Eleganz und Charme, eine melodische Stimme, aber auch eine gehörige Portion Frechheit: Wenn Schauspieler Marc Rudolf in die Rolle der Megy B. schlüpft, ist musikalische Comedy-Travestie angesagt. Corona-bedingt mussten in den vergangenen Monaten viele Unterhaltungsabende ausfallen. Doch mit ausgeklügeltem Hygiene-Konzept lädt der Brunnenhof in Oberschwarzach-Handthal im November wieder zu einem Kunst- und Kulturprogramm ein. Während Megy die Gäste in Weihnachtsstimmung bringt, mimt Marc den Mörder. Und was passiert sonst noch?

Corona hat viele Menschen ängstlich gemacht. Kann Ihre Show aus Illusion, Magie und Glamour ihnen etwas Unbeschwertheit zurückgeben?

Marc RUDolf/ Megy B.: Das hoffe ich. Es ist das Ziel meiner Show, den Menschen wieder Mut und Lebensfreude zu bringen! Für mich als Münchner Schauspieler ist das eine Herzensaufgabe – es waren ja die Münchner Schäffler, die bunte Schleifen an ihre Fässer gebunden und den Menschen so nach den schlimmen Jahren der Pest wieder Lebensfreude gebracht haben. So will ich das mit meiner Kunst auch tun!

Sie haben mal gesagt, sie spielen auf der Bühne eine Frau, möchten aber in der Realität keine sein.

Ich bin Schauspieler, es gehört zu meinem Handwerk, eine Rolle zu spielen. Egal, ob ich eine Frau, einen Verbrecher oder einen Fuchs spiele. Wenn ich heute einen Mörder mime, möchte ich diesen glaubhaft spielen, aber keiner sein.

Was ist so schlecht daran, eine Frau zu sein?

(lacht) Es ist nichts Schlechtes daran, aber es ist furchtbar anstrengend. Ich würde morgens gar nicht fertig werden, die Leute würden wahnsinnig werden mit mir. Ich bin ganz froh, dass ich meine Frauenrolle nach Feierabend beenden kann.

Wie lange brauchen Sie, um von Marc zu Megy zu werden?

Ich stehe morgens gegen 8.30 Uhr auf, absolviere dann ein spezielles Trainingsprogramm mit Gesangsstunden und Gymnastik, denn mein Körper ist mein Kapital. Wenn ein Regisseur sagt, du musst einen Spagat können, dann muss ich das. Nachmittags mache ich meist ein bisschen Büroarbeit. Drei Stunden vor der Vorstellung gehe ich in die Maske. Für das Gesicht brauche ich etwa 45 Minuten. Anstrengender ist es, in Megys Körper zu klettern – in einen Körper, der mit meiner biologischen Grundausstattung nicht viel zu tun hat. Bis die Proportionen stimmen, dauert das eine Weile.

Und dann kommt abends die Show. Das heißt, Sie sind eigentlich den ganzen Tag mit ihrer Bühnenfigur beschäftigt.

Ja, wir Schauspieler sind genauso Handwerker wie Bäcker, Metzger, Bestatter. Mit dem einen Unterschied: Das Sichtbare unserer Kunst – die Show - ist nur der kleinste Teil der Zeit, die wir aufwenden müssen, um Qualität abzuliefern.

Die viele Schminke, die hohen Schuhe, eine vielleicht kratzige Perücke: Ich stelle es mir wenig erbaulich vor, als Mann von 1,86 Metern stundenlang die elegante Frau zu geben…

Ja, aber Rolle ist Rolle. Grundsätzlich bekommt im Theater jede Rolle die gleiche Aufmerksamkeit des Schauspielers. Erst arbeitet man die Rolle aus, den Charakter, die Geschichte, dann erst, ganz zum Schluss, kommt die Umsetzung mit Kostümierung und Make-up. Das Schminken und „in andere Kleider schlüpfen“ kann schon anstrengen. Ich sage immer: Jeder Künstler, der auf eine Bühne geht, läuft einen Marathon. Es ist erwiesen, dass wir ähnlich viele Kalorien verbrennen.

Dann sparen Sie sich also das sportliche Workout?

