (marode Kaimauer), aber da entsteht weiter ein schönes Ambiente inmitten der Stadt an unserem Fluss. Die Investoren, die mit ihrem Wohnungsbau an exponierten Stellen für attraktive Angebote sorgen. Die Entwicklung der Konversionsflächen und die Schaffung von weiteren Arbeitsplätzen sichern ein angenehmes Wohlfühlen hier bei uns in Kitzingen. Derjenige, der sich für Kitzingen entscheidet, findet neben den verschiedensten Schularten und Bildungsangeboten sowie guten Einkaufsmöglichkeiten auch eine Vielzahl an kulturellen Angeboten, die das Leben in unserer Stadt abrunden, sei es durch die Museen, die vielen Veranstaltungen in der Alten Synagoge, unsere tolle Musikschule, ab Herbst auch noch die Wiedererstarkung des Roxy-Kinos. Kitzingen ist eine liebens- und lebenswerte Stadt.

Und was hat sich zum Negativen hin verändert?

Glos: Von negativ möchte ich nicht sprechen, eher von Stillstand. Dabei denke ich an die Gestaltung des öffentlichen Raumes, an die Innenstadt und die Aufenthaltsbereiche in der Innenstadt. Hier wäre es schön, wenn an die Gesamtstadt gedacht wäre und nun abschnittsweise eine Umsetzung erfolgen würde. Teilweise hat man begonnen, hier einen Platz umzugestalten, dort eine „Holper- und Stolperpiste“ zu beseitigen. Aber insgesamt sollten hier die Materialien festgelegt und dann für die gesamte Innenstadt gelten.

Welche Veränderungen würden Sie gerne in den kommenden zwei Jahren anstoßen?

Glos: Mir ist es wichtig, dass es uns gelingt, eine soziale Anlaufstelle zu schaffen, gerade wenn ich an das Notwohngebiet denke. Viele Jahrzehnte hatte man das nicht im Fokus, weil man den Aussagen und Rahmenbedingungen Glauben schenkte, dass das so alles in Ordnung sei. Heute stellt man aber fest, dass es hier um mehr geht. Es geht darum, die Menschen in ihren Nöten nicht mehr alleine zu lassen, sondern sich um sie zu bemühen, ihnen den Weg neu zu bereiten, weg vom Rand der Gesellschaft. Gerade uns war es wichtig und wir hatten da auch einen Antrag (Anfang 2017) gestellt, soziale Strukturen in unserer Stadt zu schaffen, denn es gibt für diesen Bereich keinen namentlichen Ansprechpartner. Dem konnte der Stadtrat leider nicht folgen. Aber wir blicken nicht zurück, zumindest für das Notwohngebiet ist man mit dem nun entschiedenen Einsatz von Sozialarbeitern auf einem positiven Weg.

Auch aus Integrationsgedanken heraus ist es mir als Referentin wichtig, dass wir Anlaufstellen schaffen, um die Menschen zu unterstützen. Ganz oben auf der Integrationsagenda steht ein so genanntes Bürgerhaus, bei dem die Schwellenangst nicht gegeben ist, die ein Amt, sei es Landratsamt oder Stadtverwaltung, ausstrahlt. Was uns weiterhin gelingen muss und da sehe ich unser Hauptaugenmerk, das ist der soziale Wohnungsbau. Es muss möglich sein, Wohnungen vorzuhalten, die für alle bezahlbar sind und gerade auch für junge Familien. Einige Städte und Gemeinden haben es vorgemacht, wie man durch staatliche Fördermittel günstig in sozialen Wohnungsbau investieren kann, hier wünschen wir uns ein Mehr.

Welches Projekt war das wichtigste in der bisherigen Legislaturperiode?

Glos: Die Investition in Kindergärten, um den Nachfragen, die sich seit langem abgezeichnet haben und von uns immer wieder ins Gespräch gebracht wurden, gerecht zu werden. Und der Neubau der Sporthalle direkt an der St.-Hedwig-Grundschule, denn damit ist es gelungen, durch die Schaffung von zusätzlichem Raum den Schulstandort zu stärken und nachhaltig zu stützen. Mit dem Offenen Ganztag, der damit ermöglicht wird, ist die Schule gut für die Zukunft aufgestellt.

Welches Thema ist bislang noch nicht ausreichend gewürdigt worden?

Glos: Für mich ist es das Sanierungsgebiet Innenstadt, das wir im Stadtrat seit vier Jahren ins Gespräch bringen und beauftragt haben und das noch immer nicht fertig vorliegt. So lange wir keinen Umgriff haben, keine Idee, was wir in der Innenstadt an exponierten Räumen gestalten möchten, so lange können wir uns auch nicht auf eine „Stadtentwicklungsreise“ begeben, um Kitzingen im Jahre 2035 zu denken.

Wie beurteilen Sie das Miteinander im Stadtrat?

Glos: Nun, der Umgang untereinander ist harmonischer geworden. Eine Begegnung auf Augenhöhe. Zumal auch jedem klar ist, dass wir nur gemeinsam zum Wohle unserer Bürgerinnen und Bürger etwas erreichen.

Wie sehen Sie die Zukunft des städtischen Museums?

Glos: Wenn es unter der Leitung von Frau Falkenstein den modernen Anforderungen angepasst wird, sehe ich die große Chance, das städtische Museum für die Zukunft fein aufzustellen und auch für zukünftige Besucher attraktiv zu gestalten.

Welche Schulnot geben Sie OB Siegfried Müller und warum diese?

Glos: Was soll ich bewerten? Den Umgang mit dem Stadtrat? Die Entwicklung Kitzingens? Mir persönlich gegenüber würde ich die Note‘ gut‘ geben wollen. Bei Gesprächen mit Investoren, Bauwerbern und Bürgern bin ich nicht dabei, das kann ich nicht bewerten. Ich denke, der Kitzinger hat da sein eigenes Bild.

Welches ist ihr Lieblingsort in Kitzingen?

Glos: Mein Lieblingsplatz in Kitzingen ist der Stadtbalkon mit seinen tollen Bänken zum Verweilen. Leider schaffe ich das viel zu wenig, mich dort aufzuhalten.