Druckartikel: Mit diesem Amt kann man schnell rechnen

Mit diesem Amt kann man schnell rechnen


Autor: Ralf Dieter

Kitzingen, Dienstag, 28. Juni 2016

Dritter Platz. In ganz Bayern. Das klingt doch gut. Christian Neumüller und Ludwig Seitz wollen den Erfolg aber nicht zu hoch hängen. Der Leiter des Kitzinger Finanzamtes und der Leiter der Abteilungen EDV und Veranlagungen sprechen lieber von einer Momentaufnahme. Bescheidenheit ist eine Zier.
Sie haben allen Grund zur Freude: Ludwig Seitz und Christian Neumüller freuen sich über die gute Bewertung für „ihr“ Finanzamt.


470 Finanzämter in ganz Deutschland sind auf ihre Bearbeitungszeiten von Lohnsteueranträgen unter die Lupe genommen worden. Ergebnis: Bielefeld-Außenstadt gewinnt mit einer durchschnittlichen Bearbeitungsdauer von 28,4 Tagen. Auf Rang 11: Kitzingen mit 34,8 Tagen. Zum Vergleich: Das nicht genannte Schlusslicht aus dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern braucht mehr als doppelt so lange: 86,6 Tage. Für die Kitzinger bedeutet das in Bayern Rang 3 hinter Kronach und Immenstadt.

„Ein motiviertes Team“

„Natürlich hat uns das Ergebnis gefreut“, sagt Neumüller, der seit 2013 die Behörde mit ihren 84 Mitarbeitern und 18 Auszubildenden leitet. „Aber gemessen wurden ja nur diejenigen Anträge, die über ein bestimmtes Internetportal eingelaufen sind.“ Dennoch: In Kitzingen werden die Anträge auf Lohnsteuerjahresausgleich offensichtlich schneller bearbeitet als in den meisten anderen Finanzämtern. Das belegt auch eine interne Studie der Behörde.

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„Da landen wir seit ein paar Jahren immer unter den besten zehn Prozent in Bayern“, freut sich Seitz. Woran das liegt? Neumüller und Seitz müssen nicht lange überlegen. An einer gewachsenen Personaldecke, an verbesserten Arbeitsabläufen. „Und an einem motivierten Team“, wie Neumüller betont.

Jeder Fall ist unterschiedlich, jeder Steuerpflichtige hat seine eigenen Fragen, Angaben und Nachfragen. Entsprechend schnell geht eine Bearbeitung vonstatten – oder entsprechend schleppend. „Zehn Tage brauchen wir mindestens“, erklärt Seitz. In schwierigen Fällen kann sich eine Bearbeitung auch über ein halbes bis dreiviertel Jahr hinziehen. „Wenn es viele Einwände und viel Diskussionsstoff gibt, ist das möglich.“ Ein paar emotionale Fälle gibt es in jedem Jahr, aber grundsätzlich sind die Fälle zügig bearbeitet. Die Abläufe sind automatisiert.

Zunächst müssen die Daten eingelesen und gesichtet werden. Ein elektronischer Risikofilter übernimmt anschließend das, was früher das Gefühl des Sachbearbeiters ausmachte. Er klopft die Angaben des Steuerpflichtigen nach möglichen Fehlern oder Unregelmäßigkeiten ab. „Die Kriterien dieses Filters sind geheim“, sagt Neumüller. „In unserem Haus kennt sie beispielsweise niemand.“

Ist der Risikofilter über das Programm gelaufen, schaut sich der Sachbearbeiter die Angaben noch einmal an. Dann wird der Bescheid erteilt.

32 770 Fälle haben die Mitarbeiter des Kitzinger Finanzamtes im Jahr 2011 zu bearbeiten. Im letzten Jahr waren es 35 820. Eine Steigerung von neun Prozent. Gerade bei den Arbeitnehmern hat sich die Zahl der Steuerpflichtigen erhöht – um mehr als 2000 innerhalb von vier Jahren. Und dennoch geht die Bearbeitung schneller voran als damals? Christian Neumüller hat eine einfache Erklärung. Seit 2011 bildet das Kitzinger Finanzamt wieder aus, seit diesem Zeitraum ist der Personalbestand um rund fünf Prozent gewachsen, seither ist auch die elektronische Unterstützung besser geworden.

Die Angaben der Unternehmen werden beispielsweise zentral eingescannt. Die Arbeitnehmeranträge, die noch auf Papier geschrieben sind, werden zentral vor erfasst. All das erleichtert den Sachbearbeitern vor Ort die Arbeit.

Plädoyer für ELSTER

Noch schneller ginge ihre Tätigkeit freilich vonstatten, wenn die Zahl der elektronisch übermittelten Anträge stiege. Wie viele Steuerpflichtigen ihre Anträge immer noch auf Papier ausfüllen, kann Neumüller nicht genau beziffern. „Aber es sind eine ganze Menge.“ Dabei liegen die Vorteile einer elektronischen Überlieferung, beispielsweise durch das Programm ELSTER, auf der Hand: Der Antragsteller kann auf die Daten des Vorjahres zurückgreifen, er kann sich die Steuererstattung selber ausrechnen lassen, er bekommt eine Vorschau auf den Steuerbescheid. „Das Ganze funktioniert mittlerweile problemlos und kostenlos“, versicher Neumüller und appelliert deshalb an die Steuerpflichtigen in Stadt und Landkreis Kitzingen auf die elektronischen Übermittlungsverfahren umzusteigen. Für ihn und seine Mitarbeiter hätte das womöglich eine erfreuliche Nebenwirkung: Beim nächsten Finanzamt-Vergleich könnten die Kitzinger noch besser abschneiden. Ein Platz ganz oben auf dem Podest wäre ein echter Grund zur Freude – bei aller Bescheidenheit.