Ja, ist das nicht herrlich? Ich mache privat keinerlei Sport. Ich bin froh, wenn ich mal meine Ruhe habe. Bei mir passt das Sternzeichen. Ich bin ein echter Steinbock.

Sie lieben also die Ruhe auf einem Berg?

Ja, sagen wir so: Ich liebe die Ruhe beim Wandern. Ich liebe es, rauszugehen, alle Sorgen daheim zu lassen, den Kopf frei zu kriegen. Ohne Handy. Einfach das aufnehmen, was man sieht und hört. Mein zweites Mittel, um zur Ruhe zu kommen, sind Theatervorstellungen. Einem Künstler in der Oper, im Theater oder im Kabarett zuzusehen, wie er seine Rolle umsetzt, ist eine wundervolle Erfahrung! Ich tauche da richtig ab in eine andere Welt.

Gibt es Themen, die Sie als Megy B. nicht ansprechen würden, als Marc Rudolf aber schon? Oder umgekehrt?

Umgekehrt! Als Megy B. kann ich natürlich Sachen sagen, die man Marc Rudolf verübeln würde: Alterswitze, Anspielungen auf körperliche Merkmale bei Männern und Frauen. Als Megy kann ich mich prima über Mode und Schmuck auslassen und über aktuelle Themen, die in der Zeitung stehen; da baue ich spontan gern Gimmicks in die Shows ein. Grundsätzlich spreche ich nicht über Politik, weder als Megy noch als Marc. Meine Aufgabe ist es nicht, den Menschen zu sagen, was sie tun und lassen sollen. Ich bin dafür da, aktuelle Themen humorvoll aufzuarbeiten.

Worauf darf sich das Publikum bei Ihren Auftritten in Franken freuen?

An den ersten beiden Abenden – dem 27. und 28. November – gibt es die Travestie-Show „Megy Christmas-Show“. Ich mache mich dabei nicht etwa über Weihnachten lustig, im Gegenteil: Ich möchte mit dem Publikum eine richtig schöne Weihnachtsstimmung erleben, etwas fürs Herz und die Seele. Am 29. November spiele ich mit meiner Bühnenpartnerin Natascha Petz die Kriminalkömödie „Der Mörder ist immer der Gärtner“. Da kann ich auch mal eine andere Seite meines Könnens zeigen. Ich freue mich wirklich sehr auf die drei Abende in Handthal, zumal die Gastgeber eine sehr Corona-sichere Atmosphäre für Mitarbeiter und Gäste geschaffen haben.

Zur Person: Marc Rudolf, geboren 1982 in München, ist als Schauspieler und Entertainer vor allem in seiner Rolle als Megy B. bekannt geworden. Neben der Arbeit bei Varietés und Cabarets ist der gelernte Konditor gern auf Kreuzfahrtschiffen oder als Theater-Schauspieler unterwegs. Zuhause ist er mittlerweile in Rosenheim, er liebt die Berge und die Natur. Um sich schart er stets ein kleines Unternehmen aus Freunden und Familie: Seine Mutter schneidert die Kostüme, mehrere Freunde arbeiten in seinem Management.

Termine

Glamour-Dinner: Am Freitag und Samstag, 27. und 28. November, heißt es im Brunnenhof von Oberschwarzach-Handthal „MEGY Christmas“. Megy B. entführt die Gäste in einen musikalischen Winterwald. Bei Lebkuchen und Glühwein spricht Megy über Sinn und Unsinn des Lebens – auf liebevolle Weise und mit der nötigen Prise Humor.

Krimi-Musikrevue-Dinner: Am Sonntag, 29. November, heißt es im Brunnenhof: „Der Mörder ist immer der Gärtner“. Dunkle Gestalten und schwarzer Humor: Bei dieser Krimi-Musikrevue begeben sich Marc Rudolf und Natascha Petz auf eine musikalische Spurensuche durch das Krimi-Song-Repertoire, vom „Kriminal-Tango“ über „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ bis hin zu „Heut? ist Maskenball bei Scotland Yard“ und „Was will der Mann da auf der Veranda?“ Achtung, bissige Momente sind nicht ausgeschlossen: „Und der Haifisch, der hat Zähne...“ Info/ Anmeldung: info@der-brunnenhof.de, Telefon: 0 93 82 - 9 98 28